Bauchemie
Das gefällt den Investoren: Holcim und Sika werden sich ähnlicher

Der Zementriese stemmt die dritte Übernahme in weniger als zwölf Monaten, derweil der Nachbar einen Rekordumsatz vermeldet.

Daniel Zulauf
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Ex-Sika-Chef lenkt nun die Geschicke bei Holcim.

Ex-Sika-Chef lenkt nun die Geschicke bei Holcim.

Claudio Thoma

Noch sind Holcim und Sika keine Zwillinge. Doch Holcim-Chef Jan Jenisch, der früher Sika-Chef war, macht fast alles, damit sich der Zementkonzern und der breit diversifizierte Bauchemiespezialist schnell ähnlicher werden. Am Dienstag hat Holcim eine weitere Übernahme eines Baumaterialherstellers bekanntgegeben. Dessen Leistungsprofil kommt jenem von Sika ziemlich nahe.

Der dritte Zukauf in weniger als zwölf Monaten

Die französische PRB Group produziert mit 700 Mitarbeitenden in fünf Fabriken Beschichtungen, Dämmstoffe, Klebstoffe und Bodenbeläge vor allem für Renovations- und Sanierungsbauten. Es ist die dritte Übernahme innerhalb von weniger als zwölf Monaten, mit der Holcim das im März 2021 mit dem Zukauf des amerikanischen Flachdachspezialisten Firestone geschaffene neue Geschäftsfeld Produkts & Solutions ausweitet. Die neue Division soll binnen drei Jahren 30 Prozent des Konzernumsatzes auf sich vereinen.

Renovationen und Sanierungen sind geeignet, die schlechte Ökobilanz der CO2-lastigen Zementproduktion auszugleichen. Davon verspricht sich Jenisch offensichtlich nicht zu Unrecht auch eine bessere Börsenbewertung. Obschon die PRB-Übernahme mit einem erwarten Jahresumsatz von 340 Millionen Euro im laufenden Jahr in dem Konzern mit einem geschätzten Jahresumsatz 2021 von über 26 Milliarden Franken kaum ins Gewicht fällt, quittierten die Börse die Akquisitionsmeldung mit einem Kursgewinn um mehr als 4 Prozent auf über 50 Franken.

Geholfen hat eine gleichentags von Sika veröffentlichte Umsatzmeldung. Das Unternehmen hat 2021 die Verkäufe um 17 Prozent in Lokalwährungen auf den Rekordwert von 9,2 Milliarden Franken gesteigert und so die kleine Delle aus dem ersten Pandemiejahr 2020 ausgemerzt. Den Investoren, die den Sika-Aktien zu einer Höherbewertung um 2,9 Prozent auf 350 Franken verhalfen, dürften vor allem das starke organische Wachstum gefallen haben, das zu 90 Prozent für das Wachstum verantwortlich war.

Die Ökobilanz im Auge

Auch Sika macht fleissig Akquisitionen, um die eigene starke Marktstellung gegen Verfolger und Angreifer wie Holcim zu verteidigen. Im November kündigte die Firma den Kauf der früheren Bauchemiesparte von BASF an. Der 5,5-Milliarden-Euro teure Zukauf ist die bislang grösste Transaktion in der Firmengeschichte. Der Abschluss der Transaktion wird bis Mitte Jahr erwartet. Übrigens: Auch Sika hat bei ihrer Wachstumsstrategie die Ökobilanz im Auge. Die Börse honoriert dies mit einer Bewertung von 50 Milliarden Franken, verglichen mit 30 Milliarden Franken für Holcim.

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