Die arabische Koalition der Golfstaaten versucht, ihr Mitglied Katar politisch und wirtschaftlich zu isolieren. Der Vorwurf, das Land finanziere den Terrorismus und leiste mit seiner Unterstützung für den Iran der Verbreitung von «Chaos» Vorschub, wiegt schwer. Ob er über die regionalen Sanktionen im Nahen Osten hinaus Folgen haben wird, muss sich noch weisen. Ein ehemaliger Schweizer Spitzendiplomat zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung skeptisch. Für ihn ist es «unwahrscheinlich», dass sich die Völkergemeinschaft im UNO-Sicherheitsrat einstimmig auf ein Sanktionsregime gegen Katar einigen werden.

Das Land ist extrem globalisiert und erfüllt auch militärisch und politisch eine wichtige regionale Brückenfunktion für die westliche Welt. Sollten die Vereinten Nationen wider Erwarten doch Sanktionen gegen Katar beschliessen, wäre die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, sie umzusetzen. Zudem prüfe der Bundesrat die Übernahme von Sanktionen der EU im Einzelfall im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung, hiess es auf Anfrage beim Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern.

Wäre die CS betroffen?

Sanktionen könnten unter anderem die Eigentumsrechte der Kataris an der Credit Suisse tangieren. Der Golfstaat ist mit 5,1 Prozent einer der grössten Aktionäre bei der Grossbank. Zudem haben die Scheichs dem Institut 1,7 Milliarden Dollar und 2,5 Milliarden Franken in Form sogenannter Pflichtwandelanleihen (Coco) ausgeliehen. Diese Anleihen sind so ausgestaltet, dass sie im Krisenfall in Aktien wandeln. Für die Inkaufnahme dieses Risikos werden die Gläubiger fürstlich entschädigt. Die Anleihen werden zu 9,5 beziehungsweise zu 9 Prozent im Jahr verzinst. Die Bank überweist somit jährlich umgerechnet 388 Millionen Dollar nach Katar, wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage erklärte.

Dazu kommen die Dividenden, die nochmals über 50 Millionen Franken erreichen können. Über die Anleihen besitzen die Investoren aus dem Nahen Osten zusätzliche Erwerbsrechte am Aktienkapital von bis zu 12,96 Prozent. Im grossen Stil waren die Scheichs im Herbst 2008 bei Credit Suisse eingestiegen. Damals war es für die Credit Suisse darum gegangen, die Bank vor einer staatlichen Rettungsaktion zu bewahren, wie sie die UBS über sich ergehen lassen musste.

Die Verbindungen zwischen der Credit Suisse und dem kleinen, aber reichen Golfstaat gehen dem Vernehmen nach bis in die erste Hälfte des vergangen Jahrzehnts zurück. Inzwischen wird aber gemunkelt, dass die Leitung zwischen Doha und Zürich stockt. So ist im Frühjahr mit Jassim Al Thani der Vertreter der katarischen Herrscherfamilie aus dem Credit-Suisse-Verwaltungsrat zurückgetreten. Eine offizielle Begründung gab es nicht. Der Scheich ist erst 35 Jahre alt. Die Banksprecherin betonte auf Anfrage, die Beziehung zu den Grossaktionären aus Katar seien gut und stark und nicht abhängig von einer Vertretung im Verwaltungsrat.

Als Hoteliers in der Schweiz

Die Schweiz mit ihren vielen internationalen Unternehmen bietet für die Investoren aus dem Golfstaat über den Bankensektor hinaus ein naheliegendes Betätigungsfeld. So sind die Kataris mit 8,5 Prozent die grössten Aktionäre des Rohstoffhändlers Glencore. Die Scheichs hatten die Beteiligung 2012 gegen ihren Anteil am Bergbauunternehmen Xstratata eingetauscht.

Glencore-Chef und Grossaktionär Ivan Glasenberg wollte durch die Fusion mit Xstrata in die Liga der grössten Rohstoffhändler aufsteigen. Die Kataris entlarvten die Absicht des gebürtigen Südafrikaners und pochten auf eine Nachbesserung der Umtauschbedingungen. In der Folge geriet die hoch verschuldete Glencore in arge Schwierigkeiten.

Wie die Kataris bei Glencore Einfluss nehmen, ist kaum sichtbar. Die Scheichs haben bisher nicht direkt Einsitz im Verwaltungsrat genommen. Möglicherweise denken sie, eine solche Vertretung könnte dem politisch oft heiklen Rohstoffgeschäft abträglich sein.

Doch die Kataris wirken in der Schweiz auch andernorts als stille Grossinvestoren. Beim Duty-Free-Händler Dufry gehören sie mit 6,9 Prozent zu den grössten Eigentümern. Und in der Schweizer Luxushotellerie spielen die Scheichs gleich an mehreren Orten die erste Geige, vor allem in der Zentralschweiz. Das Bürgenstock-Resort über dem Vierwaldstättersee soll nach Abschluss des gigantischen Neubaus für 500 Millionen Franken in diesem Sommer eröffnet werden. In Bern haben die Kataris schon vor einiger Zeit das traditionsreiche Hotel Schweizerhof übernommen und für 45 Millionen Franken restauriert. Auch an den Gestaden des Genfersees (Lausanne) wird man im «Royal Savoy» Gast der Hoteliers aus dem Nahen Osten.