Die letzten Vorbereitungen der Anklageerhebungen seien im Gange, erklärte die BA und bestätigte damit einen Bericht von "Tages-Anzeiger" und "Bund". Die beiden Zeitungen hatten am Montag berichtet, die BA hoffe, noch vor Ende Jahr Anklage erheben zu können gegen einen pensionierten und einen noch aktiven Gazprom-Manager sowie gegen zwei weitere russischstämmige Verdächtige.

Letztere hätten für drei Industriekonzerne - ABB, Alstom und Siemens - ein Schmiergeldsystem eingerichtet und den beiden Gazprom-Managern mehrere Millionen Dollar zukommen lassen. Für die vier Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung. Diese haben sich laut den beiden Zeitungen bereits mehrfach vergeblich wegen des Verfahrens ans Bundesstrafgericht gewandt.

Männer mit Macht bei Gazprom

Gemäss den Zeitungen soll einer der Verdächtigen von 1991 bis zu seiner Pensionierung 2008 in der Geschäftsleitung von Gazprom gesessen haben. Der zweite verdächtigte Gazprom-Manager habe weiterhin eine hohe Stellung innerhalb des russischen Konzerns inne.

Der mutmassliche Korruptionsfall geht weit zurück, wie einer Mitteilung der BA vom November vergangenen Jahres zu entnehmen ist. Ursprünglich hatte die BA die Hintergründe an eine vom deutschen Siemens-Konzern im Jahr 2003 übernommene schwedische Gesellschaft für die Lieferung von Gasturbinen beim Bau einer russischen Pipeline untersucht.

Die Yamal-Pipeline führt von den Gasfeldern auf der Halbinsel Yamal in Sibirien bis nach Deutschland. Im Rahmen des "vom grössten russischen Erdgasförderunternehmen" initiierten Projekts seien Bestechungsgelder von der schwedischen "Siemens Industrial Turbomachinery" (SIT) an hochrangige Mitarbeiter des russischen Staatskonzerns geflossen, erklärte die BA damals.

Die Schmiergeldzahlungen waren demnach zwischen 2004 und 2006 geflossen und schliesslich auf Bankverbindungen der beiden Gazprom-Manager in der Schweiz gelandet.

Korruption überstand mehrere Besitzerwechsel

Die Untersuchung gegen Siemens wurde schliesslich eingestellt, nachdem Siemens Fehler eingestanden hatte und die SIT ihre Gewinne in Höhe von 10,6 Millionen Dollar aus dem Geschäft ablieferte.

Bevor die spätere SIT zu Siemens gehörte, war sie gemäss "Tages-Anzeiger" und "Bund" Teil des schwedisch-schweizerischen ABB-Konzerns. Später ging die Firma dann an den französischen Alstom-Konzern über und schliesslich an Siemens. Die Korruptionsstrukturen hätten über all diese Besitzwechsel hinweg fortbestanden, schrieben die Zeitungen.