Die Leserschaft könne sich im Internet unmittelbar in die Diskussion zu einem Thema einbringen, sagte Döpfner am Donnerstag am Swiss Media Forum in Luzern vor gut 300 Personen aus der Medien- und Kommunikationsbranche. Anders als in Tageszeitungen, die beschränkt Platz für Informationen böten, kenne das Internet keine Grenzen für die Veröffentlichung von Texten.

Neue bunte Medienwelt

Dank Ton und Videos sei der digitale Journalismus darüber hinaus deutlich vielfältiger und bunter als die an Papier gebundene Zeitung. Die schnelle Information habe im Internet ebenso ihren Platz wie die die vertiefende Analyse. Die Zeitungsbranche müsse sich vom Papier emanzipieren, um auch künftig Erfolg zu haben.

Mit neuen Geschäftsmodellen sollte es möglich sein, die sinkenden Einnahmen wegen rückläufiger Zeitungsauflagen zu kompensieren. Der Geburtsfehler der Verlage, Inhalte kostenlos ins Netz zu stellen, müsse korrigiert werden. Erste Erfahrungen bei Axel Springer zeigten, dass die Leserschaft positiv auf Bezahlmodelle reagiere.

Was nichts koste, könne auch nichts wert sein, so der Tenor. Dort, wo bezahlt werden, müsse Qualität geboten werden. Und Qualität sei allen Unkenrufen zum Trotz bei den digitalen Angeboten vorhanden. Döpfner rief die Branchenvertreter dazu auf, Mut zur Veränderung zu haben. Eine verbissene Verteidigungsschlacht führe nicht zum Ziel.

Facebook als Partner

Der Journalismus habe die beste Zeit noch vor sich, wenn die Verlage die Chancen der digitalen Revolution nutzten. Die Zeitungsbranche befinde sich in einem spannenden Transformationsprozess. Es werde Gewinner und Verlierer geben. Facebook könnte mit neuen Bezahlmodellen zu einem wichtigen Partner für die Verlage werden.

Bernd Girod, Professor an der Stanford und an der Columbia University, zeigte auf, wie dramatisch derzeit die Entwicklung in den USA verläuft. Der Zeitungskonsum und die Werbung in den Zeitungen sei auf nur noch 4 Prozent Anteil am Medienkuchen gesunken. Zugleich verlaufe die Entwicklung im Internet und bei Smartphones mit einem Anteil von je 24 Prozent rasant.

Die Verlage kämpften mit Technologiesprüngen, die immer neue Player auf den Markt brächten. So habe die grosse Stunde von Google 2001 geschlagen, als Al- Kaida-Terroristen die Twin Towers in New York zum Einsturz brachten. Google News habe damals den Sprung in die neue Medienwelt geschafft. Huffington Post und Buzzfeed seien heute weitere Player, die mit neuen Modellen die Branche aufmischten.

Die Herausforderung für die Zeitungsbranche bestehe darin, die traditionelle Zeitung mit digitalen Angeboten zu kannibalisieren, und dabei keine Rücksicht auf Einnahmenverluste zu nehmen. Girod verwies in diesem Zusammenhang auf den Begriff der "kreativen Zerstörung" des österreichischen Ökonomen Josef Schumpeter.