An bester Lage mitten in Bern kann man schon bald für fast kein Geld logieren. Die deutsche Budgethotelkette Prizeotel will Ende 2019 im alten Postgebäude ihren ersten Schweizer Betrieb eröffnen. Mit 188 Zimmern wird es gleich das grösste Hotel in Bern und mit Abstand das günstigste im Stadtzentrum. «Unsere Übernachtungspreise werden ähnlich attraktiv sein wie in unseren Häusern in Deutschland, wo wir ab 59 Euro pro Nacht verlangen», verrät Marco Nussbaum, Gründer und CEO von Prizeotel. Inbegriffen sind kostenloses Highspeed-Internet sowie Mobile-Check-in via Smartphone oder Tablet.

Bern sei nur der Anfang einer grösseren Offensive in Schweizer Städten, kündigt Nussbaum an. «Wir möchten weiter expandieren, auch Zürich, Genf und Basel sind interessant.» Andere Städte könnten für Prizeotel ebenfalls zum Thema werden. «Was das 2- bis 3-Sterne-Segment angeht, ist die Schweiz noch ein relativ unbeschriebenes Blatt. Diese Nische ist für Prizeotel sehr interessant.» Konkret über neue Projekte wolle er jedoch erst reden, wenn diese tatsächlich unterschrieben seien.

In der Szene zweifelt niemand daran, dass Prizeotel schon sehr bald mit neuen Aktivitäten an die Öffentlichkeit treten könnte. Denn hinter der Kette, an der sich in diesem Frühjahr die schwedische Rezidor Hotel Group mit 49 Prozent beteiligt hat, stehen letzten Endes chinesische Grossinvestoren. Namentlich die HNA Group, die ebenfalls diesen Frühling den Kauf der US-Hotelkette Carlson Hotels mit insgesamt 1400 Häusern bekannt gab. Von der Übernahme betroffen ist auch die Rezidor Hotel Group, an der wiederum Carlson eine Mehrheit hält.

Auch SR Technics gehört Chinesen

HNA wurde im Jahr 2000 ursprünglich als Unternehmensgruppe für die staatliche Verwaltung von Industrie und Handel in der Sonderwirtschaftszone Hainan im äussersten Süden Chinas gegründet. Mit einem aggressiven Expansionskurs in der globalen Airline-, Tourismus- und Hotelbranche wuchs die Gruppe kontinuierlich auf heute 180 000 Mitarbeitende heran. Wo es Möglichkeiten gibt, schlägt HNA zu. Kurz nach Bekanntgabe des Carlson-Deals gab im Juli dieses Jahres auch der Flugzeugwartungskonzern SR Technics bekannt, dass die HNA Group 80 Prozent seiner Aktien übernommen habe. Zudem sind die Chinesen daran, den Zürcher Airline-Caterer Gategroup für 1,4 Milliarden Franken zu übernehmen.

Obschon der Kauf der Rezidor Hotel Group wegen ein paar formalistischer Details mit dem schwedischen Staat faktisch noch nicht über die Bühne gegangen ist, dürfte der chinesische Einfluss auf die plötzliche Expansion von Rezidor in die günstige Budgethotellerie unbestritten sein. Das folgende Zitat von Arno Schwalie, Geschäftsführer und Vice President bei Rezidor für Zentraleuropa, bestätigt dies: «HNA hat eine klare Zielsetzung, will investieren, wachsen und expandieren – das ist auch aus Sicht von Rezidor spannend.» Spannend dürfte es für die etablierte Schweizer Stadthotellerie werden, sich bald in einem unerbittlichen Preiskampf mit chinesischen Grossinvestoren wiederzufinden.

Weitere Billighotels im Anflug

Die Tarifschlacht um Budgetgäste ist bereits voll entbrannt. Denn Prizeotel ist nicht der einzige Anbieter von günstigen Bettenburgen, der hierzulande sein Glück versucht. Die deutsche Billigkette Motel One hat im Juli dieses Jahres am Basler Barfüsserplatz für 22,5 Millionen Franken ihren ersten Schweizer Betrieb mit fünf Stockwerken und 143 Zimmern eröffnet. Im Sommer 2017 doppelt Motel One in Zürich nach und eröffnet für 78 Millionen ein gigantisches Budgethotel mit 350 bis 400 Zimmern. Genf und weitere Schweizer Städte sind bereits in der Planung. In den Startblöcken stehen auch die französischen B&B Hotels. Ende 2017 eröffnet die Kette neben dem Glattzentrum in Zürich-Wallisellen ihr erstes Budgethotel mit 142 Zimmern. Ins Visier genommen haben die Franzosen auch bereits Genf, Bern, Basel, St. Gallen, Lausanne, Fribourg und Biel.