Photovoltaik

Axpo steigt ins internationale Stromgeschäft ein – der Energieriese übernimmt die französische Urbasolar

Solarzellen über Parkplätzen: So stellt sich Axpo die Zukunft vor.

Solarzellen über Parkplätzen: So stellt sich Axpo die Zukunft vor.

Der Energiedienstleistungskonzern Axpo steigt ins internationale Solargeschäft ein. Er übernimmt das französische Photovoltaik-Unternehmen Urbasolar mit dem Hauptsitz in Montpellier.

«Die Zeit ist reif», sagte Andrew Walo, Chef des Badener Energieriesen Axpo, gestern an einer Medienkonferenz in Zürich. Dabei meinte er nicht das Herunterfahren des AKWs Beznau, sondern den Einstieg des Energieerzeugers in das internationale Solarenergiegeschäft mit der Übernahme des französischen Photovoltaik-Unternehmens Urbasolar. Damit vollzieht Axpo nun auch in der Sonnenenergie einen ähnlichen Schritt wie bereits im Windgeschäft mit der 2015 erfolgten Volkswind-Übernahme.

Die Urbasolar mit Sitz in Montpellier in Südfrankreich erwirtschaftete zuletzt mit 160 Mitarbeitenden einen Jahresumsatz von 104 Millionen Euro und soll gemäss Axpo profitabel arbeiten. Als eines der «bedeutendsten Unternehmen der Solarenergiebranche in Frankreich» habe Urbasolar seit der Gründung im Jahr 2006 bereits insgesamt 457 Anlagen gebaut, etwa auf Bürogebäuden, Industriedächern oder Einkaufszentren wie auch auf Freiflächenanlagen. Kunden sind sowohl die öffentliche Verwaltung wie auch Industrieunternehmen oder Detailhandelsketten wie Intermarché oder Carrefour.

Das Portfolio des Unternehmens umfasst laut den Angaben derzeit Photovoltaik-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 187 Megawatt (MW). Zudem verfüge Urbasolar über eine mehr als 1000 MW grosse Entwicklungspipeline. Zum Vergleich: In der Schweiz sind heute etwa 1500 MW installiert.

Das Unternehmen solle innerhalb des Axpo-Konzerns als eigenständige Tochter geführt werden, sagte Axpo-Chef Walo. Die Firmengründer, die zuletzt eine Mehrheit am Unternehmen hielten, sollen die Firma weiterhin leiten. Zum Kaufpreis machte Axpo keine Angaben.

Der Energiekonzern, an dem die Kantone Zürich und Aargau beteiligt sind, habe sich bewusst dafür entschieden, das Geschäft nicht selbst aufzubauen, sondern einen etablierten Player in der Branche zu übernehmen, sagte CEO Walo. «Wir wissen, was wir können und was wir nicht können.» Diese Vorgehensweise habe sich auch im Windgeschäft bewährt: Dort liefere die in Deutschland und Frankreich tätige Tochtergesellschaft Volkswind bereits solide Beiträge an das Konzernergebnis.

Kosten sinken noch leicht

Für die Axpo-Verantwortlichen ist auch der Zeitpunkt für einen Einstieg in das Solargeschäft günstig: Dies dank einem Mix aus deutlich gesunkenen Kosten und einem starken Wachstum. So seien die Preise für Grossanlagen in den vergangenen zehn Jahren um rund 80 Prozent gesunken und bis ins Jahr 2025 erwarte man einen weiteren Preisrückgang um einen Viertel, sagte Andy Heiz, Leiter Produktion & Netze, vor den Medien. «Die Gestehungskosten für Photovoltaik sind heute so weit gesunken, dass es keine Subventionen mehr braucht.»

Inzwischen machen die Solar-Panels nur noch einen kleinen Teil der Gesamtanlagekosten aus. Deshalb werden in Zukunft die Kosten für PV-Anlagen nur noch leicht fallen. Auf die Rentabilität und die Umweltbilanz der Sonnenenergie drückt insbesondere, dass die Panels oft bereits nach 20 Jahren ersetzt werden müssen. Alte Photovoltaik-Module müssen dann in teuren Rezyklierverfahren entsorgt werden. Im Solar-Pionierland Deutschland müssen Hunderttausende solcher alter, nicht mehr funktionstüchtiger Module ersetzt werden.

Trotzdem erwartet Andy Heiz von Axpo, dass nach Jahren der Stagnation auch in Europa wieder vermehrt Solarenergie zugebaut wird, nachdem das Wachstum in den vergangenen Jahren vor allem in Asien stattgefunden hat. Dies liege zum einen am Preisrückgang, andererseits aber auch am politischen Willen zum Ausbau der Photovoltaik, ist Axpo überzeugt.

Mehr Sonne in Südeuropa

Der Urbasolar-Heimmarkt Frankreich sei schon heute einer der grössten Märkte für Solarenergie in Europa und dürfte in den kommenden Jahren stark wachsen. So habe die Regierung unter Emmanuel Macron das erklärte Ziel, die Photovoltaik-Anlagen auszubauen, sagt Heiz.

Daneben soll Urbasolar aber auch international expandieren. Zielmärkte sind Staaten wie Spanien, Italien und Portugal, wo das französische Unternehmen von der neuen Muttergesellschaft Axpo profitieren soll. Axpo denkt dabei vor allem an seine Erfahrung im Vermarkten von Strom mittels Abnahmeverträgen.

In der Schweiz ist Axpo im Solargeschäft über ihre Beteiligung CKW vertreten. Daran dürfte sich auch in Zukunft wenig ändern. «Die natürlichen Rahmenbedingungen sind in südlichen Ländern besser», sagt Axpo-Chef Walo. Dort scheine die Sonne «mehr und intensiver». Laut Christoph Sutter, Chef des Bereichs erneuerbare Energien und Head M&A der Axpo, ist die Energieausbeute im Schweizer Mittelland etwa 10 Prozent tiefer als im Süden.

Verwandte Themen:

Autor

Beat Schmid

Meistgesehen

Artboard 1