Migros-Chef

Er gilt als Mister Gesundheit: Wer ist der neue starke Mann der Migros?

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen hat sich bisher nicht allzu sehr in den Vordergrund gedrängt.Lea Meienberg/13 Photo

Der neue Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen hat sich bisher nicht allzu sehr in den Vordergrund gedrängt.Lea Meienberg/13 Photo

Der 47-jährige Westschweizer Fabrice Zumbrunnen übernimmt im nächsten Jahr die Führung der Migros von Herbert Bolliger.

Der neue starke Mann der Migros heisst Fabrice Zumbrunnen. Der 47-jährige Romand folgt auf Herbert Bolliger, der nach 13 Jahren als Chef des Detailhändlers Ende Jahr in Pension geht. Diesen November erreicht er das festgelegte Höchstalter von 64 Jahren. Wie erwartet setzt Migros mit Zumbrunnen auf einen internen Kandidaten. Er wurde vor fünf Jahren in die Generaldirektion berufen und leitet dort das Departement Personal, Kulturelles und Freizeit. Die längste Zeit seiner Karriere arbeitete er in der Migros-Genossenschaft Neuenburg-Freiburg. Während dieser 16 Jahre war er zuerst Verkaufschef und später Geschäftsführer.

Zumbrunnen ist der jüngste Chef in der Geschichte des Migros-Genossenschafts-Bundes. Neben ihm wurde vor allem Jörg Blunschi, Chef der Migros Zürich, als Anwärter auf die Nachfolge Bolligers gehandelt. Die Wahl Zumbrunnens kommt insofern überraschend, als sich Blunschi in den vergangenen Monaten als Favorit herausschälte.

Blunschi gilt als der risikofreudigere Typ, der mit seinen Expansionsplänen für Aufsehen sorgte. So kaufte er 2013 den hessischen Detailhändler Tegut mit 270 Filialen. Zudem holte er die deutsche Bio-Supermarktkette Alnatura in die Schweiz. Gegen Zumbrunnen sprach zudem, dass er mit Neuenburg-Freiburg eine der kleinsten Genossenschaften der Migros führte. Bolliger und auch sein Vorgänger Anton Scherrer hatten mit der Migros Aare jeweils das grösste Gebiet geleitet.

Arztpraxen und Apotheken

Dass sich Zumbrunnen dennoch durchgesetzt hat, dürfte viel mit dem Vorstoss der Migros in den Gesundheitsmarkt zu tun haben. Der Romand ist der Kopf dieser Offensive in der Generaldirektion. Investiert hat der Detailhändler zuletzt vor allem in Gruppenpraxen. So kaufte 2015 die Migros 70 Prozent der Anteile an den Santémed-Gruppenpraxen von der Krankenkasse Swica. Migros verfügte mit Medbase damals bereits über eine Kette mit Gruppenpraxen und konnte diese mit dem Kauf um 23 Gesundheitszentren erweitern.

Über den Kaufpreis für die Santémed-Beteiligung schwieg sich Migros aus. Ein Verlustgeschäft habe man damit aber nicht übernommen, sagte Zumbrunnen vor rund einem Jahr der «Nordwestschweiz». Die Praxen würden schwarze Zahlen schreiben, sonst hätte sie Migros nicht gekauft. Mit dem Kauf der Santémed ist der Appetit des Detailhändlers aber noch nicht gestillt. Zumbrunnen will in den nächsten fünf Jahren jährlich zwei bis drei Zentren mit 10 bis 15 Ärzten und weiteren Therapeuten eröffnen. Im Fokus stehen vor allem Städte, zudem sollen auch Standorte in der Romandie und im Tessin dazukommen, wo die Migros noch nicht präsent ist.

Der Gesundheitsmarkt ist eine attraktive Branche, die von der Überalterung der Bevölkerung profitiert. Es überrascht daher nicht, dass Migros sich hier ausbreiten will. Das Wachstum und die Margen sind attraktiver als im stagnierenden Detailhandel, der zuletzt unter dem Einkaufstourismus und der Ausbreitung der Online-Anbieter gelitten hat. Dennoch bleibt der Bereich ein kleiner Fisch im Migros-Konzern. Das Gesundheitsgeschäft soll in fünf Jahren ein Prozent des gesamten Umsatzes beitragen, rief Zumbrunnen vor knapp einem Jahr als Ziel aus. In Zahlen übersetzt sind dies 270 Millionen Franken.

Bisher nicht im Vordergrund

Die Ambitionen von Zumbrunnen werden auch durch die Zusammenarbeit mit der Versandapotheke zur Rose unterstrichen. Ab Juni wird Migros der Thurgauer Firma in einer Berner Filiale Platz für eine Apotheke überlassen. Verläuft derVersuch erfolgreich, sollen in allen grösseren Migros-Filialen solche Shop-in-Shop-Apotheken eingerichtet werden. Schweizweit sollen es dereinst rund 50 sein.

Über das Geschäftliche hinaus ist von Zumbrunnen nicht allzu viel bekannt. Er ist mit einer Musikerin verheiratet und Vater von zwei Kindern. An der Uni Neuenburg studierte er Betriebswirtschaft und Soziologie. Interviews mit dem künftigen Chef gibt es kaum. Dass er bisher nicht allzu sehr in den Vordergrund drängte, zeigen Aussagen aus einem Gespräch mit dem «Migros-Magazin». Angesprochen auf Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler als Identifikationsfigur sagte er, es sei gar nicht nötig, die Migros partout auf Personen zu reduzieren. «Wir brauchen diesen Hang zum Personenkult nicht.» Trotzdem seien seine Kollegen in der Generaldirektion und er jederzeit bereit, die Rolle des Migros-Botschafters zu übernehmen. Dies wird nun mit Sicherheit zu seinen Aufgaben zählen.

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