Wirtschaft

CS-Affäre: Detektive überwachten auch Khans Frau und Kinder – Topbanker von Polizei bevorzugt behandelt?

Wurde Iqbal Khan von der Polizei bevorzugt behandelt? Gemäss einer Aufsichtsbeschwerde soll dies der Fall gewesen sein.

Wurde Iqbal Khan von der Polizei bevorzugt behandelt? Gemäss einer Aufsichtsbeschwerde soll dies der Fall gewesen sein.

Die Beschattungs-Affäre der Credit Suisse (CS) sorgte weltweit für Schlagzeilen. So liess die Schweizer Grossbank den Topbanker Iqbal Khan beschatten, weil dieser einen Wechsel zur Konkurrentin UBS plante. Die Aktion flog jedoch auf und führte zu einem Imageschaden für die Credit Suisse.

Nun berichten zwei Sonntagsblätter über weitere Details und Vorwürfe in der Affäre.

Die «Sonntagszeitung» schreibt über Khans Überwachungsbericht, den die CS über einen Mittelsmann von einem Detektivbüro bestellte und nun erstmals vorliegt. Kahns Bewegungen und Privatleben sind an sieben Tagen dokumentiert. Die «Sonntagszeitung» wirft aufgrund des Berichts die Frage auf, ob es gerechtfertigt ist, dass ein Arbeitgeber einen Mitarbeiter samt Familie Tag und Nacht überwacht.

Bruno Baeriswyl, Datenschutzbeauftragter des Kantons Zürich, sagt dazu in der "Sonntagszeitung": «Der Arbeitgeber hat nicht das Recht, die Angehörigen eines Angestellten zu überwachen.» Auch für das Fotografen des Angestellten selber ohne dessen Eingeständnis brauche es triftige Gründe, so Baeriswyl. 

Im «SonntagsBlick» wiederum wird Kritik laut. Khan könne von der Polizei bevorzugt behandelt worden sein. Bei Jacqueline Fehr, Zürcher Justizdirektorin, soll eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht worden sein. Iqbal Khan soll gemäss der Beschwerde in der polizeilichen Untersuchung bevorzugt behandelt worden sein: «Vorliegend geht es um nichts weniger als um die mögliche staatliche Vorzugsbehandlung einer selbsternannten Elite sowie den möglichen Missbrauch des Justiz- und Polizeiapparats.»

Verfasser der Beschwerde sind die Anwälte derjenigen Privatdetektei, die von der CS für die Beschattung von Khan beauftragt worden ist. Khan hatte den Privatdetektiven nach Auffliegen der Überwachung «schwere Drohung» und «Nötigung» vorgeworfen.

In der Beschwerde taucht der Name Jérôme Endrass auf, ein bekannter forensischer Psychologe und Vizechef im Amt für Justizvollzug des Kantons Zürich. Der 43-jährige Khan soll Endrass am 17. September 2019 angerufen haben – das war kurz nachdem die Beschattung aufgeflogen war. Endrass habe danach die Kantonspolizei Zürich (KaPo) kontaktiert und ausgehandelt, dass die KaPo dem Ehepaar Khan einen Termin für die Einreichung einer Strafanzeige vorschlägt.

In der Beschwerde wird dieser Punkt kritisiert: «Dass die Kantonspolizei potenziell Geschädigte proaktiv zur Einreichung einer Strafanzeige einlädt, darf dabei durchaus als einmaliger Vorfall bezeichnet werden». Des Weiteren sei es «unüblich», dass eine gemeinsame und keine Einzelbefragung durchgeführt wurde.

Doch Haupt-Kritikpunkt der Beschwerdeführer soll die absolute Priorisierung des Falls Khan sein. Nachdem der Banker den Beamten ein Foto des Kontrollschilds vom Autos, das ihn verfolgte, geschickt hatte, ging alles sehr schnell: Die Polizisten machten die Detektei «Investigo» als Mieter des Autos aus.  Mehr Details dazu auf watson.ch.

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