Pharma
Ein Impfstoff gegen Hirnhautentzündung soll Novartis retten

Die Impfstoff- und Diagnostiksparte von Novartis ist verhältnismässig klein und erzielt einen Betriebsverlust. nun setzt der Basler Pharmakonzern grosse Hoffnungen in den neuen Impfstoff Bexsero gegen Hirnhautentzündung.

Isabel Strassheim
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Geldspritze für Novartis: Die Impfbehörden müssen entscheiden.

Geldspritze für Novartis: Die Impfbehörden müssen entscheiden.

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Ein neuer Impfstoff gegen Hirnhautentzündung soll nicht nur vor der in einigen Fällen tödlich verlaufenden Krankheit schützen, sondern auch die Impfstoffsparte des Pharmakonzerns Novartis retten. Es gibt allerdings einen Haken: Die Impfung Bexsero wurde zwar schon in der Europäischen Union und in Australien zugelassen, aber noch ist offen, ob sie auch in den Standard-Impfplan aufgenommen wird. Erst dann würde sie einen Milliarden-Umsatz bringen. In den USA und in der Schweiz wird die Zulassung noch geprüft.

Dabei hatte die Bexsero-Story Anfang Jahr so gut begonnen: Es ist der erste Impfstoff überhaupt, der gegen Meningitis B schützt, jedenfalls vor einem guten Teil dieser in Europa inzwischen am häufigsten auftretenden Erregerarten. Gegen Meningitis C und andere Typen gibt es schon seit den 80er-Jahren eine Standardimpfung für Babys und Kleinkinder in den europäischen Staaten. In der Schweiz gab es in den letzten Jahren zwischen 36 und 74 Fälle, betroffen waren vor allem Säuglinge.

Grossbritannien ist skeptisch

Die Aussichten waren also gut, als die Europäische Union Bexsero im Januar zuliess. Doch nun macht Grossbritannien Probleme. Denn die einzelnen Länder müssen jetzt entscheiden, ob sie die Kosten erstatten und Bexsero für ihr nationales Impfprogramm akzeptieren. «Auf Basis der verfügbaren Anhaltspunkte ist es sehr unwahrscheinlich, dass eine routinemässige Baby- und Kleinkindimpfung mit Bexsero kosteneffizient ist», so der zuständige britische Ausschuss Ende Juli in einem Zwischenbescheid. Nun versucht Novartis, die Briten vom Gegenteil zu überzeugen: «Der Konzern widerspricht der Einschätzung des Ausschusses vehement», so ein Sprecher zur «Nordwestschweiz». Ein Knackpunkt ist, ob Bexsero die Übertragung von Mensch zu Mensch verhindert.

Eine Entscheidung könnte langwierig werden. Die Verfahren über die Empfehlung oder Erstattung einer Impfung können bis zu zehn Jahre dauern», so Novartis. Auf den Markt kommen soll Bexsero in Europa aber auch so Ende Jahr. Für die Impfsparte von Novartis entscheidend ist aber die Aufnahme in den Impfplan. Denn Bexsero sollte die kleine Division mit einem Umsatz von knapp zwei Milliarden Franken oder rund 7 Prozent des Konzerns gross herausbringen. Analysten monieren, sie sei nicht nur im Verhältnis zum Konzern, sondern auch im Branchenvergleich zu klein und wenig rentabel. Die Sparte war die einzige mit einem Verlust im Halbjahr.

Sparte könnte abgestossen werden

Der neue Verwaltungsrats-Präsident Jörg Reinhardt könnte die Division zum Verkauf stellen, wurde schon vor seinem Antritt spekuliert. Sein Entschluss dürfte jedoch nicht vor 2014 fallen. Denn im wichtigen Pharmamarkt Deutschland soll nicht vor Ende des Jahres über die Aufnahme ins Impfprogramm entschieden werden, so das Robert-Koch-Institut in Berlin. «Die Impfung ist sehr interessant», sagt Sprecherin Susanne Glasmacher. Auch in anderen europäischen Staaten und in Australien laufen die Verfahren noch. Und in den USA dauert die Zulassungsprüfung durch die Arzneimittelbehörde FDA noch an (über eine Impfempfehlung wird dort nicht entschieden).

«Die Impf-Sparte hat schon Potenzial, Bexsero könnte einen jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Dollar bringen», sagt Pharmaanalyst David Kägi von J. Safra Sarasin. Das dürfte aber eben noch dauern. Ein Vorteil bei Impfstoffen sei jedoch, dass sie als Biotech-Produkte keine grosse Konkurrenz von billigen Generika bekommen. Kägi schliesst nicht aus, dass Novartis die Sparte behält und in die Pharmadivision integriert.