In den letzten Tagen sorgten die Branchengrössen für Aufsehen: Galaxus gab bekannt, dass sich die Migros mit 30 Prozent – und Option auf mehr – am Unternehmen beteilige, und Competec feierte mit einer grossen Party die Eröffnung des neuen Logistikzentrums in den früheren Lego-Hallen in Willisau.

Beide Unternehmen geniessen einen ausgezeichneten Ruf und gelten als innovativ, weil sie sehr früh das Potenzial des Internets als Absatzkanal für sich entdeckten. Strategisch verfolgen Competec und Galaxus aber zwei grundverschiedene Linien. Während Competec am neuen Logistikstandort Willisau 15 Millionen Franken in die Infrastruktur, sprich die Automatisierung, investiert hat, will Galaxus auch in Zukunft voll auf das Werkzeug Mensch setzen.

Kein Bedarf hier, unverzichtbar dort

Bei Galaxus ist die Logistik kaum automatisiert. Von einigen Packstrassen als kleine Hilfen abgesehen, wird alles von Hand gemacht. Das soll auf absehbare Zeit auch so bleiben: «Wir sind sehr zufrieden mit der Organisation unserer Logistik und planen keine Automatisierung. Wir sind zum Schluss gekommen, dass sich das für uns momentan nicht lohnt», sagt Stefanie Hynek, Medienverantwortliche von Galaxus, auf Anfrage der az. Auch wenn durch Automatisierungen gewisse Kosten gesenkt werden könnten, habe sich das Unternehmen entschieden, diesen Weg gegenwärtig nicht einzuschlagen.

Im Gegensatz dazu hat man bei der Konkurrenz Competec keinen Zweifel daran, dass die getätigten Investitionen richtig waren. Bisher war Firmengründer Roland Brack neuen Logistiksystemen gegenüber zwar ebenfalls eher kritisch eingestellt. Mit dem neuen System «Autostore» sieht er aber die Zeit für eine Umstellung gekommen. Er glaubt, dass sich die Roboter durchsetzen werden: «Ich erwarte einen Boom für diese Anlagen. Technisch ist das ein Quantensprung vergleichbar mit der Umstellung vom Pferd aufs Auto», sagt Brack. Grund für diese euphorischen Worte ist die Tatsache, dass «Autostore» innert kürzester Zeit sowohl die Kapazität als auch die Geschwindigkeit anpassen kann. Competecs Lagerhallen rund ums aargauische Mägenwil seien schon lange aus allen Nähten geplatzt, sagt Brack. Der Umzug in die neuen Räumlichkeiten in Willisau und das neue System seien deshalb ein Befreiungsschlag: «Die jetzige Lösung taugt für das dreifache Volumen von heute.»

Respekt für die Konkurrenz

Diese Kapazitäten wird das Unternehmen brauchen, wenn die ehrgeizigen Wachstumsziele erreicht werden. Brack will das heutige Sortiment von über 40000 Artikeln innerhalb von zwei bis drei Jahren verdoppeln. Zudem rechnet der Unternehmer für die absehbare Zukunft mit einer jährlichen Zunahme des Volumens von rund 25 Prozent. Der Umsatz (2011: 370 Millionen Franken) werde aufgrund des anhaltenden Preisdrucks aber nicht im gleichen Ausmass zunehmen, so der Unternehmer.

Weder Competec noch Galaxus wollen sich zur Strategie des anderen äussern. Zur Migros-Beteiligung an Galaxus sagt Brack: «Wir beobachten das mit dem nötigen Respekt.» Dazu muss man wissen: Galaxus ist nicht nur Konkurrentin von Competec, sondern auch Kundin von Alltron. Martin Frey, Experte Konsumgüterindustrie bei PricewaterhouseCoopers, will sich über die Strategien der beiden Unternehmen kein Urteil erlauben, weil er sie nicht im Detail kenne. Grundsätzlich ist er aber überzeugt, dass der Weg in der Logistik in Richtung Automatisierung gehen wird. «Es ist der einzige Weg, um auf der Kostenseite einen Schritt vorwärtszumachen», so Frey.