Coronakrise

Die Reisebranche leidet: Vom Boom zum Crash in wenigen Wochen - retten, was zu retten ist

Analoges Geschäft im digitalen Zeitalter: Beraterin erklärt eine Reise

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Die Reisebüros werden vom globalen Einbruch des Tourismus in eine nie da gewesene Krise gestürzt. Dabei waren sie vor Corona gerade im Hoch.

Die Reisebüros versuchen zu retten, was zu retten ist. Von «Der Touristiker» heisst es etwa: «Wir kämpfen um jede Neubuchung.»

Zugleich muss der Sprecher gleich einschränken, dies gelte: «Für alle Destinationen, in denen ein unbeschwertes Ferienerlebnis zu verantwortbaren Bedingungen möglich ist.» Es ist in diesem Coronasommer nicht einfach, in möglichen Kunden ein echtes Fernweh zu wecken.

Es wagen sich zwar wieder mehr Menschen auf Auslandsreisen als noch im Lockdown. Doch es sind weit weniger als in früheren Jahren. Das zeigt sich in verschiedenen Umfragen. Trauen sich Personen ins Ausland, bleiben sie vorzugsweise in Europa. Solche Reisen können sie meist bequem selber buchen.

Dagegen werden selten Fernreisen ausserhalb von Europa geplant, für die es die Dienste von Reisebüros bräuchte. Gemäss Umfrage des Instituts Link planen nur 5 Prozent der Befragten eine solche Reise.

Daher zeigt eine Umfrage unter den grössten Reisebüros meist eine kämpferische Zuversicht, der etwas Verzweifeltes anmutet. Hotelplan musste vor wenigen Tagen den Abbau von 425 Stellen bekannt geben. Zum Sommergeschäft heisst es nun, die Buchungen würden laufend zunehmen. Sie befänden sich jedoch noch auf tiefen Niveau verglichen zum Vorjahr.

Konkurrent Knecht Reisen musste ebenfalls Jobs abbauen. Chef Roger Geissberger, seit 40 Jahren im Geschäft, hat derartiges noch nie erlebt: «Wir haben über Monate nur Reisen annulliert. Wir rechnen mit einem Umsatzeinbruch von 70 Prozent und klar roten Zahlen.»

Globaler Einbruch des Tourismus von 60 bis 80 Prozent

Von Boom zu Crash in wenigen Wochen: So ergeht es dem Tourismus. Bis vor kurzem schien er eine unaufhaltsame Naturkraft zu sein, der weder Terroranschläge noch Kriege etwas anhaben konnten. Die Touristenzahl war auf dem Weg bis 2030 die Marke von 1,8 Milliarden zu erreichen – eine Verdreifachung in dreissig Jahren.

Nun der globale Crash. Eine Studie der Uno-Organisation Unctad hält einen Einbruch von 60 bis 80 Prozent in diesem Jahr für möglich, je nachdem wie lang die Krise dauert. Schlimmstenfalls droht weltweit ein Verlust an Wertschöpfung von 3,3 Billionen Dollar.

Diesem globalen Crash kann sich der Schweizer Tourismus nicht entziehen. Vor allem den Reisebüros bricht das Geschäft ein. Sie können nicht auf eine Welle einheimischer Gästen hoffen, denen nichts anderes übrig bleibt, als die Schweiz zu entdecken. «Eine solche Krise hat die Reisebranche noch nicht erlebt», sagt daher Max Katz, Präsident des Schweizer Reiseverbands. Es werde mit einem Umsatzrückgang von 70 bis 80 Prozent gerechnet.

Gleich fast ein Fünftel des Personals abgebaut

Eine rasche Erholung wird es wohl nicht geben. Auch 2021 werden die Umsätze um 30 bis 40 Prozent unter dem Vorkrisenniveau liegen. Aus den Rückmeldungen seiner Mitglieder schliesst der Verband: ein Viertel aller Arbeitsplätze könnte verloren gehen.

Der Wechsel von Boom zu Crash trifft auch die Hotellerie, wie eine neue Umfrage von Hotelleriesuisse zeigt. Betriebe, die Mitarbeiter entlassen mussten, bauten gleich fast ein Fünftel des Personals ab. Die Arbeitslosigkeit ist stark gestiegen, auf 13 Prozent im Mai. Es könnte weiter nach oben gehen. In den Städten erwarten die Hotels für den Sommer bloss eine Auslastung von 23 Prozent – drei Mal weniger als im Sommer 2019.

Und auch fern der Städte leidet das Geschäft. In den Bergregionen sind die Hotels zwar besser ausgelastet als die städtische Konkurrenz. Aber im Vergleich zum Sommer 2019 läuft es auch in ländlichen Regionen schlechter. So richtig glückliche Hoteliers werden im Coronasommer 2020 auf dem Land wie in den Städten sehr selten zu finden sein.

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