Interview

Chef des Feriendienstleisters Hapimag stellt in Aussicht: Bald können Mitglieder Aktien voneinander kaufen

Hassan Kadbi im Hapimag-Hauptsitz. Die markante Treppe verbindet alle Stockwerke.

Hassan Kadbi im Hapimag-Hauptsitz. Die markante Treppe verbindet alle Stockwerke.

Hassan Kadbi, CEO des Feriendienstleisters Hapimag in Steinhausen, spricht über die Zukunft der Reisebranche.

Wann öffnet Hapimag seine Resorts wieder?

Hassan Kadbi: Wir haben unseren Mitgliedern einen Wiedereröffnungsplan für die meisten unserer 58 Resorts vorgestellt. Wir beginnen Ende Mai mit ersten Resorts in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Jenes in Flims öffnet beispielsweise am 20. Juni, weil dann auch die Seilbahn wieder fährt.

Und welches Resort wird als letztes wieder eröffnen?

Das wird voraussichtlich Puerto de la Cruz auf den Kanarischen Inseln sein. Das hängt vor allem von den Flugverbindungen ab. Aber wir können jederzeit flexibel auf neue Entwicklungen reagieren und benötigen an jedem Standort maximal zwei Wochen für eine Wiedereröffnung.

Wie haben die Kunden auf die Öffnungen reagiert?

Sehr gut, in den letzten Wochen konnten wir einen starken Anstieg an Neubuchungen verzeichnen. Mit den Buchungen bis Ende Jahr hätten wir bereits 50 Prozent der Auslastung vom Vorjahr und täglich kommen mehr Buchungen rein. Einige Resorts sind in der Ferienzeit bereits ausgebucht. Wir führen derzeit auch eine Umfrage bei unseren Mitgliedern durch, und 50 Prozent haben bereits einen Urlaub mit Hapimag gebucht oder möchten noch buchen und nur 8 Prozent sagen, dieses Jahr nicht mehr Reisen zu wollen.

Wird auch gefragt, was sich die Kunden für die Resortbenutzung wegen Corona wünschen?

Dazu haben wir spannende Zwischenresultate. Während bei Mitgliedern aus Südeuropa am wichtigsten ist, dass überall Desinfektionsmittel zugänglich sind und erst danach Dinge wie Essenslieferservices eine Rolle spielen, ist es bei den Mitgliedern aus Zentraleuropa genau umgekehrt. Das hängt wohl damit zusammen, dass der Süden vom Virus so schwer getroffen wurde.

Hapimag musste Resorts in 16 verschiedenen Ländern schliessen, wie anstrengend war das?

Sehr, in der Zeit ab Mitte März, als sich die Ereignisse überschlugen, haben meine Teamkollegen und ich nicht mehr viel geschlafen. In der Schweiz wurde sehr klar kommuniziert und man wusste, wer die Ansprechperson bei den Behörden ist. In vielen anderen Ländern war das nicht so. Auch was die Angestellten betrifft, war es schwierig. Wir konnten die Mitarbeitenden vielerorts in Kurzarbeit stellen, in Marokko aber gibt es ein solches Instrument beispielsweise nicht. Wir hätten sie also entlassen müssen, was für uns aber nicht in Frage kam.

Der neue Hapimag-Hauptsitz in Steinhausen.

Der neue Hapimag-Hauptsitz in Steinhausen.

Wie sehr trifft die Coronakrise Hapimag?

Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Einen Gästerekord wie letztes Jahr werden wir bestimmt nicht erreichen. Der Unterschied zu anderen Krisen ist aber, dass alle im gleichen Boot sitzen. Wäre nur die Tourismusbranche oder gar nur unser Konzern betroffen, wäre es schwieriger, mit der Krise umzugehen. Ausserdem haben wir den Vorteil, dass unsere Kunden auch gleichzeitig unsere Aktionäre also Eigentümer sind. Sie bleiben uns treu und wir stehen in sehr engem Kontakt.

Wird der Jahresbeitrag (siehe Box) für die Aktionäre steigen?

Wir werden den Jahresbeitrag 2021 am Jahresende festlegen und hierbei alle relevanten Faktoren berücksichtigen. Bis dahin verfolgen wir einen klaren Plan, um die finanziellen Herausforderungen zu meistern.

Das System von Hapimag gilt als etwas antiquiert.

Ich würde nicht sagen antiquiert. Das Durchschnittsalter in den Resorts ist 45. Zudem vereinfachen wir unser System grundlegend. So gibt es seit letztem Jahr eine Online-Plattform, wo Mitglieder von anderen Wohnpunkten kaufen können, sodass diese nicht verfallen. Das hat sicher zum letztjährigen Gästerekord beigetragen. Zudem realisieren wir demnächst eine Kontakt-Plattform, auf der Mitglieder voneinander Aktien kaufen können. Denn jede Aktie berechtigt zum Besitz eines gewissen Anteils Punkte, das hängt also zusammen. Und neu bieten wir eine einjährige Probemitgliedschaft an, für die keine Aktien gekauft werden müssen. Zudem werden Ferienwohnungen, die zu gewissen Zeitpunkten durch unsere Mitglieder nicht genutzt werden, auf anderen Buchungsplattformen vermarktet. Diese Zusatzeinnahmen helfen uns, die Jahresbeiträge unserer Mitglieder tief zu halten.

Seit Sie CEO bei Hapimag sind, hellt sich die Beziehung zwischen Management und Aktionären spürbar auf. Trotzdem stand noch bis Februar eine externe Sonderprüfung im Raum. Nachdem ein Gericht diese abgelehnt hat, haben Sie sich mit den Aktionären geeinigt, eine freiwillige Prüfung durchzuführen. Werden Sie das Ergebnis akzeptieren?

Selbstverständlich, an der Generalversammlung wurde beschlossen, dass wir die Resultate der Prüfung publizieren werden. Und wenn es Verbesserungspotenzial gibt, werden wir das auch umsetzen. Wäre die Coronakrise nicht dazwischen gekommen, hätte die Prüfung auch schon begonnen.

Wie wird sich die Reisebranche durch Corona verändern?

Corona ist ein Weckruf. Die Kunden erwarten zukünftig mehr Transparenz und akzeptieren nicht einfach irgendeinen Werbeslogan. Vertrauen und Kommunikation werden zu den wichtigsten Entscheidungsfaktoren. Zum Beispiel wird es den Gästen nicht reichen, zu erfahren, dass ein Zimmer täglich gereinigt wird. Sie werden ganz genau wissen wollen, wie es gereinigt und das sollen sie vom Anbieter direkt erfahren können. Auch könnte es beispielsweise weniger Geschäftsreisen geben. Wenn früher ein Geschäftspartner im Ausland gesagt hat, treffen wir uns morgen, ist man hingeflogen. Heute gibt es die Videokonferenz.

Was für andere Trends beschäftigen die Branche allgemein?

Das Thema Nachhaltigkeit. Die Mitglieder erwarten in den Resorts regionale Küche und keine Hamburger. Und auch die Mobilität ist ein grosses Thema. So bieten wir in vielen Resorts Ladestationen für Elektroautos an.

Im Bereich Innovationen arbeiten Sie ja mit Start-ups zusammen.

Genau, so gewinnen wir Know-how und die Start-ups erhalten im Gegenzug die Möglichkeit, ihre Produkte zu testen. Letztes Jahr haben wir beispielsweise in unserem Restaurant in Interlaken ein Pilotprojekt mit einem Start-up lanciert, das veganes Poulet herstellt. Ein weiteres Pilotprojekt läuft mit einem Start-up, das Kaffeekapseln aus Holzfasern herstellt.

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