Gault Millau
Handwerker sind pleite wegen Gault Millaus «Hotel des Jahres»

Das Park Hotel in Vitznau wurde gestern von Gault Millau zum «Hotel des Jahres 2014» ernannt. Weniger schön: Es hat noch immer Rechnungen nicht bezahlt.

Roman Seiler
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Seit gestern «Hotel des Jahres 2014»: Das Park Hotel in Vitznau. keystone

Seit gestern «Hotel des Jahres 2014»: Das Park Hotel in Vitznau. keystone

Der Österreicher Peter Pühringer (72) schenkte seiner Wohngemeinde fünf Millionen Franken. Im Gegenzug senkte Vitznau SZ die Steuern. Er kann es sich auch leisten, den Dorfarzt zu finanzieren. Laut dem Wirtschaftsmagazin «Bilanz» besitzt der Österreicher mehr als 400 Millionen Franken. Der gelernte Bauingenieur ist heute als Vermögensverwalter und Fondsmanager tätig. In Wien gehört ihm das zum Hotel umgebaute Palais Coburg, einst Wohnsitz von Prinz Ferdinand von Sachsen-Coburg.

Weine für 26 Millionen im Keller

Seit gestern ist Pühringer gar stolzer Besitzer des «Hotels des Jahres 2014». Den Ehrentitel verleiht die Fressbibel «Gault Millau». Übernommen hat der Österreicher das Luxushotel 2009 von den Erben des deutschen Puddingkönigs Rudolf-August Oetker. Insgesamt 270 Mio. Fr. steckte Pühringer in die im Frühjahr 2013 eröffnete «Health &
Wealth Residence» mit eigener Rehaklinik. Die 47 Suiten kosten zwischen 700 und 4900 Franken pro Nacht. Zwei von «Gault Millau» mit 17 respektive 16 Punkten dekorierte Köche leistet sich der Betrieb. Obendrein lagern im Weinkeller 30 000 Flaschen im Wert von 26 Millionen Franken, wie «Gault Millau»-Chefredaktor Urs Heller in der «Schweizer Illustrierten» schwärmt.

Peter Pühringer vom Park Hotel Vitznau.

Peter Pühringer vom Park Hotel Vitznau.

Pühringer rührte also mit der ganz grossen Kelle an, um sein Haus herauszuputzen. Und er will in Vitznau weiter investieren: Mehr als 100 Mio. Fr. soll der Bau eines 4-Sterne-Hotels mit Konzertsaal sowie mehreren Villen kosten. Doch das Projekt liegt wegen Einsprachen von Anwohner und Umweltorganisationen auf Eis.

Was bei all dem Glamour vergessen ging: Wie der «SonntagsBlick» im Juni 2013 berichtet hat, sitzen mehrere Handwerker noch immer auf offenen Rechnungen. Ein Sprecher der Park Hotel AG bestätigt, dass noch «weniger als drei Prozent der Investitionssumme» nicht bezahlt worden sind: «Die meisten dieser Forderungen sind bestritten.» Klagen sind hängig.

Für die Betroffenen ist das mehr als bitter. Ein Handwerker hat ein paar zehntausend Franken einfach abgeschrieben, wie er sagte. Er mag nicht mehr weiterstreiten. Aber sein Unternehmen gibt es noch.

Handwerker verloren alles

Zwei Handwerksunternehmen gingen in Konkurs. Enrico Schrepfer, einst Chef eines Sanitär- und Heizungsbetriebs, sagte gestern der «Nordwestschweiz», die Park Hotel AG schulde ihm 1,7 Mio. Fr. «Das hat mich meine Existenz gekostet.» Er musste wegen der Ausstände Privatkonkurs anmelden: «Ich verlor mein Haus und meine Altersvorsorge.»