Zigarren
Davidoff: in neuem Haus zu neuen Ufern

Der Zigarrenkonzern Davidoff leistet sich in Basel einen neuen Hauptsitz. Dort arbeitet man daran, die Firma wirtschaftlich besser aufzustellen.

Stefan Schuppli
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240 Säulen zieren die Fassade des Oettinger-Davidoff-Hauptsitzes in Basel.

240 Säulen zieren die Fassade des Oettinger-Davidoff-Hauptsitzes in Basel.

GEORGIOS KEFALAS/Keystone

Die Fassade des neuen Oettinger-Davidoff-Hauptsitzes an der Nauenstrasse, eine der wichtigsten Einfallstrassen der Stadt unmittelbar beim Bahnhof, gab auch an der gestrigen offiziellen Eröffnung zu reden. Sind diese Stützen nun eine Anspielung auf Zigarren oder sind sie es nicht?

Ist schon möglich, aber Architekt Roger Diener sieht das etwas breiter: «Mit den expressiven tragenden Aussenstützen wollten wir ein Haus formen, das vom belebten Inneren mit den Arbeitsplätzen von Davidoff spricht. Wie ein Chor umstellen die Stützen die Büroebenen.» Sie würden einen Teil der Tektonik und der Poetik der handwerklichen Konstruktion», so Diener. Tatsächlich aber erinnere das Braun an Tabak. Die Höhe der Investition wird nicht bekannt gegeben.

Zeit des Wandels

Die Eröffnung, an der auch die Regierungsräte Christoph Brutschin (Wirtschaft & Soziales) und Baschi Dürr (Sicherheit) zugegen waren, fällt in eine Zeit des grossen personellen Wandels an der Spitze des Konzerns: Vor rund zwei Monaten wurden sowohl der Präsident als auch der CEO ausgewechselt. Die neuen heissen, wie gemeldet, Domenico Scala (Präsident der Basilea Pharmaceutica, Basel Area und BAK Economics) und CEO Beat Hauenstein (bisher COO der Davidoff-Gruppe). Er ist seit 15 Jahren in der Firma beschäftigt. Das alte Gebäude hatte in der Tat einigen Staub angesetzt und stellte einen krassen Gegensatz zu der Firstclass-Welt der Davidoff-Zigarren dar. Diese gehören zum obersten Preissegment der Branche.

Wohin die Reise gehen wird, war von der traditionell verschwiegenen Familien-AG am Anlass nicht zu erfahren. Sicher ist, dass Oettinger-Davidoff wie manch andere Firma in den vergangenen zwei Jahren auch unter der Frankenschwäche zu leiden hatte. Die Firma verkaufte denn auch das Zigarettengeschäft (Contadis). «Das schwierigste in unserem Geschäft ist, die Kundenbedürfnisse zu erkennen und diese Erkenntnisse auch umsetzen zu können», sagt Hauenstein in einem kurzen Gespräch mit der «Nordwestschweiz». Ein grundsätzlicher Strategiewechsel scheint aber nicht angesagt. Dem Vernehmen nach standen Familienaktionäre hinter dem Managementwechsel. Diese waren gestern bester Laune. «Ein grosser Wurf», sagte Ruedi Schaffner. «Das ist ein Teil der Familiengeschichte, und er soll es auch bleiben.»

Kein Prunkbau

In den Open-Space-Büros (Lassoudry Innenarchitekten) ist man weit davon entfernt, mit Reichtum zu protzen, im Gegenteil. Es scheint die altbaslerische Devise zu herrschen: «Es darf ebbis koschte, aber me darfs nit seh ...» Der Tabakkonzern ist seit weit mehr als 100 Jahren in Basel eine Institution. Vorherrschend ist Sichtbeton in (tabakfarbenen!) lasierten Brauntönen und Möbeln in sanftem Beige. Selbst über Mittag herrscht ein bisschen gedämpfte Abendstimmung. Zeit für eine Zigarre? Selbstverständlich sind zwei Raucher-Lounges vorhanden.