Anstatt – wie andere Banken – eine bussenträchtige Vergangenheit bewältigen zu müssen, konzentriert man sich bei der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) auf die digitale Zukunft. Dafür holt man sich – gemäss dem Motto, nur das zu machen, was man versteht – das Know-how von aussen, etwa durch Partnerschaften mit Swisscom fürs Crowdfunding oder mit Swissquote für die Online-Hypothek.

Für den nächsten Schritt schliessen die Banker aus Liestal eine Allianz mit Oliver Herren, der als Mitgründer von Digitec und Galaxus die Einzelhandelsbranche aufmischte, und Felix Niederer, einem Physiker mit ETH-Abschluss und Asset-Manager: Die BLKB geht mit der von Herren und Niederer mitgegründeten True Wealth eine strategische Partnerschaft ein. Sie beteiligt sich als Minderheitsaktionärin am Start-up und nimmt Einsitz in dessen Verwaltungsrat.

Kleinsparer angepeilt

Die gemeinsame Geschäftsidee: Wer nicht gleich einen fünfstelligen Betrag investieren will, kann sich bisher eine Vermögensberatung durch eine Bank nicht leisten, denn die Gebühren wären höher als die Rendite, die Bank profitiert mehr als der Sparer. Diesem für eine Retailbank wie die BLKB typischen Kundensegment, dessen Zinserträge auf Sparkonti zurzeit wenig Begeisterung auslösen, will die BLKB künftig eine Online-Vermögensverwaltung anbieten.

Die nötige Software hat True Wealth seit ihrer 2013 erfolgten Gründung entwickelt und seit ihrem Markteintritt 2014 stetig verfeinert. Sie ist bereits online. «Derzeit haben aufgrund von Mund-zu-Mund-Propaganda rund 850 Kunden 42 Millionen Franken bei uns investiert», berichtet CEO und VR-Präsident Niederer. Die durchschnittliche Investitionssumme beträgt also knapp 50 000 Franken.

Investor auf Probe

Das Konzept: Der zum Investor mutierende Sparer klickt sich durch einen 10-Punkte-Fragenkatalog und ermittelt so sein Risikoprofil. Darauf basierend stellt ihm die Software ein Portfolio zusammen: Cash, Obligationen, Immobilienaktien, Rohstoffe und Aktien. Das Portfolio basiert auf börsengehandelten Fonds (Exchange Traded Funds, ETF). Mindestanlage: 8500 Franken.

Jede Software ist nur so schlau wie die Menschen, welche sie programmiert haben: Wer der «Roboter»-Beratung nicht traut, kann gratis ein virtuelles Testkonto eröffnen und bekommt auch sofort die Jahreskosten präsentiert: 0,5 Prozent Verwaltungsgebühr und – je nach Zusammensetzung – rund 0,2 Prozent Produktkosten (TER). «Es geht aber nicht nur darum, online eine günstige Dienstleistung anzubieten, sondern auch eine, bei welcher der Kunde sich wohlfühlt», sind sich Niederer und BLKB-CEO Beat Oberlin einig.

Kunden, die mit der permanent abrufbaren Performance nicht zufrieden sind, können die Zusammensetzung jederzeit verändern. Wer verhindern möchte, dass sein Portfolio auf Kosten von Kinderarbeit oder Erdölexploration in der Arktis performt, kann dies vorläufig noch nicht selbstständig steuern. Oberlin sieht aber in Ethik-orientierten Anlageformen ein grosses Potenzial.

Tradition trifft Innovation

Nachdem die Tinte auf dem Partnerschaftsvertrag nun trocken ist, werde im Rahmen der Vertriebspartnerschaft das jetzige Angebot der True Wealth für BLKB-Kunden angepasst. Es werde eine Anlagelösung entwickelt, welche die Nachhaltigkeitskriterien der BLKB berücksichtigt. Niederer und Oberlin rechnen damit, dass diese bis Mitte 2017 online geht.

Durch die strategische Partnerschaft profitiert True Wealth von der Reputation und Kundennähe einer Bank mit langer Tradition und einer Staatsgarantie, auch wenn Letztere nicht für die Vermögensverwaltung gilt. Und die BLKB erschliesst sich ihrerseits Geschäftsfelder und Vertriebskanäle im digitalen Sektor, wo unter anderem Apple und Google in die Finanzbranche drängen.

Dabei beansprucht die BLKB kein Monopol auf der von True Wealth angebotenen Vermögensverwaltung: «Abschottung ist ein Teil der Alten Welt und hat im digitalen Zeitalter nichts zu suchen. Angebots-Marktplätze zum Wohl der Kunden sind die Zukunft», ist Oberlin überzeugt. Nicht zuletzt sei die BLKB als Teilhaberin daran interessiert, dass die True Wealth floriere.