Energiekrise

Erstaunlich – von den drei Schweizer Stromkonzernen macht nur die BKW Gewinn

Suzanne Thoma, CEO der BKW, bei der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag.

Suzanne Thoma, CEO der BKW, bei der Bilanzmedienkonferenz am Donnerstag.

Während die Konkurrenz Milliardenverluste macht, hat BKW-Chefin Suzanne Thoma gut lachen. Der Konzern machte im vergangenen Jahr trotz schwierigem Umfeld einen Gewinn von 284 Millionen. Warum ist das so?

Wir alle haben ihn schon erlebt, diesen Moment, in dem uns in der Öffentlichkeit ein Kommentar herausrutscht, den wir in derselben Sekunde, wo er unsere Lippen verlässt, aus der Luft fischen und am liebsten wieder dorthin zurückdrücken möchten, wo er hergekommen ist.

Suzanne Thoma hatte einen solchen Moment gestern in Bern. Ausgerechnet während der Bilanzmedienkonferenz ihrer BKW. Einem Westschweizer Journalisten, der auf der Suche nach dem passenden Adjektiv für den Zustand der Konkurrentin Alpiq war, sprang Thoma rasch bei. Ein Wort mit «d» hatte der Journalist gesucht. Thoma fragte: «desolat?» – was sie Zehntelsekunden später sichtlich bereute.

Die Schweiz hat drei grosse Energieunternehmen. Zweien davon geht es derzeit richtig schlecht. Das grösste der drei, die von Jasmin Staiblin geführte Alpiq-Gruppe mit Sitz in Olten, kommt seit einigen Tagen nicht mehr aus den Schlagzeilen.

Das liegt zum einen an einer Kommunikationspanne, die eine längst überfällige Diskussion um die Rentabilität der Atomkraftwerke in Gang setzte. Den zweiten Grund lieferte Alpiq selbst, als Konzernchefin Staiblin den Verkauf von knapp der Hälfte des eigenen Wasserkraftportfolios ankündigte. Gemeinsam mit dem ausgewiesenen Jahresverlust von mehr als 800 Mio. Franken scheinen das Gründe genug, den derzeitigen Zustand der Alpiq mit dem «d»-Wort zu umschreiben.

Der BKW geht es besser

Ganz anders sieht es bei der Berner BKW aus. Zwar sanken Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr aufgrund der tiefen Strompreise und des starken Frankens um 7 respektive 2,7 Prozent. Doch das ist kein Vergleich zu den Milliardenverlusten von Alpiq und Axpo. Bei der BKW blieb unter dem Strich ein Gewinn von 284 Millionen Franken stehen.

Was macht die BKW anders?

Wie Alpiq und Axpo, produziert auch die BKW Strom. Dass sie unter den rekordtiefen Preisen weniger leidet als die Konkurrenz, hat zunächst einmal mit den Kunden zu tun. Während Alpiq und Axpo die Energie aus ihren Kraftwerken am Markt – das heisst: zu den aktuellen Tiefstpreisen – abgeben, verkauft die BKW einen Teil ihres Stroms direkt an Endkunden. Diese sind im nicht liberalisierten Teil des Schweizer Strommarktes «gefangen», können ihren Lieferanten also nicht wählen – und müssen den Strom zu dem Preis abnehmen, den die BKW veranschlagt.

Dies betrifft einen Viertel des von BKW produzierten Stroms, wie das Unternehmen selbst betont. Doch das ist noch nicht alles: Hinzu kommt der Strom, den die BKW in regulierten Kleinwasserkraftwerken und Windparks – Letztere vor allem im Ausland – produziert.

Laut Eugen Perger, Senior Analyst bei der Analyseboutique Research Partners in Zürich, stammt mittlerweile bereits rund die Hälfte des Konzernumsatzes aus regulierten Märkten. Bei den grösseren Konkurrenten sei dieser Anteil viel kleiner.

Und es kommt noch besser für die BKW: Die Einnahmen, die das Unternehmen durch die Netzhoheit im Raum Bern generiert, dürften ab 2016 nochmals ansteigen. Eine Bewilligung zur Erhöhung der Preise liege bereits vor, sagt Perger. Er beziffert die Mehreinnahmen auf 50 bis 60 Mio. Franken auf Stufe Ebit. Das wäre ein Anstieg von rund 15 Prozent.

Weniger Grosswasserkraft

BKW kommt ferner zugute, dass es – anders als Alpiq und Axpo – deutlich weniger Investitionen in Grosswasserkraftprojekte getätigt hat. Stattdessen habe man sich in Bern früher und konsequenter als viele andere auf Wind- und Solarenergie sowie auf den Ausbau des Dienstleistungssektors konzentriert, sagt Perger. Das verschaffe der BKW unter den derzeitigen Bedingungen eine sehr gute Ausgangslage. Konzernchefin Thoma will diese Strategie weiter vorantreiben, wie sie gestern betonte.

Auch wegen dieser Fokussierung sei die Wahrscheinlichkeit eher gering, dass sich die BKW an dem zum Verkauf stehenden Alpiq-Wasserkraftportfolio beteiligt, sagt Analyst Perger. In Form einer Finanzbeteiligung hatte dies Suzanne Thoma gestern ohnehin für unwahrscheinlich erklärt. Prüfen wolle man es jedoch allemal.

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