Bald sollen wir selber entscheiden können, bei welchem Elektrizitätswerk wir unseren Strom kaufen. Das will der Bundesrat. Doch was zahlen wir eigentlich alles, wenn wir unsere Stromrechnung begleichen? Und was genau soll liberalisiert werden? Wir entschlüsseln Ihre Stromrechnung und geben einen Überblick über die Zusammensetzung.

1. Wie setzt sich unsere Stromrechnung zusammen?

Für eine Kilowattstunde Strom bezahlt ein normaler Schweizer Haushalt im Moment durchschnittlich 21,2 Rappen. Damit kann man rund sieben Stunden lang fernsehen. In diesem Gesamtpreis sind drei unterschiedliche Kosten enthalten: Der eigentliche Strom kostet gerade mal 39 Prozent. Die Kosten für die Übertragung des Stroms machen mit 46 Prozent den Löwenanteil aus. 15 Prozent des Endpreises betragen die Abgaben an Bund, Kantone und Gemeinden.

2. Wovon hängt der Preis für den eigentlichen Strom ab?

Der Preis für den eigentlichen Strom hängt davon ab, ob der Energieversorger den Strom selber produziert respektive Beteiligungen an Kraftwerken hat. Auch ein Faktor ist, ob er langfristige Bezugsverträge hat oder an der Börse einkauft. Des Weiteren unterscheiden manche lokale Elektrizitätswerke zwischen verschiedenen Stromarten. Wer Solarstrom will, zahlt mehr. Wer mit Kohle- und Atomstrom zufrieden ist, kommt günstiger weg.

3. Was zahlen wir für die Übertragung des Stroms?

Das Übertragungsnetz mit den Hochspannungsleitungen gehört mit einer Länge von 6700 Kilometern der Firma Swissgrid. Sie ist im Besitz von 21 Schweizer Elektrizitätsunternehmen und steht – wie auch die Schweizer Verteilnetzbetreiber – unter Aufsicht der Eidg. Elektrizitätskommission ElCom. Die Feinverteilungsnetze gehören rund 700 Elektrizitätsunternehmen der Schweiz, welche wiederum mehrheitlich der öffentlichen Hand gehören. Im Preis für die Übertragung sind neben den eigentlichen Stromkabeln auch deren Wartung und weitere Dienstleistungen enthalten. Ein Teil der Kosten wird auch dafür gebraucht, dass das Netz jederzeit stabil läuft.

4. Woraus bestehen die Abgaben an den Bund?

Die Bundesabgaben sind für alle gleich hoch. Für die Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) bezahlt man pro Kilowattstunde Strom ab dem Jahr 2015 einen Rappen. Mit diesem Geld subventioniert der Bund die Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind. Für Gewässerschutzmassnahmen kommen pro Kilowattstunde 0,1 Rappen hinzu. Nicht zu vergessen ist die Mehrwertsteuer. Der Satz beträgt beim Strom acht Prozent und ist im Endpreis enthalten.

5. Erheben auch Kantone und Gemeinden eine Abgabe?

Das kommt auf den Kanton und die Gemeinde an. Der Kanton Schaffhausen zum Beispiel verlangt keine zusätzlichen Stromabgaben, während man im Kanton Aargau ungefähr fünf Rappen und in Basel-Stadt sogar rund sieben Rappen pro Kilowattstunde hinblättert. Im Schweizer Durchschnitt beträgt diese Abgabe rund einen Rappen. Auch Gemeinden dürfen solche Gebühren erheben. Die Abgabe unterscheidet sich aber von Gemeinde zu Gemeinde. Grund für diese Abgaben ist unter anderem die Sondernutzung des öffentlichen Grundes oder die Verlegung von Leitungen.

6. Das tönt alles recht kompliziert. Wie viel zahle ich denn nun konkret in meiner Gemeinde für den Strom?

Auf der Internetseite der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom können Sie einsehen, wie sich der Strompreis in Ihrer Gemeinde ganz konkret zusammensetzt. Weitere Daten zu den kantonal unterschiedlichen Abgaben finden Sie Hier.