Geldwäscherei

Berufung eingelegt: Schuldige im ASE-Betrugsfall fordern tiefere Strafe

Der Betrugsfall ASE kommt vor das Aargauer Obergericht.SAN

Der Betrugsfall ASE kommt vor das Aargauer Obergericht.SAN

Im Fall ASE fechten Angeklagte und die Staatsanwalt des Kantons Aargau das Urteil an. Die Angeklagten fordern tiefere, die Staatsanwaltschaft höhere Strafen.

Zufrieden mit dem Urteil ist fast niemand. Fast alle Parteien haben im Betrugsfall ASE Berufung eingelegt. Deshalb kommt es nun zu einer weiteren Verhandlung vor dem Aargauer Obergericht. Sie wurde auf den 30. Januar angesetzt und wird drei Tage dauern, wie die «Schweiz am Wochenende» berichtete und nun vom Gericht in einer Mitteilung bestätigt wird.

Die Machenschaften der Fricktaler Investmentfirma ASE haben sich zu einem der grössten Betrugsfälle der Schweiz ausgewachsen. Das Unternehmen hatte zwischen 2006 und 2012 ein Schneeballsystem betrieben und damit knapp 2000 Geschädigte um 170 Millionen Franken betrogen. In erster Instanz wurde ASE-Geschäftsführer Martin Schlegel vom Bezirksgericht Laufenburg zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren und einer Geldstrafe von 360 Tagessätzen à 30 Franken verurteilt. Sein Geschäftspartner und Verwaltungsratspräsident von ASE, Simon M., erhielt eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren und eine Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 160 Franken.

Berufung eingereicht haben einerseits verschiedene Privatkläger. Sie fordern, dass Schlegel zusätzlich zu seinen zahlreichen Vergehen wie gewerbsmässiger Betrug und mehrfache qualifizierte ungetreue Geschäftsbesorgung auch wegen Geldwäscherei verurteilt wird. Es geht ihnen dabei insbesondere um Mittelabflüsse in Millionenhöhe ins Ausland. Schlegel seinerseits verlangt, dass er von einigen Vorwürfen freigesprochen wird und damit auch das Strafmass reduziert werden soll. Zu den konkreten Forderungen will sich sein Anwalt nicht äussern, da er sich mit seinem Klienten noch nicht habe besprechen können.

BKB-Berater akzeptiert Urteil

Schlegels Geschäftspartner Simon M. fordert sogar einen Freispruch. Er hatte bereits vor dem Bezirksgericht Laufenburg argumentiert, er sei von Schlegel ebenso systematisch getäuscht und geschädigt worden wie alle anderen. Letztlich sei er zu Unrecht zum Täter gemacht worden. Statt sich damals von den Richtern befragen zu lassen, verlas er eine 67-seitige Erklärung. Damit sei alles gesagt. Der Fall sei sehr umfangreich und komplex, weshalb es sehr schwierig sei, vollständige und präzise Aussagen zu machen. Im Gegenzug verlangt die Staatsanwaltschaft eine höhere Strafe für Simon M.

Einzig Manfred G., der ehemalige ASE-Kundenberater bei der Basler Kantonalbank (BKB), akzeptiert das Urteil. Er wurde zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Als versierter Bankfachmann hätte er kritisch nachfragen und entsprechende Massnahmen einleiten müssen, fand das Gericht damals. Dennoch erschien dem Gericht die von der Staatsanwaltschaft geforderte Freiheitsstrafe von drei Jahren zu hoch. Der Verteidiger von G. wiederum hatte einen Freispruch gefordert.

Der Fall ASE erhielt in den letzten Monaten neue Aufmerksamkeit. Die BKB war nicht nur die Hausbank der Fricktaler Firma, sondern auch Depotbank für rund 600 Kunden. Eine bis heute nicht vollständig geklärte Rolle spielte dabei der ehemalige BKB-Chef Guy Lachappelle. Dieser wurde mittlerweile zum Präsidenten von Raiffeisen gewählt. Zahlreiche Privatkläger haben zusätzlich zum Hauptverfahren eine Strafanzeige gegen die BKB wegen Verdachts auf Geldwäscherei eingereicht. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Aargau wollte dieses Verfahren einstellen, wurde nun aber vom Aargauer Obergericht zurückgepfiffen. Es ist davon auszugehen, dass die BKB diesen Entscheid vor Bundesgericht anfechten wird.

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