Wie schnell sich das Blatt wenden kann. Noch im vergangenen Herbst drohte China den Europäern mit einem Handelsstreit. Der Grund: Die EU-Staaten wollten den Chinesen nicht den Marktwirtschaftsstatus anerkennen – eigentlich ein Versprechen, das vor 15 Jahren gegeben wurde und das bis Ende 2016 hätte umgesetzt werden müssen. Doch die EU-Staaten fanden, dass China noch viel zu sehr seine heimische Industrie subventioniert, weltweit vor allem im Stahlsektor für Überkapazitäten sorgt und ausländische Konkurrenz im eigenen Land zugunsten seiner eigenen Industrie behindert. Die chinesische Regierung zürnte darüber und drohte mit Gegenmassnahmen.

Donald Trump empfängt Chinas Staatschef:

Plötzlich eine gemeinsame Front

Nun ist davon nichts mehr zu hören. Denn plötzlich sehen sich China, Deutschland und einige andere Exportnationen an einer gemeinsamen Front stehen: Seit Donald Trump das Amt des US-Präsidenten übernommen hat, stellt er allen voran China, an zweiter Stelle aber schon Deutschland an den Pranger und droht mit einem Handelsstreit.

Trump gibt China die Schuld dafür, dass grosse Teile der US-amerikanischen Industrie nicht mehr existieren und Millionen Jobs in seinem Land auf diese Weise verloren gegangen sind. Die Volksrepublik habe die Vereinigten Staaten mit ihren Handelsüberschüssen und ihrer «manipulierten» Währung wirtschaftlich «vergewaltigt». Tatsächlich liegt das Handelsdefizit der USA insgesamt bei über 500 Milliarden US-Dollar, rund 350 Milliarden davon betreffen China. Trump hat bereits damit gedroht, einen Strafzoll von bis zu 45 Prozent auf chinesische Einfuhren zu erheben.

Im Vorfeld des Treffens mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping zeigte sich Trump zwar von seiner etwas moderateren Seite. Handel müsse für alle Beteiligten von gegenseitigem Vorteil sein, liess er verkünden. Er sei über bestehende Ungleichgewichte, die sich negativ auf amerikanische Arbeiter auswirkten, aber sehr besorgt.

Die chinesische Regierung weist diese Vorwürfe zurück. Pekings Argument: Das grosse Handelsdefizit der USA sei Ergebnis der weltweiten industriellen Arbeitsteilung. Würden sämtliche Dienstleistungen auch einberechnet werden, hätten die USA einen Überschuss.

Trumps Vorwurf, China würde seine Währung manipulieren, um seine Exporte billiger zu machen, findet auch jede Menge Gegenstimmen unter Ökonomen ausserhalb Chinas. Es stimmt zwar, dass China trotz aller Liberalisierungsversprechen den Kurs des chinesischen Yuan weiter lenkt.

Doch momentan versucht Peking genau das Gegenteil: Die chinesische Führung will den Kurs nach oben treiben, um die derzeitige Kapitalflucht in den Griff zu bekommen, die nicht zuletzt durch die steigenden Zinsen in den USA deutlich zugenommen hat. Die USA und China sind zwar Rivalen. Die beiden grössten Volkswirtschaften sind aber wirtschaftlich zugleich auch stark voneinander abhängig.

Wirtschaftlich eng verflechtet

Ökonomisch gesehen, könnte China die Anfeindungen locker nehmen. Denn so leicht lässt sich das komplexe US-chinesische Geflecht nicht auflösen. Die Chinesen erwirtschaften zwar einen hohen Überschuss im Handel mit den USA. Doch einen Grossteil der Überschüsse legen die Chinesen wiederum in US-Staatsanleihen an oder an den Finanzmärkten in New York und Chicago.

Insbesondere jetzt strömen angesichts sinkender Wachstumsraten im eigenen Land immer mehr chinesische Investoren ins Ausland. Und die USA als eine der wenigen grossen Volkswirtschaften, die derzeit kräftig wächst, gelten für Chinesen als sehr attraktiv.