Wirtschaft

Aus dem Handelskrieg zwischen den USA und China wird ein Währungskrieg

Die chinesische Notenbank wertet die Landeswährung Yuan ab.

Die chinesische Notenbank wertet die Landeswährung Yuan ab.

Im Streit mit den USA zückt China nun eine Waffe, die sich bereits einmal bewährt hat: die Manipulation des Yuan.

Eigentlich wollte die chinesische Führung ihre Landeswährung nicht mehr nach Belieben abwerten. Viele Jahre lang war das zum Vorteil der Exportwirtschaft durchaus gang und gäbe. Doch wie es sich für eine entwickelte Wirtschaft gehört, hatte China den Yuan in den letzten Jahren schrittweise liberalisiert und ihn stärker vom Markt bestimmen lassen.

In dem seit nunmehr anderthalb Jahren andauernden Handelskrieg mit den USA geht China allerdings die Munition aus. Anfangs konnte die Führung in Peking auf Strafzölle der USA stets mit Gegenzöllen auf US-Importe in ähnlichem Umfang kontern. Doch China importiert eben nicht so viel aus den Vereinigten Staaten wie umgekehrt. Nachdem US-Präsident Donald Trump vergangene Woche ankündigte, die Strafzölle gegen China bereits zum 1. September auf weitere Produkte aus der Volksrepublik im Umfang von 300 Milliarden Dollar mit einem Zoll von 10 Prozent zu belegen, übt Peking nun Vergeltung. Und zwar mit Abwertung der chinesischen Landeswährung.

In den letzten Jahren durchaus marktgesteuert

Zum ersten Mal seit elf Jahren kostete der US-Dollar am Montag wieder mehr als sieben Yuan. Diese Marke galt unter Währungsexperten als «rote Linie», welche die chinesische Notenbank nicht unterschreiten werde. Auch im Vergleich zu anderen Währungen wie dem Euro oder dem japanischen Yen gab der Yuan deutlich nach. Anders als frei konvertierbare Währungen wie Dollar, Euro, Yen und Pfund bewegt sich der Yuan, der auch Renminbi (Volkswährung) genannt wird, nicht komplett frei nach Marktkräften. Die Notenbank in China ist auch nicht unabhängig, sondern unmittelbar der Regierung unterstellt. Trotzdem ist der Yuan inzwischen zur fünftwichtigsten Währung aufgestiegen.

Bis 2005 war der Vorwurf berechtigt, dass China seine Währung künstlich niedrig hält, um auf diese Weise seine Waren auf dem Weltmarkt besser verkaufen zu können. Damals war der Kurs bei 8.28 Yuan je Dollar festgezurrt. Seither hat China den Yuan aber immer weiter freigegeben. In den letzten Jahren hatte die chinesische Notenbank ­jeden Tag einen Referenzkurs festgelegt, der zum Dollar maximal um 2 Prozent nach oben oder unten schwankt. Zudem wurde die Festsetzung des Wechselkurses an einen Währungskorb gebunden, den die Führung ebenfalls sukzessive erweiterte. Der Wert des Yuan war in den letzten Jahren also durchaus marktgesteuert.

Die Abwertung der Landeswährung begründet die chinesische Notenbank in einer Stellungnahme nun ganz offen mit «protektionistischen Tendenzen» und meint damit den Handelskrieg. Sie habe «die Erfahrung, das Vertrauen und die Fähigkeit, den Wechselkurs auf einem angemessenen und ausgewogenen Niveau stabil zu halten», gibt sie sich selbstbewusst.

Zurück zur Konfrontation

Parallel dazu hat die Regierung in Peking gestern chinesische Unternehmen dazu angewiesen, keine Agrargüter mehr aus den USA einzuführen. Vergangene Woche erst hatten sich die Unterhändler beider Seiten in Schanghai getroffen und sich darauf geeinigt, weiter zu verhandeln. Die Einfuhren von US-Agrarprodukten waren eigentlich ein Zugeständnis der chinesischen Seite, den Konflikt zu entschärfen. Doch nachdem Trump Ende der Woche weitere Strafzölle zum 1. September angekündigt hatte, setzt offensichtlich auch Peking wieder auf Konfrontation.

Und eine Abwertung des Yuan ist eine durchaus effektive Waffe. Denn ein schwacher Yuan mildert die Folgen der Strafzölle ab. Experten halten es für durchaus möglich, dass der festgelegte Wechselkurs zum Dollar bis zum Jahresende auf 7.30 Yuan steigen wird.

Doch Leidtragende eines schwächeren Yuans sind keineswegs nur die Amerikaner. Auch die europäische Exportindustrie ist von einer Abwertung der chinesischen Währung betroffen. Deutsche Waren etwa, die sich in China an und für sich grosser Beliebtheit erfreuen, werden für die chinesischen Abnehmer ebenfalls entsprechend teurer.

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