Sie waren während über drei Jahrzehnten in leitender Position in der Finma tätig. Wie stufen Sie den Verordnungsentwurf ein?

Daniel Zuberbühler: Die Verordnung ist nicht nur unnötig, sondern ein gefährlicher Versuch, die Finma politisch zu bevormunden und letztlich den kurzfristigen Interessen der Finanzbranche zu unterwerfen. Überdies wird durch die Mitwirkung des Finanzdepartements EFD in der Regulierung, in den internationalen Aufsichtsorganisationen und selbst bei Einzelentscheiden von erheblicher Tragweite eine zusätzliche Bürokratieschicht eingeschoben.

Was sind die Folgen?

Da dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen als ausführender Stelle im EFD heute die Fachkompetenz in Aufsichtsfragen fehlt, wird es personell aufrüsten müssen und die Finma mit seiner Schattenaufsicht ohne eigene Verantwortlichkeit übermässig beüben. Das macht die Aufsicht weniger effizient und teurer, ohne Zusatznutzen.

Gab es früher ähnliche Disziplinierungsversuche?

Schon zu meinen Zeiten bei der Bankenaufsicht EBK versuchte die Bankbranche, unsere Kompetenzen über die Politik einzuschränken, wenn sie vor Bundesgericht unterlegen war oder wir uns von Parteigutachten renommierter Professoren nicht beeindrucken liessen. Auch die Kompetenz zum Erlass von Rundschreiben und deren Grenzen wurde von der Finanzbranche periodisch angezweifelt. Die Beaufsichtigten zogen es aber letztlich immer vor, die Aufsichtspraxis aufgrund von Rundschreiben im Voraus zu kennen und darüber mitzudiskutieren, als durch Einzelfallentscheide überrascht zu werden. Mit dem EFD stritt sich die EBK nur über Ressourcenfragen, aber es anerkannte immer die Unabhängigkeit der Aufsicht.

Braucht es einen Swiss Finish in der Finanzmarktregulierung?

Ja, vor allem bei Too-big-to-fail und bei den Eigenkapitalanforderungen, aber sicher nicht flächendeckend. Die Finma beschreitet mit ihrer differenzierten Regulierung den richtigen Weg, indem sie zum Beispiel administrative Erleichterungen für kleinere, gut kapitalisierte und geführte Banken vorsieht.

Welchen Ruf hat die Finma auf internationaler Ebene?

Sie hat international einen sehr guten Ruf als unabhängige, verlässliche und kompetente Aufsichtsbehörde. Dieser Ruf würde geschädigt, wenn die Kompetenz der Finma zum Erlass von Rundschreiben beschränkt oder der Vorrang des prudentiellen Mandats abgeschwächt würde.