Unser täglich Brot

Ebola, schlechte Ernte und Mindestlohn: Das Brot wird teurer

Brot, Backwaren, Schoggi und Kaffee dürften künftig mehr kosten. Schuld daran ist unter anderem das schlechte Wetter im Sommer, aber auch die Löhne der Bäcker. Der Bäckerverband rechnet mit Brotpreiserhöhungen von fünf Prozent.

Unser täglich Brot gib uns heute: Für Schweizer ist Brot nach wie vor das beliebteste Grundnahrungsmittel, obwohl der Mensch den Getreidefladen seit über 30 000 Jahren kennt. Während früher die Kosten für Mehl entscheidend für den Brotpreis waren, nehmen die Lohnkosten heute einen immer grösseren Bestandteil des Preises ein.

Mit der Einführung des Gesamtarbeitsvertrags des Schweizer Bäcker-/ Confiseurmeister-Verbands im nächsten Jahr wird das Problem noch verschärft.

Ab Januar verdient ein Bäcker im Monat mindestens 4000 Franken. Das entspricht einer Lohnerhöhung von durchschnittlich vier bis sechs Prozent. Und ab 2016 steigt der Ferienanspruch von vier auf fünf Wochen.

Ist der Mindestlohn schuld an der Brotpreiserhöhung der gewerblichen Bäckereien? Der Direktor des Schweizer Bäckerverbands, Beat Kläy, stimmt teilweise zu: «Wenn wir nur auf der einen Seite Kostensteigerungen gehabt hätten, wäre es eher möglich gewesen, durch Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen den Preis stabil zu halten.» Das heisst konkret: Wäre der Mindestlohn nicht erhöht worden, wäre der Brotpreis trotz schlechter Ernte stabil geblieben.

Auch Bäckerverbands-Präsident Kaspar Sutter sagt: «Allein der Mindestlohn wird keinen Unternehmer in Zugzwang bringen.» So sei vor allem die Mischung mehrerer Faktoren für höhere Preise verantwortlich.

Der Sommer fiel dieses Jahr wortwörtlich ins Wasser. Weil die Getreide zu früh keimten, ist die Qualität der Ernte besonders schlecht. Da ein Bäcker für richtiges Brot qualitativ hochstehendes Mehl braucht, muss ein Teil importiert werden. Die Schweizer Müller erhöhen ihre Preise pro 100 Kilogramm Mehl um fünf bis sieben Franken, weil das Mehl durch Zugabe von Weizenproteinen und ausländischem Mehl aufgepeppt werden muss.

Bäckerverbands-Präsident Kaspar Sutter wird auch in seiner Bäckerei die Preise erhöhen: Kleinbrote kosten bei ihm ab 2015 zehn Rappen mehr. Er betont jedoch, dass es jeder Bäckerei frei steht, die Preise anzupassen.

Coop stabil – Migros unklar

Detailhändler Coop sieht indes von einer Preiserhöhung beim Brot ab: «Es sind zurzeit keine Preisaufschläge geplant», sagt Coop-Sprecher Ramón Gander. Obschon der Referenzlohn bei Coop für Mitarbeitende mit dreijähriger Lehre ab kommendem Jahr 4100 Franken beträgt — 100 Franken mehr als bei gewerblichen Bäckern.

Bei Brotmarktleaderin Jowa, einem Tochterunternehmen der Migros, geht man davon aus, dass sich aufgrund der schlechten Ernte die Rohstoffpreise erhöhen könnten. Die Auswirkungen auf den Brotpreis sind aber noch unklar. «Momentan laufen noch Verhandlungen zwischen Jowa und den Produzenten», sagt Migros-Sprecherin Monika Weibel. Auch die Migros kennt einen Mindestlohn, der ab kommendem Jahr bei dreijähriger Lehre 4100 Franken beträgt.

Die gewerblichen Bäcker verdienen aktuell eine Marge von ungefähr fünf Prozent. Der Bäckerverband gibt als Ziel jedoch eine höhere Marge von acht bis zehn Prozent vor. Die magere Gewinnaussicht verschärft das Problem.

Auch bei der Confiserie ist mit Preisaufschlägen zu rechnen — Kaffee, Kakao und Nüsse werden teurer. Beim Kakao ist unter anderem die Ebola-Krise mitverantwortlich. So erwartet der Bäckerverband auch spürbare Auswirkungen auf die Endpreise der Bäckereibetriebe mit Confiserie und Cafés. Der beliebte Schoggigipfel aus Mehl, Nusssplittern und Schokolade dürfte also demnächst beträchtlich teurer werden.

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