Offenbar ist am Montag bei der Basler Bank Sarasin alles ein wenig hektisch gelaufen. Am Nachmittag wurde auf der Webseite der Basler Bank immer noch Joachim Strähle als CEO geführt. Doch am Morgen hatte die Bank per Communiqué mitgeteilt, dass Strähle als CEO gehen muss. Neuer CEO von Sarasin wird Edmond Michaan, der derzeitige CEO der Bank J. Safra (Schweiz). Unterstützt wird er mit Eric G. Sarasin von einem Sprössling der Basler Bankerfamilie.

Bankenkenner werten den Sesselwechsel als Entmachtung der alten Sarasin-Garde. «Alle Mitarbeiter, die früher etwas zu sagen hatten, verlassen nach der Übernahme der Bank durch die brasilianische Safra-Gruppe Sarasin», so ein Beobachter.

Joachim Strähle, den intern alle nur «Joe» nannten, ist gemäss gut informierten Kreisen wegen seiner teuren Expansionsstrategie in Ungnade gefallen. Er hatte in den vergangenen Jahren vor allem im asiatischen Raum teure Kundengelder akquiriert, worunter das Verhältnis zwischen Verwaltungskosten und Einnahmen, das sogenannte Cost-Income-Ratio, gelitten hatte. «Die neuen Eigentümer sind nun offenbar kostensensitiver», so ein Beobachter gegenüber der «Nordwestschweiz».

Schwächung der Nachhaltigkeitssparte

Die Bank stellt dies in Abrede. Die Reorganisation des Executive Committee erleichtere die Integration der Bank Sarasin und Bank J. Safra für die bevorstehende Fusion. Im November 2011 wurde bekannt, dass Sarasin von der brasilianischen Safra-Familie übernommen will. Die Bank Sarasin wurde 1841 gegründet und ging im Jahr 1987 an die Börse. Die Aktien von Sarasin wurden inzwischen dekotiert. Sobald die Finanzmarktaufsicht (Finma) die Übernahme von Sarasin durch Safra bewilligt hat, wird die Bank neu unter dem Namen Bank J. Safra Sarasin auftreten.

Angefangen hatte die «Reorganisation» im vergangenen Sommer, als der Verwaltungsratspräsident Christoph Ammann und der Verwaltungsrat Peter Derendinger Sarasin verlassen hatten. «Ammann und Derendinger hatten das Heu mit den neuen Eigentümern nicht auf der gleichen Bühne», hiess es gestern in banknahen Kreisen.

Und erst vergangene Woche hatte die Basler Bank mit Andreas Knörzer einen führenden Kopf der Sparte für nachhaltige Anlagen an die Notenstein Privatbank verloren. Für Sarasin ein herber Verlust, da die Basler neben RobecoSAM einer der grössten Player im Geschäft mit nachhaltigen Anlagen war.

Ebenfalls an Notenstein verloren hat Sarasin Aris Prepoudis, den Chef des institutionellen Geschäfts. Das ist gemäss Beobachtern für Sarasin allerdings weniger schmerzvoll, da das Geschäft mit institutionellen Kunden im klassischen Private Banking nachrangig sei.

Gemäss dem gestrigen Communiqué will Sarasin aber weiter in diesem Geschäft mit nachhaltigen Anlagen aktiv sein. «Die neue Führung wird die erfolgreiche Strategie der Gruppe fortführen, welche auf der Nachhaltigkeit unserer Anlagen für unsere Kunden beruht und gleichzeitig unser Wachstum weltweit vorantreiben», wird Jacob Safra in der Medienmitteilung zitiert.

Anzeige wegen Anlagebetrugs eingereicht

Dass Eric G. Sarasin bei der neuen Bank in der Geschäftsleitung amtieren wird, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz. Denn er soll am Vertrieb eines umstrittenen Anlageprodukts in Deutschland beteiligt gewesen sein, gegen das der Stuttgarter Anwalt Eckart Seith bei der Staatsanwaltschaft Zürich und bei der Finma Strafanzeige eingereicht hat.

«Eric Sarasin hat das Produkt noch bis Anfang 2011 in Deutschland vertrieben, als andere Banken bereits damit aufgehört haben», sagt Seith auf Anfrage und bestätigt damit einen Bericht der «Süddeutschen Zeitung». Der Abgang von «Joe» Strähle dagegen habe nichts mit seiner Klage Anzeige zu tun. «Strähle war in den Vertrieb des beanstandeten Produktes nicht involviert», so Seith gegenüber der «Nordwestschweiz» weiter.

Der Stuttgarter Anwalt wirft der Basler Bank vor, dass sie mit einem sogenannten Dividenden-Stripping Steuererstattung in Milliardenhöhe erschwindelt habe. «Die Anleger hatten keine Ahnung, dass die Kapitalertragssteuern beim beklagten Produkt zweimal in Abzug gebracht worden sind», sagt Seith. Deshalb hat er in Zürich wegen Anlagebetrugs und arglistige Täuschung Strafanzeige gegen drei Sarasin-Manager und einen ehemaligen Geschäftsführer erstattet. Die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich hat den Eingang am Montag bestätigt. Die Bank Sarasin wollte dazu keine Stellung nehmen.