Führende Anbieter im Schweizer Geschäft mit mobilen Bezahlsystemen erhielten in den vergangenen Tagen unangemeldeten Besuch von der Kartellbehörde. Bei UBS, Credit Suisse, Postfinance, Aduno und Swisscard seien Hausdurchsuchungen vorgenommen worden, gab die Wettbewerbskommission am Donnerstag bekannt. Die Firmen stehen unter Verdacht, die mobilen Bezahllösungen internationaler Anbieter wie Apple Pay und Samsung Pay zu boykottieren. Die Banken könnten sich widerrechtlich abgesprochen haben, indem sie ihre Kreditkarten nicht für die Benutzung durch Konkurrenzanbieter freigeben, um so die eigene Lösung «Twint» zu bevorzugen.

Marktbeobachter erwarteten die Untersuchung schon seit längerem. Dass die beiden Technologiegiganten mit ihren mobilen Bezahlsystemen in der Schweiz nicht auf Touren kommen, ist kein Geheimnis. Apple war vor über zwei Jahren in den Schweizer Markt eingetreten. Unterstützt wird deren System aber erst von fünf Kartenanbietern im Land. Offenbar hat ein Marktteilnehmer nun Anzeige erstattet und den Behörden brauchbare Hinweise gegeben, die als Grundlage für die Eröffnung einer kartellrechtlichen Untersuchung ausreichen.

Twint soll sich endlich auszahlen

Die verdächtigen Parteien wehrten sich postwendend. «Wir sind überrascht über diese Untersuchung und überzeugt, dass sich die Vorwürfe als unbegründet erweisen», erklärte etwa die Credit Suisse. Via Swisscard biete man den Konsumenten in der Schweiz schon heute Zugang zu Apple Pay und Samsung Pay. Zudem stehe man mit Apple, Samsung und Google schon seit mehreren Monaten im Gespräch über eine mögliche Einführung ihrer Zahlungslösungen für die eigenen Kunden.

Doch diese Argumente ziehen nur auf den ersten Blick. Swisscard, ein Gemeinschaftsunternehmen von Credit Suisse und American Express, besitzt nach eigenen Angaben einen Anteil am Schweizer Kreditkartenmarkt von 28 Prozent. Diese starke Marktstellung kommt in der schwachen Wettbewerbsposition von Apple Pay und Samsung Pay offensichtlich nicht zum Ausdruck. Auch der Umstand, dass die Bank mit ihren Konkurrenten Verhandlungen führt, ist kein Beleg dafür, dass sich die Parteien näherkommen.

In Marktkreisen ist eher das Gegenteil zu hören. Apple Pay und Samsung Pay sollen bis zu 30 Prozent vom Kommissionsertrag der Kartenanbieter einfordern, wird gemunkelt. Zudem verlangten die Technologiefirmen von den Banken erhebliche Investitionen in das Marketing.
Die Vermutung, dass den Banken die eigene Lösung Twint aus betriebswirtschaftlichen Gründen weit näher steht, liegt auf der Hand. Die von Twint generierten Erträge fliessen in vollem Umfang an diese zurück und tragen zur Amortisation der Aufbaukosten von bisher schätzungsweise weit über 200 Millionen Franken bei.

Doch die Banken haben auch ein strategisches Interesse, ihrem eigenen System Vorsprung zu verschaffen. Im Geschäft mit mobilen Bezahlsystemen gibt es so etwas wie eine The-winner-takes-it-all-Logik. Fachleute gehen davon aus, dass die Konsumenten auf ihren Smartphones am Ende höchsten für zwei oder maximal drei Bezahllösungen Platz schaffen werden. Wer in diesem Rennen nicht frühzeitig dabei ist, droht ganz auszuscheiden.

Auch Apple schützt sich

Und dieses Rennen hat erst begonnen. In der Schweiz werden derzeit erst etwas mehr als 0,5 Prozent der Zahlungen über eine Smartphone App getätigt, heisst es in der Mobile-Payment-Studie Schweiz 2018 des Instituts für Finanzdienstleistungen Zug. Nach seiner Schätzung könnte die Zahl der Transaktionen bis im Jahr 2020 auf monatlich 2,5 bis 3 Millionen steigen, was einem Marktanteil von rund 2 Prozent entspräche.

Wenig überraschend nutzt Apple die eigene Marktmacht, um sich seinerseits gegen die Konkurrenz der Banken abzuschotten. Die Wettbewerbskommission prüft jedenfalls auch Vorwürfe gegen den Handyhersteller. Apple soll der Konkurrenz an den Kassen den Zugang zur NFC-Technologie verweigern. Damit zwinge man diese zur Verwendung anderer Technologien.