Coronakrise
Die SBB schicken ihre Mitarbeitenden wieder ins Homeoffice – andere Firmen verschärfen die Regeln für Ungeimpfte

Die SBB reagieren als eines der ersten Unternehmen auf die weiter ansteigenden Corona-Fallzahlen und Hospitalisationen. Wer nicht vor Ort arbeiten muss, soll wieder ins Homeoffice.

Stefan Ehrbar
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Er kann nicht von zuhause aus arbeiten: SBB-Mitarbeiter am Schalter in Zürich-Oerlikon.

Er kann nicht von zuhause aus arbeiten: SBB-Mitarbeiter am Schalter in Zürich-Oerlikon.

Keystone

Es sei «ein denkwürdiger Abend», schreibt der SBB-Manager Christian Ginsig am Dienstag bei Twitter. «Physische Verabschiedung. Wieder von hybrider auf komplett digitale Arbeit umstellen». Der Grund für den Text: Die SBB schicken wieder alle Mitarbeitenden ins Homeoffice, die nicht aus betrieblichen Gründen vor Ort sein müssen.

Das bestätigt SBB-Sprecher Jürg Grob gegenüber CH Media. Die «dringliche Empfehlung» zur Arbeit von zuhause aus sei am Dienstag per Mail an alle Mitarbeitenden verschickt worden. Die Bahn reagiert damit als eines der ersten grösseren Unternehmen auf die sich in der Schweiz verschlechternde Corona-Situation.

Homeoffice als wirksame Massnahme

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte am Dienstagmittag 6354 neue laborbestätigte Fälle innerhalb von 24 Stunden vermeldet, innert eines Tages waren 18 Menschen am Coronavirus verstorben, 95 Menschen mussten in derselben Zeitspanne wegen der Erkrankung in ein Spital eintreten. Alle epidemiologischen Gradmesser sind auf einem steilen Weg nach oben, an einer Medienkonferenz warnten die Verantwortlichen vor Zuständen wie in Österreich, das seit dieser Woche wieder in einem Lockdown ist.

Homeoffice ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, den Anstieg der Fallzahlen zu bremsen. Im Massnahmen-Check von CH Media schneidet das Arbeiten von zuhause aus zusammen mit der Boosterimpfung gar am besten ab. Damit wird nicht nur die Gefahr einer Infektion am Arbeitsplatz umgangen. Auch Ansteckungen beim gemeinsamen Mittagessen oder auf dem Weg zur Arbeit werden so reduziert.

Homeoffice ist kein Neuland mehr

Für die meisten Firmen ist Homeoffice im Spätherbst 2021 nur noch eine Fingerübung, seit sie ihre Mitarbeitenden zwischen Anfang Jahr und Ende Juni bundesrätlich verordnet von zuhause aus arbeiten lassen mussten. Die SBB sind nun eine der ersten Firmen, welche freiwillig und ohne behördliche Verordnung wieder auf das Mittel setzen. Andere könnten folgen – und allenfalls könnte die Pflicht auch vom Bundesrat wieder eingesetzt werden. Er würde damit dem Beispiel Deutschlands folgen, wo der Bundestag am 18. November die Wiedereinführung der Homeoffice-Pflicht per Mittwoch beschlossen hat.

Viele andere Firmen setzen auf die 3G-Regel, verlangen also von ihren Mitarbeitenden ein gültiges Covid-Zertifikat, wenn diese im Büro arbeiten wollen. Dieses weist nach, ob Mitarbeitende genesen, geimpft oder getestet sind. Wie der «Tages-Anzeiger» am Dienstag berichtete, sperren die Versicherungskonzerne Swiss Re und Zurich an manchen Standorten gar den Badge für den Zutritt zum Büro, wenn das Zertifikat abgelaufen ist.

Mit dem Homeoffice sind solche Massnahmen obsolet. «Die Frage wird sich nicht beantworten lassen, ob dieser Schritt vermeidbar gewesen wäre», schreibt der SBB-Mann Christian Ginsig auf Twitter. «Meine täglichen Fahrten werde ich vermissen.» Der erneute Gang ins Homeoffice, er löst nicht bei allen Begeisterung aus – aber danach richtet sich das Virus bekanntlich nicht.

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