Einstellungsstopp

Branchenverband Swissmechanic meldet: Die Industrie baut mehr Jobs ab

Auch die Metallindustrie ist betroffen. (Symbolbild: Mario Heller)

Auch die Metallindustrie ist betroffen. (Symbolbild: Mario Heller)

Besonders schwierig haben es kleinere Firmen. Viele rechnen nicht mit einer baldigen Erholung.

In der Schweizerischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) nimmt die Bereitschaft Entlassungen vorzunehmen stark zu. Dies zeigt die jüngste Quartalsbefragung des Branchenverbandes Swissmechanic, die gestern veröffentlicht wurde. Im Rahmen der im Juli durchgeführten Befragung haben 27 Prozent der 300 befragten Swissmechanic-Mitgliedsfirmen angegeben, Entlassungen vorzunehmen. Im April waren es erst 16 Prozent gewesen. Zudem haben gut zwei Drittel der Firmen einen Einstellungsstopp verhängt.

Die starke Zunahme der Entlassungen ist insofern ein besonders schlechtes Signal, als rund ein Drittel der Betriebe die Belegschaft kurzarbeiten lässt und der Bundesrat die erleichterten Bedingungen für Kurzarbeitsentschädigungen eben erst bis Ende Jahr verlängert hat. Offensichtlich rechnen viele der insgesamt 1400 Swissmechanic-­Mitgliedsfirmen nicht mit einer baldigen Erholung ihrer wirtschaftlichen Lage. Im Juli meldeten 89 Prozent der Betriebe einen Auftragsmangel. Im April waren es noch 63 Prozent gewesen. Fast die Hälfte der Betriebe geht davon aus, dass der Auftragsmangel noch länger als sechs Monate anhalten wird.

70000 Angestellte, 6000 Lernende

Die Firmen beschäftigen insgesamt rund 70000 Angestellte – davon 6000 Lernende. Die ­Firmen repräsentieren den KMU-­Sektor in der Schweizer MEM-­Industrie. Die gesamte MEM-Industrie einschliesslich Grossfirmen zählt über 300000 Mitarbeitende in der Schweiz und ist damit ein wichtiger Pfeiler des Arbeitsmarktes.

Aktuelle Zahlen des Bundesamtes für Statistik (BFS) bestätigen den schlechten Zustand des Schweizer Produktionssektors. Die Industrieproduktion hat im zweiten Quartal gemäss BFS um 8,6 Prozent abgenommen. Der Höhepunkt wurde im Mai erreicht. Der Erlös aus dem Verkauf von Industrieprodukten hat im zweiten Quartal um 12,1 Prozent abgenommen.

Die Entwicklung blieb nicht ohne Folgen für den Arbeitsmarkt. Gestern veröffentlichte das BFS auch die Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung im zweiten Quartal. Nach dieser Statistik ist die Zahl der Erwerbstätigen – also jener erwerbsfähigen Personen, die einen Arbeitsplatz besetzen – um 1,6 Prozent gefallen. Das ist gemäss BFS der stärkste Rückgang seit 1993.

Zahl der Schweizer Erwerbstätigen nimmt ab

Überproportional stark hat im Berichtsquartal die Zahl der schweizerischen Erwerbstätigen abgenommen (–2,4 Prozent). Dies ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass viele Junge im Frühjahr keine Lehrstelle oder keinen ersten Job nach der Ausbildung antreten konnten. Zu vermuten ist zudem, dass auch eine grössere Zahl von Arbeitnehmenden im Alter von über 65 Jahren im Zug der Krise ihre Teilzeitanstellungen verloren haben.

Die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren hat Berichtsquartal um 7,7 Prozent zum Vorjahr abgenommen. Jene der über 65-jährigen um 10,1 Prozent. Die gesamtschweizerische Erwerbslosenquote ist von 4,2 Prozent auf 4,6 Prozent gestiegen. In der EU fiel der Anstieg der Quote mit 6,6 Prozent auf 6,9 Prozent weniger steil aus. Die Erwerbslosenquote wird durch Befragung von erwerbsfähigen Personen ermittelt, die für eine Arbeit verfügbar wären, aber in den letzten vier Wochen keine Beschäftigung gefunden haben.

Autor

Daniel Zulauf

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