Panalpina-Übernahme

Dänische Schmeicheleinheiten: Was wirklich hinter den Avancen von DSV steckt

Die dänische DSV ist das fünftgrösste Transport- und Logistikunternehmen der Welt.

Die dänische DSV ist das fünftgrösste Transport- und Logistikunternehmen der Welt.

Der skandinavische Konzern DSV braucht die Schweizer Panalpina mehr, als der Chef zugeben will.

«Unser zukünftiger Erfolg hängt nicht allein von Panalpina ab», sagt Jens Björn Andersen, Chef des dänischen Logistikkonzerns DSV, dem der Kauf des Schweizer Konkurrenten immerhin vier Milliarden Franken wert wäre.

Doch ganz so locker, wie sich Andersen zehn Tage nach der Unterbreitung einer unverbindlichen Übernahmeofferte an den Panalpina-Verwaltungsrat auf seiner Promotions-Tour in der Schweiz gerade zu geben versucht, kann der Manager eigentlich gar nicht sein. Übernahmen stehen schliesslich weit oben im Pflichtenheft des CEO. Denn diese bilden sozusagen die DNA der Gesellschaft, die 1976 aus einem Zusammenschluss von zehn dänischen Transportunternehmen hervorgegangen war.

Seit dem Börsengang im Jahr 1987 hat DSV fünf Akquisitionen getätigt. Darunter den Kauf der dänischen DFDS Dan Transport, der Frachtdivision der dänischen Reederei DFDS, die rund viermal grösser war als die damalige DSV selber. Die Transaktion war der Katalysator für den Aufstieg von DSV in den Club führender globaler Logistikdienstleister.

Nun soll also Panalpina der grösste Zukauf in der DSV-Geschichte werden. Es wäre ein weiterer historischer Schritt, mit dem sich die Dänen erhebliche, zusätzliche Grössenvorteile erwerben und die Aktionäre den resultierenden Mehrwert einstreichen könnten.

Diese Aussicht ist definitiv mehr als eine nette Option, wie Andersen auf Nachfrage doch noch durchblicken lässt. «Es gibt gewisse Erwartungen und unsere Aktionäre schätzen es, wenn wir wenigstens den Versuch einer Übernahme unternehmen», räumt er ein.

Guter Ruf an der Börse

Die Börse spricht eine noch etwas deutlichere Sprache: Als DSV im vergangenen Oktober das Scheitern des zunächst verdeckt geführten Übernahmeversuchs des Zuger Börsenneulings Ceva Logistics öffentlich bekannt geben musste, fielen die Aktien der Dänen tief. Zwischen dem Ereignis und Ende Jahr verloren die Titel rund 20 Prozent ihres Wertes.

Konkurrenz-Valoren wie jene von Kühne + Nagel büssten lediglich sieben Prozent ein. Gewiss, es mag noch andere Gründe für die Performance-Gründe gegeben haben. Aber enttäuschte Aktionäre ist sich Andersen nicht gewohnt. Schliesslich haben sich die DSV-Papiere in den vergangenen zehn Jahren im Wert versechsfacht.

Den guten Ruf an der Börse haben die Dänen freilich nicht gestohlen. Ihr Informatiksystem erhält in Branchenkreisen viel Anerkennung und moderne Logistik ist im Wesentlichen Informationsverarbeitung. Panalpina hat mit der Entwicklung eines eigenen Informatiksystems Millionen verbrannt und ist im Urteil von Insidern auch heute noch nicht dort, wo sie sein müsste.

Hilfe könnten die Basler deshalb gut gebrauchen. Doch so einseitig, wie ein Geschäft mit DSV auf den ersten Blick aussieht, wäre es in Tat und Wahrheit eben doch nicht. DSV muss die Akquisitionsmaschine unbedingt am Laufen halten, und Gelegenheiten, ein international aufgestelltes und weltweit bekanntes Unternehmen wie Panalpina zu erwerben, sind im stark fragmentierten und immer noch sehr lokalen Logistikgeschäft äusserst selten. Zudem wird sich DSV im Zug der fortgesetzten Expansion stärker für äussere Einflüsse öffnen müssen.

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung sind (im Gegensatz zu Panalpina) fast ausschliesslich mit dänischen Landsleuten besetzt. Dafür hat Andersen allerdings eine interessante Begründung. Er sagt: «Dänemark ist eine Seefahrernation, bei uns geniesst die Logistikbranche ein gutes Ansehen.» Den Firmen gelänge es, junge Talente nachzuziehen.

Im Unterschied zu vielen anderen Ländern sei dies in der Schweiz ganz ähnlich. Hinter der charmanten Avance mag zwar auch etwas Kalkül stecken, doch die Wertung ist mehr als Schmeichelei. Es ist bestimmt kein Zufall, dass das Verkehrshaus Luzern seit Jahrzehnten die Rangliste der meistbesuchten Museen in der Schweiz anführt.

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