Aktien

Die Nervosität an den Börsen steigt – sind die besten Zeiten bereits vorbei?

Kaufen oder verkaufen? Die Unsicherheit der Händler und Anleger steigt.

Kaufen oder verkaufen? Die Unsicherheit der Händler und Anleger steigt.

Im Oktober sind die Kurse in der Schweiz erneut gesunken, die Dämpfer an den Märkten häufen sich. Und das sind nicht die einzigen schlechten Omen.

Die Aktienmärkte verzeichnen nun bereits den dritten grösseren Einbruch in diesem Jahr. Von den Rückschlägen zu Beginn des Jahres sowie im Juni erholten sich die Börsen relativ rasch. Ob dies nun auch wieder der Fall ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass die Unsicherheit mit jedem Dämpfer zunimmt.

Noch sind die Verluste des Schweizer Aktienmarkts in diesem Jahr nicht dramatisch. Rund 7,5 Prozent hat der Swiss Market Index (SMI) seit Jahresbeginn verloren. Allerdings sank der SMI allein im Oktober um 4,5 Prozent. In den USA sind die Kurse noch stärker unter Druck geraten. Vor allem Technologiewerte haben deutlich an Wert eingebüsst. Der Index namens Nasdaq, der Firmen wie Apple, Amazon, Microsoft oder den Google-Mutterkonzern Alphabet beinhaltet, verlor seit Monatsbeginn gut 9 Prozent. Allein am Mittwoch brach der Index um 4,4 Prozent ein.

Die Anleger in Europa liessen sich gestern vom Taucher in den USA nur wenig beeindrucken. Die meisten Barometer wie der deutsche DAX oder der britische FTSE 100 drehten bereits im frühen Handel wieder ins Plus. Auch in den USA setzen die Aktien nach dem miesen Mittwoch zu einer deutlichen Erholung an. Der SMI blieb eine Ausnahme, da die Schwergewichte Roche und Novartis unter der Meldung litten, dass US-Präsident Donald Trump einen Systemwechsel bei der Vergütung von Medikamenten vorstellen könnte.

Hohe Erwartungen

Ganz überraschend kommt der neuerliche Einbruch nicht. Die Aktienmärkte befinden sich in vielen Ländern im zehnten Jahr eines Booms. Das ist im historischen Vergleich aussergewöhnlich lange. Nach dem letzten gröberen Dämpfer vor rund zwei Wochen keimte die Hoffnung auf, dass die Drittquartalszahlen der Firmen die Stimmung wieder aufhellen könnten. Doch dem ist nicht so. Die Erwartungen der Investoren sind hoch. Werden sie auch nur knapp verfehlt, hat das oft einen deutlichen Kursrückschlag zur Folge.

In der Schweiz bekam das diese Woche etwa Logitech zu spüren, ein bedeutender Hersteller von Elektronikzubehör. Obwohl das Unternehmen die Erwartungen übertraf, gab der Kurs knapp 11 Prozent nach. Offenbar hatten einige Anleger sogar darauf gehofft, dass die Firma ihre Ziele für das gesamte Geschäftsjahr erhöht. In den USA musste der Chiphersteller Texas Instruments dranglauben. Ein verhaltener Ausblick und schwache Umsatzzahlen liessen den Aktienkurs sinken. Dies strahlte selbst auf europäische Technologiewerte aus und zog diese mit nach unten.

«Im Moment reichen kleine Verfehlungen, um abgestraft zu werden», sagte Claude Zehnder von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) der Nachrichtenagentur SDA. Viele Papiere seien aber zuletzt sehr gut gelaufen. «An der Börse basiert die Bewertung der Aktien auf den künftigen Gewinnen. Darum wird auch der Ausblick genau beäugt», sagt der Leiter Economic Research der Bank.

Höhepunkt bereits hinter uns?

Neben den unerfüllten Erwartungen gibt es weitere Gründe für die Vorsicht der Investoren. So hat der Internationale Währungsfonds kürzlich zum ersten Mal seit drei Jahren seine Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft nach unten korrigiert. Hinzu kommt, dass die US-Notenbank Fed ihre Zinsen schrittweise erhöht. Damit dürfte das Ende der Liquiditätsschwemme eingeläutet werden, die den Aktienmärkten in den letzten Jahren zu einem starken Auftrieb verhalf. So macht sich ein Gefühl breit, dass die besten Zeiten des aktuellen Konjunkturzyklus hinter uns liegen könnten. «Das ist definitiv die Angst. Wir könnten den Höhepunkt guter Ergebnisse der Firmen hinter uns gelassen haben», sagte ein Fondsmanager eines grossen US-Lebensversicherers der Zeitung «Financial Times».

Schwankungen nehmen zu

Ein Indiz für die grosse Nervosität sind auch die starken Schwankungen der Aktienkurse. So gab der Nasdaq-Index am Mittwoch allein in der letzten Handelsstunde um 1,6 Prozent nach. Händler sprachen von Panikverkäufen. «Es wird laufend über- und unterschossen», sagt Zehnder von der ZKB. Das lasse sich auch am Angstbarometer ablesen, dem Volatilitätsindex. Dieser ist in den letzten Tagen kräftig gestiegen. «Die Volatilität steigt wieder in Richtung des normalen Niveaus», sagt Zehnder. Die Ausschläge seien in den letzten Jahren aussergewöhnlich tief gewesen. Nun müsse man sich wieder an grössere Schwankungen gewöhnen.

Kein Szenario für den ZKB-Mann ist aber ein grundsätzlicher Einbruch der Märkte. «Korrektur ja, es ist aber kein Bärenmarkt in Sicht», sagt er. Zwar dürften Belastungsfaktoren wie der Handelskonflikt oder der Budgetstreit rund um Italien nicht unterschätzt werden. Für eine Zäsur reiche dies aber nicht aus. Ähnlich sieht dies die UBS. Der Rückgang des US-Aktienmarkts um rund 10 Prozent im letzten Monat erscheine exzessiv, sagt Mark Haefele, Anlagechef der Bank in der «Financial Times». Die Bewertungen von amerikanischen und internationalen Titeln seien auf ein Niveau gefallen, das letztmals im Februar 2016 beobachtet worden sei.

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