Mobilkommunikation

Generation LTE: Jetzt zünden Orange und Sunrise den Datenturbo

Nur der Himmel setzt das Limit: Mobilkommunikationsmast. KEYSTONE

Nur der Himmel setzt das Limit: Mobilkommunikationsmast. KEYSTONE

Orange und Sunrise stehen vor dem Start ihrer Mobilnetze der vierten Generation. Und das von Swisscom läuft noch schneller. Reine Marketingstrategie?

Nächsten Dienstag wird Orange, der drittgrösste Mobilnetzbetreiber der Schweiz, den Start des Mobilnetzes der vierten Generation (LTE) in zehn Schweizer Städten ankündigen. Ergänzend wird das Unternehmen über den Geschäftsgang im ersten Quartal berichten. «Wir halten den Fahrplan ein, den wir bereits im letzten Herbst angekündigt hatten», sagte eine Sprecherin.

Auch Sunrise startet bald

Ebenfalls ab Juni werden auch die Mobilkunden von Sunrise, der Nummer zwei auf dem Schweizer Markt, mobil mit LTE-Geschwindigkeit auf das Internet zugreifen können, wie das Unternehmen auf Anfrage bestätigte: «Überall dort, wo das LTE-Netz verfügbar ist, surfen Kunden der neuen Sunrise ohne Aufpreis mit bis zu 100 Megabits pro Sekunde.»

Nach den Tests soll im Laufe des Jahres das Netz in den Städten Zürich, Basel, Genf, Lausanne, Bern, Luzern, Lugano, Winterthur, Thun, Nyon, Vevey, Sion und Baden sowie die Skigebiete Verbier, Zermatt, Saas-Fee, Flims, Laax und St. Moritz in Betrieb genommen werden. Kunden, die bestimmte Abonnements noch in diesem Jahr abschliessen, «können das LTE-Netz von Sunrise ein Leben lang ohne jede monatliche Beschränkung unlimitiert nutzen», heisst es von Sunrise weiter.

Wessen Leben hier gemeint ist, ist offen. Denn finanziell kämpfen Sunrise und Orange ums Überleben. Beide gehören Private-Equity-Investoren und die neuen Eigner haben die Verschuldung beider Firmen bis an die Grenze der finanziellen Tragbarkeit erhöht.

Das funktioniert nur, solange der Markt wächst. Der Telekommarkt in der Schweiz ist indes reif und die Nummer eins, Swisscom, bedrängt die anderen Betreiber seit letztem Sommer mit einer aggressiven Flat-Rate-Strategie. Das zeigt sich in den Zahlen. Sunrise hatte letzten Donnerstag einen Umsatzrückgang um 4,5 Prozent auf 487 Millionen Franken gemeldet. Der Schwund schlug auch auf den Gewinn durch. Es blieb ein Betriebsgewinn (Ebitda) von 141 Millionen Franken übrig. Aufgrund höherer Abschreibungen resultierte ein Reinverlust von über 28 Millionen Franken.

Analysten erwarten auch bei Orange einen Rückgang des Gewinns im ersten Quartal. Offen ist, ob der Besitzer, die private Equity-Firma Apax die Abschreibungen so optimiert, dass Orange keine Gewinnsteuern in der Schweiz mehr entrichten muss. Apax selber braucht deshalb nicht zu darben: Über spezielle Anleihe-Emissionen wurde bereits im letzten Jahr Geld aus der Orange-Substanz entnommen.

Swisscom steigert Datentempo

Kurz vor dem Start der zwei kleineren Konkurrenten meldete Swisscom eine Erhöhung der Übertragungsgeschwindigkeit auf dem eigenen, seit letztem Dezember laufenden LTE-Netz.

Ein Guerilla-Marketingmanöver, wie in der Branche gemutmasst wird? «Es wäre sicherlich falsch, einen Zusammenhang zu leugnen, einfach weil jeder Anbieter sich auf diesem umstrittenen Markt positionieren will», erklärte ein Swisscom-Sprecher mit dialektischer Feinheit, «aber es wäre auch falsch, den Umkehrschluss zu machen und daraus abzuleiten, dass dieser Schritt nur kurzfristig taktischer Natur wäre, um auf Ankündigungen von Mittbewerbern zu reagieren.»

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