Neue Technologie
Entlastung für Päckli-Schlepper: Die Post testet Innovation – und schaut bei Tom Cruise ab

Paket-Pöstler klagen über körperliche Beschwerden wegen der grossen Arbeitsbelastung – insbesondere zur Weihnachtszeit. Nun prüft der Staatskonzern die Anschaffung von High-Tech-Körperanzügen, die man aus Hollywood-Filmen kennt.

Benjamin Weinmann
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Die Paketboten der Post haben besonders in der Vorweihnachtszeit alle Hände voll zu tun. Das hat körperliche Folgen.

Die Paketboten der Post haben besonders in der Vorweihnachtszeit alle Hände voll zu tun. Das hat körperliche Folgen.

Sandra Ardizzone / LTA

Das geht in den Rücken und in die Knie. Der Online-Boom und das gestiegene Paketvolumen hinterlassen bei der Belegschaft der Post physische Spuren. Rund 70 Prozent der Päckli-Pöstler in der Sortierung und in der Zustellung klagen über eine gesundheitliche Belastung, die ihre Arbeit mit sich bringt. Zu diesem Schluss kam zuletzt eine aktuelle Umfrage der Gewerkschaft Syndicom (diese Zeitung berichtete). Diese spricht von «körperlicher Schwerstarbeit», die täglich erbracht werde.

Die Post will auf diese Warnzeichen reagieren. «Wir prüfen ergonomische Innovationen, um die Gesundheit unserer Mitarbeitenden zu gewährleisten und zu verbessern», sagt ein Sprecher. Dazu gehören neuerdings auch sogenannte Exoskelette, welche die Kräfte beim Heben oder Bücken aktiv oder passiv dosieren und auf kräftigere Bereiche des Körpers verteilen.

Von «Aliens» bis «Avatar»

Der Post-Sprecher verweist als vergleichendes Beispiel auf den Rucksack. Dieser verlagere durch seine Bauweise einen Grossteil des Gewichts weg von Schultern, Nacken und Rücken auf die Hüfte.

Im Action-Film «Edge of Tomorrow» tragen die Stars Emily Blunt und Tom Cruise ein Exoskelett für kriegerische Zwecke.

Im Action-Film «Edge of Tomorrow» tragen die Stars Emily Blunt und Tom Cruise ein Exoskelett für kriegerische Zwecke.

Warner / Tele München

Laut der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» haben auch schon Konzerne wie der Autohersteller Audi oder der Logistiker DHL Exoskelette getestet. Filmfans kennen Exoskelette – in martialischer Form - von Science-Fiction-Filmen wie «Edge of Tomorrow» mit Tom Cruise oder «Aliens» und «Avatar» von James Cameron. Darin setzen sich die Action-Protagonisten quasi in einen übergrossen Roboter-Anzug, der ihre Körperbewegungen übernimmt und ihnen mehr Kraft verleiht.

Bei der Post werden derzeit verschiedene Modelle geprüft, um zu sehen, ob die existierende Exoskelett-Technik in der Paket- und Briefverarbeitung eingesetzt werden könne. Ein Entscheid zur Anschaffung wird voraussichtlich im Sommer gefällt.

50 Probanden testen die Exoskelette

Zum Einsatz kommen die Exoskelette – mit einem Unterbruch während dem intensivsten Festtagsverkehr – in den grossen Paketsortierzentren in Frauenfeld TG, Härkingen SO und Daillens VD, sowie in den Briefsortierzentren Eclépens VD, Härkingen SO und Zürich-Mülligen. 50 Probanden tragen die Innovation in verschiedenen Arbeitsstationen. Um welche Modelle und Herstellerfirmen es sich handelt, verrät der Sprecher nicht.

Es ist nicht der einzige Ergonomie-Test, den die Post lanciert hat. Eine Entlastung könnte auch in Form eines neuen Automodells kommen. Zusammen mit dem Hersteller Mercedes-Benz hat die Post bis vor wenigen Tagen einen neuen Lieferwagen getestet, bei dem automatische Türen und Sensoren installiert sind.

Die Idee: Muss der Pöstler heute manchmal in einer Hand die Pakete balancieren und mit der anderen Hand die Türe öffnen und schliessen, würde die Ergonomie bei diesem Wagen weniger belastet. Noch ist aber nicht klar, ob die Post diese neuartigen Autos beschaffen wird.

Weiterhin auch Massagen und Physiotherapie

Unabhängig von den technischen Innovationen biete man den Angestellten nach wie vor Zugang zu Physiotherapeuten an, sagt der Sprecher. Hinzu kämen medizinische Massagen sowie Schulungen zum richtigen Heben von Lasten bis hin zu Rückentrainings und Gymnastik.

Ein Sprecher der Gewerkschaft Syndicom sagt, man begrüsse jede Massnahme, welche die Ergonomie bei der Arbeit der Pöstlerinnen und Pöstler verbessere, dazu gehörten auch technologische oder maschinelle Massnahmen.