Detailhandel

Black-Friday-Test bestanden: fürs Weihnachtsgeschäft laufen die Corona-Vorbereitungen auf Hochtouren

Die Rabattschlacht lief in der Schweiz mehrheitlich gesittet ab: Hier stehen Kunden vor einem Geschäft in Lausanne Schlange.

Die Rabattschlacht lief in der Schweiz mehrheitlich gesittet ab: Hier stehen Kunden vor einem Geschäft in Lausanne Schlange.

Kundenströme, Warenverfügbarkeit und Transport: Detailhändler haben den Ansturm der vergangenen Rabatt-Tage gut bewältigt. Das Weihnachtsgeschäft wird aber nochmals eine andere Dimension.

Der Black Friday sei ein erster Test für das Weihnachtsgeschäft, sagte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen vor kurzem im Interview mit CH Media. Damit fasste er die Anspannung der Detailhändler gut zusammen. Denn dieses Jahr wird die umsatzstärkste Zeit für sie besonders herausfordernd: Sie müssen massiv mehr Onlinebestellungen abwickeln und ein gefährliches Gedränge in den Läden verhindern. Ist ihnen das an den vergangenen Rabatt-Tagen, die den Beginn des Weihnachtsgeschäfts markieren, gelungen? Oder brauchen sie mehr Kapazitäten und strengere Schutzkonzepte? Wir haben bei mehreren Händlern nachgefragt.

Wie gross war der Kundenansturm in den Läden und konnte er ohne grössere Probleme bewältigt werden?

Wie Bilder bereits gezeigt haben, lockte der Black Friday trotz Corona viele Leute in die Innenstädte und Einkaufszentren. Auch am Samstag waren die Läden gut besucht. Den notwendigen Abstand einzuhalten war vielfach nicht möglich, dafür hielten sich Kundinnen und Kunden vorbildlich an die Maskenpflicht. Die angefragten Detailhändler konnten den Ansturm nach eigenen Aussagen gut bewältigen. Bei Globus beispielsweise gab es «keine besonderen Vorkommnisse». Die Migros spricht von «kontrollierten Besuchen», die überwiegende Mehrheit der Kunden halte sich diszipliniert an die Regeln. Coop schreibt, dass sich die etablierten Schutzkonzepte auch am Black Friday bewährt hätten.

Wie gross war der Online-Ansturm? Wurden die Erwartungen übertroffen?

Der Ansturm auf Onlineshops war sehr gross, bei einigen wurden die hohen Erwartungen sogar übertroffen. So etwa beim Händler Brack.ch, der aber keine näheren Details nennt. Die Migros-Tochter Digitec-Galaxus hingegen schreibt: «Bereits kurz nach Mitternacht waren die ersten Produkte ausverkauft. Danach schliefen die Schnäppchenjäger aus und füllten ihre Warenkörbe wieder zwischen 9 und 10 Uhr. 2019 hingegen verzeichneten wir den grossen Ansturm früher: zwischen 7 und 8 Uhr – also auf dem Arbeitsweg.» Die Planung von Black Friday sei im «verrückten Jahr 2020» schwierig gewesen. «So wie es aussieht, haben wir richtig antizipiert und konnten das Volumen stemmen», heisst es bei Digitec-Galaxus.

Der Online-Kleiderhändler Zalando sowie Manor reagierten nicht auf die Anfrage. Dafür lieferten Migros und Coop Informationen: Die Migros registrierte bei ihren vier Fachmärkten Melectronics, Do it, SportXX und Micasa im Online-Bereich etwa eine Verdoppelung der Bestellungen im Vergleich zum Vorjahr. Coop spürte in der Black Week vor allem bei Coop.ch, Microspot.ch sowie Interdiscount.ch eine erhöhte Nachfrage. Die bereits seit dem Frühling gestiegene Nachfrage auf die Onlineshops habe somit nochmals zugenommen. Auch Globus bestätigt einen «sehr grossen» Ansturm auf den Onlineshop.

Wie viel Umsatz wurde in der Black Week erzielt und welche Produkte waren besonders gefragt?

Die genauen Umsätze geben die Detailhändler nicht bekannt. Die Antworten einiger Händler geben aber etwas Aufschluss: Bei Digitec Galaxus liege das Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr im «zweistelligen Bereich». Die Migros selbst spricht von einem «Umsatzplus, das in etwa den Erwartungen entspricht». Coop schreibt, dass man «zufrieden mit dem diesjährigen Black-Friday-Geschäft» ist. Microspot.ch verzeichnete auf seinem Portal rund 20 Prozent mehr Besucher als letztes Jahr.

An den meistverkauften Produkten sieht man, dass sich Konsumentinnen und Konsumenten bereits auf die Festtage vorbereiten. So wurde bei Globus bereits viel Weihnachtsschmuck gekauft. Auch bei den anderen Händlern wurden Artikel für Weihnachten, fürs Homeoffice sowie Produkte der IT und Unterhaltungselektronik gekauft. Hoch im Kurs waren bei Digitec Galaxus zum Beispiel Staubsauger, Kaffeemaschinen, Laptops, Mobiltelefone, Gamer-Hardware sowie Lego und Playmobil.

Reichen die Kapazitäten, um die Online-Bestellungen abzuwickeln? Oder müssen Kunden mit langen Wartezeiten rechnen?

Die Onlinehändler scheinen die riesige Nachfrage der letzten paar Tage gut stemmen zu können. «Die meisten Black-Friday-Bestellungen kommen bereits heute bei unseren Kunden an», heisst es bei Digitec Galaxus. «Unsere Mitarbeitenden in den Warenlagern haben einen super Job gemacht. Sie konnten das grosse Päcklivolumen stemmen, ohne dass es zu nennenswerten Lieferverzögerungen kam.» Auch die Coop-Töchter Interdiscount und Microspot.ch konnten die hohe Nachfrage gut bewältigen, wie Coop schreibt. Dies auch dank einer vollautomatisierten Verpackungsanlage, die seit gut einem Monat in Betrieb sei.

«Unser Team wie auch unsere Zustellpartner setzen alles daran, dass Kundinnen und Kunden ihre Schnäppchen schnell erhalten», schreibt auch Brack.ch. Gleichzeitig gibt der Händler zu Bedenken: «Bei aller Anstrengung sämtlicher Beteiligter: Black Friday und Cyber Monday bleiben jährlich einmalige Grossereignisse, bei denen das Transportnetz national unter grosser Last steht und mit Verspätungen gerechnet werden sollte – in der Pandemie sowieso. Auf diese Umstände machen wir unsere Kundinnen und Kunden transparent aufmerksam.»

Braucht es fürs Weihnachtsgeschäft weitere Massnahmen?

Alles in allem haben die Händler die vergangenen Rabatt-Tage gut gemeistert und scheinen auch für die kommenden Shopping-Wochen gewappnet zu sein. Praktisch alle haben in den letzten Monaten mehr Stellen in der Logistik geschaffen. In der Warenlagern von Digitec Galaxus beispielsweise arbeiten derzeit über 900 Personen, Ende 2019 waren es nur etwa 460. «Diese Aufstockung hat sich gelohnt: Wir haben die Feuerprobe bestanden und sind bereit fürs Weihnachtsgeschäft», so der Onlinehändler.

Auch die Migros schreibt: «Als erstes Zwischenfazit kann festgehalten werden: Test bestanden – auch wenn das Weihnachtsgeschäft nochmals eine ganz andere Kategorie sein wird.» Sprich: Über mehrere Wochen lang werden dann noch mehr Leute einkaufen und in die Läden strömen. Die Migros macht sich derzeit deshalb «im Krisenstab intensive Gedanken und überprüft Dispositive genau». «Bezüglich Warenverfügbarkeit, Personal und Transport sind wir sehr guter Dinge. Die grösste Knacknuss dürfte sicherlich sein, die Kundenströme möglichst gut zu verteilen – zeitlich aber auch im Laden selber.»

Autor

Gabriela Jordan

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