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Firmen, die der Krise trotzen

Alle sprechen von der Krise, von Kurzarbeit und Sparmassnahmen. Doch es gibt auch Firmen in der Region, die sich vor Aufträgen kaum retten können.

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Flavio Casella

Flavio Casella

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Ein Erfolgsrezept hat er nicht: «Grundsätzlich mache ich einfach das, was mir Freude macht. Da steckt keine besondere Strategie dahinter.» Glücklicherweise hat das, was Flavio Casella Freude macht, ihm auch zu einem Geschäft verholfen, das so gut funktioniert, dass ihm selbst die Krise nichts anhaben kann. «Wir spüren keinerlei Einbusse», sagt der 43-jährige Dietiker.

Im Gegenteil: Flavio Casellas Holzbaubetrieb, der vor eineinhalb Jahren von Dietikon nach Spreitenbach in grössere Räumlichkeiten gezogen ist, kann sich vor Arbeit kaum retten. Seit sich der gelernte Zimmermann vor gut fünf Jahren selbstständig gemacht hat, sind die Aufträge stetig hereingekommen. «Es lief vom ersten Tag an sehr gut», erinnert er sich. So gut sogar, dass die Firma innerhalb von drei Monaten bereits zehn Angestellte zählte und Casella einiges an Geld investieren musste, um zu expandieren.

Dies lag einerseits daran, dass Casella viele seiner alten Kunden aus dem letzten Betrieb treu blieben. Andererseits hat sich die Firma Casella - deren Angebote von Beratung über Holzbauarbeiten bis zu Schreinerarbeiten reichen - anscheinend genau richtig positioniert. «Wir spezialisieren uns bewusst nicht zu sehr auf einen Bereich und versuchen nicht, die Billigsten zu sein. Wir wollen das richtige Produkt zum richtigen Preis anbieten», erklärt Casella. Ausserdem setze er auf regionale Stärke: «Stammkunden machen 90 bis 95 Prozent unserer Kundschaft aus.»

Nicht der Baumboom ist der Grund

Doch mit dem Bauboom bringt Casella den Erfolg seiner Firma kaum in Verbindung. «Diese riesigen Neubauten, die im Moment überall erstellt werden, werden ja meistens mit sehr wenig Holz gebaut», erklärt er. Trotzdem sieht er auch der Zukunft positiv entgegen: «Der Start ins Jahr 2010 sieht bereits wieder gut aus.»

«Wir haben eher zu viel Arbeit»

Klar mache er sich auch Gedanken über die gegenwärtige Krise, meint er. Doch glücklicherweise seien die Aufträge nie ausgeblieben oder zurückgegangen. «Wir haben eher zu viel als zu wenig Arbeit», sagt Casella. In den letzten Jahren hätten sie den Betrieb bereits von 100 Quadratmeter auf momentan 800 Quadratmeter vergrössern müssen. Nun stehe eine weitere Vergrösserung der Produktionsräumlichkeiten an.

Doch viel grösser werden wolle und könne man gar nicht, sagt Casella über seine Firma, die momentan nebst zwei Bauleitern zehn Zimmerleute und vier Lehrlinge beschäftigt. Denn: «Gute Lehrlinge und qualifizierte Mitarbeiter zu finden, ist sehr schwierig.» Dem kann Fritz Krieg, Partner bei BMG Engineering in Schlieren, nur zustimmen: «Hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden, wird für uns immer wieder mal zum Problem.» Doch beklagen will sich Krieg, der schon seit 1997 beim Betrieb dabei ist, nicht. Denn: «Unserer Firma geht es sehr gut. Es gibt uns nun seit 20 Jahren und wir hatten 20 gute, sehr gute oder ausgezeichnete Jahre», sagt Krieg.

Keine Zeit mehr für ein Feierabendbier

Besonders gut läuft es seit zwei Jahren: «Wir haben so viel Arbeit, dass ich seit Sommer 2007 kaum je noch Zeit hatte, mit meinen Mitarbeitern ein Feierabendbier zu trinken. Wir hatten ein phänomenales 2007, im 2008 ging es genau gleich weiter und 2009 reihte sich nahtlos an.» Auch für das Jahr 2010 sehe es bereits gut aus.

BMG Engineering ist im Umweltbereich tätig und bietet Dienstleistungen von Energiemanagement über Laboranalysen bis zu Altlastenuntersuchungen an. Ein zukunftsträchtiger Markt, wie Krieg sagt: «Ökologie ist ein ganz wichtiges Thema, aber sie darf nicht losgelöst von anderen Themen angeschaut werden. Hier versuchen wir einen sinnvollen Weg zu finden.» Die Nähe zur Privatwirtschaft biete dabei einen grossen Vorteil.

Doch Kriegs eigentliches Erfolgsrezept klingt einfach: «Das Allerwichtigste ist für unsere Firma die Nähe zum Kunden. Das ist das Wesentliche, das A und O.» Daneben achte der Betrieb nebst einer straffen Organisation auch darauf, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr sorgfältig auszuwählen. Dass die Angestellten essentiell für den Erfolg sind, davon ist auch Hans Streuli, Inhaber und CEO der Ruf Gruppe mit Hauptsitz in Schlieren, überzeugt: «Je besser die Mitarbeiter, desto besser die Firma.»

Die Ruf Gruppe ist über das letzte Jahr 13 Prozent gewachsen, wie Streuli sagt - und auch für das nächste Jahr sieht es gut aus: «Wir rechnen mit weiteren 10 Prozent Wachstum.» Dies liegt einerseits daran, dass der Betrieb in Bereichen tätig ist, die Streuli als Zukunftsmärkte bezeichnet: Informatik-Gesamtlösungen für öffentliche Verwaltungen, Kundeninformationssysteme und Videoüberwachungen im öffentlichen Verkehr und so genannte «Digital Signage Systems» für Gebäude.

Anderseits achtet Streuli «enorm auf Innovation und Kreativität», wie er sagt. Dafür sei die Schweiz ein «irrsinnig gutes Land, sogar eines der Besten.» Und: Er lasse heute alles in der Schweiz und in Deutschland produzieren. Denn: «In unserem Bereich verdient man das Geld mit der Geschwindigkeit. Und wenn man durch Produktion in anderen Erdteilen Kosten sparen will, verliert man an Geschwindigkeit.»