Er hat ganz unten als Bauernbub aus ärmlichen Verhältnissen angefangen und sich als Bäcker hinaufgeschafft bis zum millionenschweren Gipfeli-König, wie Fredy Hiestand landesweit genannt wird. Diese einzigartige Karriere wird nun in einer Biografie nachgezeichnet. Bei der Lektüre wird einem bewusst, was schon fast in Vergessenheit geraten ist: Fredy Hiestand war nicht nur geschäftstüchtig, er hatte immer den Riecher, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Innovation auf den Markt zu bringen.

Wie alles begann: Hiestand und seine erste Bäckerei.

Wie alles begann: Hiestand und seine erste Bäckerei.

1975 belieferte Hiestand als Erster in der Schweiz Bäckereien mit tiefgefrorenen Gipfeli. Die Kritiker schimpften ihn anfangs «Totengräber der Bäcker», verstummten angesichts der grossen Nachfrage und des Erfolgs aber bald.

1988 erfand Hiestand das Frischback-Gipfeli und verhalf den Tankstellen so zum Durchbruch mit Convenience-Backwaren.

Nach der Erfindung des Laugengipfels machte Hiestand in den 90er-Jahren mit dem Schoggigipfeli Furore. Eine neue Maschine erlaubte es erstmals, die Gipfeli mit einer dressierfähigen Schokocreme zu füllen und automatisch abzuwickeln.

Modernste Anlage im Aargau

Hiestand ist gebürtiger Zürcher, einen Namen machte er sich aber mit seinen Produktionsstätten im Kanton Aargau. So nahm er 1993 in Lupfig die damals modernste vollautomatisierte Gipfelistrasse Europas in Betrieb. Seine Nachfolge-Firma «Fredy’s» wiederum stationierte Hiestand später in Baden.

Aus der Firma, die noch heute seinen Nachnamen trägt, ist Hiestand 2003 ausgeschieden. Vorausgegangen war die Übernahme durch die irische Gesellschaft IAWS. Deren Strategie vertrug sich nicht mehr mit dem Patron der alten Schule. Der Anfang vom Ende war wohl schon der Börsengang 1997. Hiestand nennt diesen rückblickend den «grössten Fehler meines Lebens».

Nicht nur als Unternehmer war Hiestand aussergewöhnlich. Auch privat führte der Bäcker ein bewegtes Leben. Stellvertretend für viele Geschichten und Anekdoten, wird im Hiestand-Buch das amouröse Abenteuer mit einer russischen Ballerina beschrieben, die der junge Fredy Hiestand im kommunistischen Moskau der 70er-Jahre kennen lernte. Weil Hiestand schon verheiratet war, beauftragte er einen Bäckerei-Angestellten, die Tänzerin zu heiraten und ihr so ein Leben in der Schweiz zu ermöglichen.

Fredy Hiestands Fotoalbum: Links mit Familie, rechts: Swetlana, die sovjetrussische Balletttänzerin.

Fredy Hiestands Fotoalbum: Links mit Familie, rechts: Swetlana, die sovjetrussische Balletttänzerin.

«Filmreif», wie es in der Biografie heisst, war an der Geschichte, dass sogar der Schweizer Nachrichtendienst auf die geheimnisvolle Ballerina aufmerksam wurde. Grund: Der Bäcker, der sie später heiratete, hatte im Militär ein Früchtebrot entwickelt, das jahrelang haltbar war. Der Nachrichtendienst glaubte offenbar, die Sowjet-Tänzerin sei nur auf das Rezept des Brotes aus.

Diese und mehr Geschichten erzählt Hiestand auch heute Abend im aufgezeichneten «Talk Täglich» auf Tele M1 (ab 18.30 Uhr, stündlich wiederholt), dem ersten nach den Sommerferien.

Die Biografie: «Gipfelikönig Fredy Hiestand, vom Bauernbub zum Grossbäcker und Gesundheitspionier», von Philipp Gut, Stämpfli-Verlag.