Wirtschaft

Detailhandel legt seit langem wieder zu – trotz Corona sind auch die Prognosen fürs laufende Jahr gut

Im Jahr 2019 haben Schweizerinnen und Schweizer hierzulande erstmals wieder mehr eingekauft. Im Bild sind Sonnenbrillen vom Warenhaus Globus zu sehen.

Im Jahr 2019 haben Schweizerinnen und Schweizer hierzulande erstmals wieder mehr eingekauft. Im Bild sind Sonnenbrillen vom Warenhaus Globus zu sehen.

Die Detailhandelsumsätze sind im vergangenen Jahr um eine halbe Milliarde Franken gestiegen. Das liegt vor allem am weiterhin wachsenden Onlinegeschäft.

«Schweizer Detailhändlern brechen seit Jahren die Umsätze weg.» «Detailhändler sind schon lange in einer schwierigen Situation.» «Wegen der schwierigen Ausgangslage trifft die Coronakrise den Detailhandel besonders hart.» Solche Sätze konnte man in den letzten Monaten häufig lesen. Jetzt zeigt sich, dass dieses Narrativ leicht angepasst werden muss: 2019 sind die Detailhandelsumsätze nämlich erstmals seit 2014 wieder gestiegen. Das Wachstum beläuft sich auf eine halbe Milliarde Franken – von 91,3 auf 91,7 Milliarden. Dies gab das Marktforschungsinstitut GfK Switzerland an einer virtuellen Handelstagung am Dienstag bekannt. Die höchsten Umsätze haben 2019 die Migros, Coop, Denner, die Volg-Gruppe und die Landi erzielt.

Zum Wachstum beträchtlich beigetragen hat das Onlinegeschäft. Vergangenes Jahr wuchs der Konsum im Onlinehandel um 8,4 Prozent oder 800 Millionen Franken. Wie GfK-Experte Michel Rahm an der Tagung sagte, ist dies teils auf den Rückzug des Onlineriesen Amazon aus dem Schweizer Markt zurückzuführen. Mit 10,3 Milliarden Franken machte der Onlinehandel 2019 bereits einen Anteil von 9,1 Prozent am Schweizer Detailhandel aus. Am stärksten gewachsen ist mit fast 17 Prozent der Bereich Non-Food (etwa Kleider, Spielzeuge und Haushaltswaren). Lebensmittel kaufen die Leute aber immer noch lieber im Laden ein: Das Onlinegeschäft in diesem Bereich dümpelt seit mehreren Jahren bei tiefen 2 bis 3 Prozent herum.

Einige Märkte könnten trotz Corona schwarze Null schreiben

Die Topjahre 2010 bis 2014, in denen der Schweizer Detailhandel Umsätze von jeweils bis zu 96 Milliarden Franken erzielte, scheinen gleichwohl lange her zu sein. Angesichts der aktuellen Coronakrise ist das leichte Wachstum vom vergangenen Jahr ohnehin nur ein schwacher Trost. GfK-Experte Rahm sprach denn auch den «Elefanten im Raum» an. Die Coronakrise habe manche Märkte sehr hart getroffen, sie ­würden bis Ende Jahr «massiven Einbussen» verzeichnen. In diese Kategorie fällt insbesondere der Kleider- und Schuhmarkt. Das Marktforschungsinstitut schätzt, dass dieser gegenüber 2019 um 10 bis 15 Prozent einbrechen wird – trotz einer Zunahme der Onlineumsätze um 25 Prozent.

Einige Märkte könnten bis Ende Jahr hingegen «ganz okay» oder sogar mit einer schwarzen Null abschliessen, namentlich Spiele/Spielzeuge (-7 bis -2 Prozent) und der Bereich Do-it-yourself (-5 bis 0 Prozent). «Spiele liefen in den letzten Monaten erstaunlich gut», sagte Rahm. «Die Leute haben wohl viel gepuzzelt und gespielt während des Lockdowns.» Die Bereiche Sport (-12 bis -7 Prozent) und Home (- 10 bis 5 Prozent) sind laut der GfK-Einschätzung etwas schlechter dran, könnten aber «mit einem blauen Auge» davon kommen. Insgesamt macht das Marktforschungsinstitut eine gewagte Prognose: Kommt keine zweite Welle, könnten die Detailhandelsumsätze 2020 mehr oder minder gleich wie 2019 ausfallen – auch dank des Einbruchs des Einkaufstourismus.

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Autor

Gabriela Jordan

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