Die Baselworld ist in der Krise. 2018 werden nur noch halb so viele Aussteller wie dieses Jahr an die weltweit grösste Uhren- und Schmuckmesse kommen. Das meldete das Regionaljournal Basel von Radio SRF. Auch die Ausstellungsfläche der Baselworld wird um ein Drittel verkleinert. Ein komplettes Stockwerk der Halle 1, die extra für die Baselworld gebaut wurde, steht 2018 leer. Bereits der Jahrgang 2017 war gegenüber den Vorjahren deutlich abgefallen, nun folgt der Einbruch. Und dies trotz Standmieten, die um zehn Prozent gesenkt wurden.

Nun wird erste Kritik an der Messe und der Regierung laut. Zur Erklärung: Basel-Stadt ist mit 33,5 Prozent der grösste Aktionär der MCH Group AG, wie die Messe offiziell heisst. Nach dem Rückgang 2017 hatte der Grüne Grossrat Thomas Grossenbacher die Regierung angefragt, wie sie die Situation einschätze. Der zuständige Regierungsrat Christoph Brutschin (SP) bemühte sich in seiner Antwort, den Ball flach zu halten. Für einen Kurswechsel oder Strategieänderungen sah er keinen Anlass. «Angesichts ihrer Antwort  muss ich davon ausgehen, dass die Regierung die Situation unterschätzt oder nicht angemessen wahrgenommen hat», ärgert sich Grossenbacher. «Man hätte diese Entwicklung viel früher sehen müssen.»

Nun fordert der Grüne, dass die Karten auf den Tisch gelegt werden: «Die MCH Group AG soll nun klar aufgezeigen, wie ihre Strategie aussieht und welche Folgen dies für den Messestandort Basel hat. Wir haben der Messe mit viel Geld den Neubau ermöglicht. Dieser Verantwortung muss sie nun gerecht werden.» Gleichzeitig warnt Grossenbacher vor Schnellschüssen: «Man darf jetzt jedoch auch nicht überreagieren und Schnellschüsse produzieren. Aber ich erwarte, dass die Messe ihr Modell anpasst und die hohen Preise weiter marktgerecht nach unten korrigiert.»

«Regierung in der Verantwortung»

Auch Christophe Haller, FDP-Grossrat und Präsident der Wirtschafts- und Abgabekommission, fordert nun eine Auslegeordnung. Aus seiner Sicht muss sich die Regierung überlegen, ob die jetzige Form der MCH Group noch die richtige ist. Neben Basel-Stadt halten auch Baselland und Kanton und Stadt Zürich Anteile an der Messe. Insgesamt sind 49 Prozent der Aktion in öffentlich-rechtlichen Besitz. Und sechs der elf Verwaltungsräte sind Vertreter der öffentlich-rechtlichen Körperschaften. «Diese bringen nicht zwingend das Know-How mit für die internationalen Ansprüche der Messe», sagt Haller. Die Forderung, dass sich der Kanton bei der Messe zugunsten Privater zurückzieht, hatte Haller kürzlich auch im Parlament aufgebracht, und von der Regierung eine Absage erhalten. Die Standortinteressen können am besten gewahrt werden, wenn Basel-Stadt Aktionär bliebe.

«Jetzt muss die Regierung zeigen, dass sie Einfluss nehmen kann und andere Veranstaltungen findet, die grosse Wertschöpfung für das Gewerbe mit sich bringen», sagt Haller. Denn der Rückgang der Baselworld sei vor allem auch ein schwerer Schlag für das lokale Gewerbe. «Die neuen Hallen sollten anders genutzt werden», fordert er. «Wir müssen schauen, dass wir mehr Anlässe haben. Das ist wichtig für die KMU-Förderung und den Tourismus. Ansonsten frage ich mich, ob alle Hotels überleben können.»