Wirtschaft

Aus Schmolz + Bickenbach wird Swiss Steel Group: Nennwert der Aktie soll halbiert werden

Mit einer Namensänderung und einer Kapitalreduktion versucht das Unternehmen Schmolz + Bickenbach einen Neustart.

Mit einer Namensänderung und einer Kapitalreduktion versucht das Unternehmen Schmolz + Bickenbach einen Neustart.

Eine ausserordentliche Generalversammlung soll den Nennwert der Schmolz + Bikenbach-Aktie halbieren und den Konzern in «Swiss Steel Group» umbenennen. Dies soll bei der Suche nach Geldgebern helfen.

(wap/sat) Die Coronapandemie hat den Schweizer Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach hart getroffen. Nun beruft das Unternehmen eine ausserordentlichen Generalversammlung ein. Mit einer Umstrukturierung und einer Kapitalreduktion soll der Konzern attraktiver für neue Geldgeber werden. Derzeit werde die Aktie des Unternehmens an der Börse deutlich unter dem Nennwert von 30 Rappen gehandelt, schreibt Schmolz + Bickenbach am Montag in einer Medienmitteilung. Dies sei rechtlich nicht haltbar.

Bereits vor zwei Wochen – bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen – hatten die Verantwortlichen über den Abbau von Stellen informiert. Am Hauptsitz in Luzern etwa ist ein Abbau von 20 Prozent der Stellen geplant. Entlassungen werden nicht ausgeschlossen. Zudem ist seit längerem bekannt, dass das Unternehmen bis 2024 sein operatives Ergebnis (Ebitda) um 274 Millionen Euro verbessern will. Letztes Jahr war Schmolz + Bickenbach tief in die roten Zahlen gerutscht und schrieb einen Konzernverlust von über einer halben Milliarde Euro. Auch der Umsatz brach markant ein, namentlich wegen der tieferen Nachfrage im Automobilsektor.

Eine ausserordentliche Generalversammlung soll darum den Nennwert der Aktie auf 15 Rappen halbieren. Der Betrag der Nennwertreduktion soll den Reserven zugeschrieben werden. Es handle sich dabei um einen technischen Schritt, der Flexibilität für künftige Kapitalerhöhungen bringe. Das Eigenkapital werde nicht geschmälert, heisst es, und an den Stimmrechtsverhältnissen ändere sich nichts. Allerdings werde es einfacher sein, neue Aktien auszugeben und so neues Geld zu beschaffen.

Management will finanzielle Mittel lockermachen

Beschliessen soll die ausserordentliche Generalversammlung auch über eine Namensänderung. Der neue Name «Swiss Steel Group» soll eine klare, zielgerichtete Positionierung vermitteln. Diese sei auch Gegenstand der laufenden Restrukturierung. Das Luzerner Traditionsunternehmen Schmolz + Bickenbach leidet nicht nur unter den direkten Folgen der Pandemie, sondern auch unter den Veränderungen im Automobilmarkt.

Schmolz + Bickenbach ist zwar auf dem internationalen Stahlmarkt tätig, gilt aber als für die Schweiz systemrelevant. Laut eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen weltweit mehr als 10'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt eigene Produktions- und Verteilgesellschaften in über 30 Ländern auf fünf Kontinenten. Wie der Stahlkonzern am Montag mitteilt, will das Management dem Unternehmen zusätzliche finanzielle Mittel zur Verfügung stellen. Dafür würden derzeit alle Optionen geprüft, heisst es in der Mitteilung weiter.

Buchstäblich in letzter Sekunde hatten sich im Februar die beiden Grossaktionäre von Schmolz+Bickenbach über die Rettung des angeschlagenen Luzerner Stahlherstellers geeinigt. Die Big Point Holding von Amag-Besitzer Martin Haefner und die Liwet Holding, deren Hauptaktionär der russische Investor Viktor Vekselberg ist, willigten schliesslich ein in Kapitalerhöhung im Umfang von mindestens 325 Millionen Franken. Bereits damals war klar, dass diesem Schritt eine grössere Umstrukturierung des Konzerns folgen wird.

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