Angebot und Nachfrage machen den Preis. Obschon einer der ältesten ökonomischen Grundsätze innerhalb des WEF-Kongresszentrum heuer etwas mehr in Frage gestellt wird als auch schon, auf den Strassen von Davos scheint das Prinzip dieser Tage ziemlich ausgereizt.

Wer am Mittwoch kurzentschlossen eine Nacht in der Bündner Bergstadt verbringen wollte, musste dafür mindestens 2500 Franken hinblättern, wie ein kurzer Blick in die einschlägigen Vergleichsportale zeigt. Ein besseres Dreisternhotel verlangte gar 9000 Franken.

Damit scheint sich zumindest bei gewissen Adressen in Davos, trotz Kritik von höchster Ebene, nichts an der Preistreiberei geändert zu haben. Vor zwei Jahren hatten der Davoser Landammann Tarzisius Caviezel, Bundesrätin Doris Leuthard und WEF-Gründer Klaus Schwab ihr Missfallen über die Entwicklung öffentlich gemacht. Ob eines schlechten Images besorgt, gelobte die Stadt Besserung.

Und heute? Auf Anfrage unserer Zeitung wollte Landammann Caviezel keine Stellung nehmen und verwies ans Tourismusbüro. Dort wehrte sich Direktor Reto Branschi dagegen, alle Häuser über den gleichen Leisten schlagen zu wollen: «95 Prozent der Hotels haben einen Vertrag mit dem WEF und die dürfen 20 Prozent höhere Preise als der höchst publizierte Preis in der Saison verlangen». Dieser Aufschlag sei dadurch gerechtfertigt, weil die Betriebe während dem WEF einen 24-Stunden-Service einrichten würden – keinen Einfluss hätte man bei der Vermietung von Privatwohnungen.

Ferner hätten aber auch Restaurants Öffnungszeiten und Menükarten und damit natürlich auch die Preise angepasst. «Kein Rindfleisch-Burger sondern eben Wagyu Fleisch», sagt Branschi. Ein Dorn im Auge des Tourismus-Direktors ist allerdings die Tatsache, dass Geschäftslokale an der Promenade heute ausschliesslich für die WEF-Woche vermietet werden. Für die Eigentümer sei dies mittlerweile lukrativer geworden als eine Vermietung während des ganzen Jahres.

Und was war mit der Internetofferte für 9000 Franken pro Nacht? «Dabei handelt es sich um Zimmer, welche storniert wurden und auch vom WEF nicht mehr benötigt werden. Damit kommen diese Hotelzimmer zum Verkauf. Natürlich versucht man damit einen besseren Preis zu erzielen», erklärt Branschi.

Wir machten die Probe aufs Exempel. Auf die Nachfrage im entsprechenden Hotel, kam prompt die Gegenfrage des Rezeptionisten was denn das Budget sei. Und siehe da – das 9000 Franken-Zimmer gab es für 200 Franken. Nachfrage und Angebot und ein bisschen Verhandeln machten es möglich. Wir haben dennoch dankend abgelehnt.