Klingnau

CEO von de Sede: «Wir werden die Arbeitsplätze erhalten können»

Kapsar Niklaus, CEO von de Sede

Kapsar Niklaus, CEO von de Sede

Der Sitzmöbelhersteller de Sede AG ist der Insolvenz knapp entronnen – CEO Kaspar Niklaus (44) nimmt Stellung. Er ist überzeugt, dass die bestehenden Arbeitsplätze bestehen bleiben und äusserst sich zur Zukunft des Unternehmens.

Mitte August wurden die de Sede AG in Klingnau und die Machalke Polsterwerkstätten GmbH im fränkischen Hochstadt verkauft. Neuer Eigentümer ist eine Investorengruppe, die sich in der Desema Holding AG organisiert hat. Kaspar Niklaus, seit Januar 2012 Geschäftsführer der de Sede AG, blickt im Interview mit der az Aargauer Zeitung zurück auf die ereignisreichen letzten neun Monate und wagt einen Ausblick in die Zukunft der seit 1965 auf dem internationalen Möbelmarkt tätigen Firma.

Herr Niklaus, wer sich in einen de Sede-Sessel setzt, entspannt sich unwillkürlich. Können Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach den schwierigen letzten Monaten auch etwas entspannter in die Zukunft blicken?

Kaspar Niklaus: Definitiv: ja. Die Entspannung ist auch für die Mitarbeiter spürbar. Wir haben sie laufend über den Stand der Dinge informiert. Es fällt auf, dass die Angestellten seit der Übernahme durch die Desema AG vermehrt aus ihren Büros herauskommen und intensiver miteinander kommunizieren als vorher. Das heisst noch lange nicht, dass wir alle Probleme gelöst haben. Es gibt noch viel zu tun.

Können die Mitarbeiter in Klingnau davon ausgehen, dass ihre Arbeitsplätze sicher sind?

Niemand kann eine Arbeitsplatz-Garantie für die nächsten zehn Jahre abgeben. Aber wird sind überzeugt, dass wir die Arbeitsplätze der de Sede, die ja auch die FSM-Möbel produziert, erhalten können. Nicht ausgeschlossen ist, dass das Profil gewisser Arbeitsplätze angepasst werden muss und jemand eine andere Arbeit verrichtet als vorher. Überraschungen sind aber nicht zu erwarten.

Wie konnte ein Unternehmen mit dem Renommee der de Sede derart in Schwierigkeiten geraten?

Verschiedene Faktoren haben zu den Turbulenzen geführt. Sicher hat die Entwicklung des Euro unsere Lage nicht vereinfacht. Fest steht aber auch, dass bei der Betriebsführung, bei der Produktentwicklung und bei der Vertriebssteuerung einiges nachgeholt und korrigiert werden musste. Ein weiteres Erschwernis war die Finanzstruktur der früheren Besitzerin, die andere Ziele verfolgt hat als die jetzige.

Sie strahlen eine positive Grundhaltung aus. Was stimmt sie zuversichtlich, dass die de Sede AG auf die Erfolgsstrasse zurück kehren kann?

Wir geniessen weiterhin das Vertrauen des Fachhandels. Das ist sehr wichtig. Das Vertrauen der Lieferanten ist in letzter Zeit etwas strapaziert worden, aber auch das wird sich geben. Ich werde in den nächsten Wochen die Händler und Lieferanten aufsuchen und ihnen erklären, weshalb wir in diese Situation geraten sind. Zuversichtlich stimmt mich auch, dass wir die letzten Monate genutzt haben, innerhalb der Firma eine saubere Basis zu schaffen. Das heisst aber nicht, dass wir intern nicht weiter an uns arbeiten müssen.

Das Problem der de Sede war die Liquidität und weniger die Produktpalette.

de Sede ist als Marke gut positioniert. Die Liquidität ist durch die alte Finanzierungsstruktur strapaziert worden. Es war praktisch unmöglich, das zu bringen, was wir hätten bringen müssen, um alle Geldgeber zufrieden zu stellen.

Ist der Produktionsstandort Klingnau infrage gestellt?

Unsere Produkte sind «Swiss made». Dies verpflichtet uns, in der Schweiz zu produzieren. Diese Verpflichtung wollen wir nicht umgehen. Anders gesagt: Unsere Möbel basieren auf Handarbeit. Es gibt keinen Grund, ein hochwertiges Produkt in Osteuropa herstellen zu lassen, zumal die Effektivität in der Schweiz deutlich höher ist...

... und das technische Know-how vorhanden?

Ja. Wir machen uns Gedanken, wie wir die handwerklichen Fertigkeiten der Angestellten bei unseren Produkten noch mehr in den Vordergrund rücken können.

Ist Ihr Engagement bei de Sede mittel- oder langfristiger Natur?

(Niklaus überlegt und zählt): Ich bin jetzt neun Monate hier, stehe also kurz vor der Niederkunft (lacht). Das Engagement wird nicht von mittelfristiger, sondern von langfristiger Natur sein. Meiner Frau habe ich bereits mitgeteilt, dass ich vermutlich als Angestellter der de Sede pensioniert werde.

Wie sieht dann die de Sede aus?

Wir werden keine Gruppenstruktur mehr haben, sondern mit de Sede/FSM und Machalke zwei Töchter, die unabhängig voneinander operieren und rentabel sein müssen. Mittelfristig sind wir gefordert, die Rentabilität der de Sede zu steigern.

Werden neue Märkte erschlossen?

Die Marktlage in Europa ist heterogen und hart umkämpft. Trends, wohin es geht, sind nicht zu erkennen. Wir müssen zuerst den Heimmarkt richtig bearbeiten und sollten uns erst danach mit neuen Märkten in Asien oder Amerika beschäftigen.

Fliesst nach neun Monaten bereits de Sede-Blut in Ihren Adern?

Wer mich kennt, weiss, dass ich das, was ich tue, gerne tue. Ich muss aber zugeben, dass ich noch nicht alle Produktnummern weiss, was mich manchmal ärgert. In dieser Beziehung muss ich noch intensiv geschult werden. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich irgendwann auch dieses Ziel erreiche.

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