Eines scheint ziemlich sicher: Die klassische Industrie wird künftig weniger Arbeitskräfte brauchen. Dies geht aus den neusten Wirtschaftsprognosen hervor, die Credit Suisse (CS) am Dienstag vorlegte.

Dank Produktivitätsfortschritten wird der Industrie-Anteil an der Bruttowertschöpfung beziehungsweise am Bruttosozialprodukt allerdings weniger abnehmen: Die verbliebenen Mitarbeiter der Industrie werden immer mehr produzieren pro Zeiteinheit – technischer Fortschritt solls richten.

Grenzen der Effizienzsteigerung

Die Hochpreisinsel Schweiz fordert ihren Tribut. Arbeitsleistung wird durch Kapitaleinsatz – Maschinen und Technologie – ersetzt. Dieser langfristige Trend wurde in den letzten Jahren zwar leicht gebremst.

Seit der Einführung der Personenfreizügigkeit im Jahr 2002 produziert die Schweizer Wirtschaft wieder «arbeitsintensiver» – das heisst, dass sich die Substitution des Produktionsfaktors «Arbeit» durch den Produktionsfaktor «Kapital» etwas verlangsamt hat.

Umso härter schlägt ein anderer Produktivitätstreiber durch, der den Umbau der Wirtschaft vorantreibt: der harte Franken. Nach mehrere Aufwertungen der Währung hat die Schweiz schon viele Massnahmen zur Steigerung der Produktivität hinter sich.

In der Gastronomie und im Tourismus ist hier die Zitrone so gut wie ausgepresst; man arbeitet auf dem personellen Minimum, auf Kurzarbeit wird kaum noch zurückgegriffen. Wendet sich dieses Blatt nicht zum Besseren, dürfte es hier nächstes Jahr zu Entlassungen kommen, orakelt CS.

Mit einem Kurs von 1.24 Franken/Euro könne nur die Finanzbranche leben. Die Industrie bräuchte laut CS 1.32, der Touris sogar 1.40 Franken pro Euro.

Eine natürliche Grenze des Wirtschaftswachstums ist dagegen die demografische Entwicklung: Durch die Alterung der Bevölkerung sinkt nämlich die Erwerbsquote.

Die CS geht daher von aus, dass das maximal mögliche Wachstum der Schweizer Wirtschaft (Potenzialwachstum) langsam abnehmen wird. Der Niedergang werde umso schwächer ausfallen, je mehr es gelinge, den Anteil von Frauen und älteren Menschen am Produktionsprozess zu erhöhen.

Einwanderung stützt Konsum

Die Annahme der Einwanderungsinitiative im Februar 2014 hat dieses Problem allerdings noch verschärft, denn die geringere Einwanderung schmälert das Potenzial. Für einen grösseren Anstieg der Unsicherheit als die Annahme der Initiative hat gemäss der CS nur noch der SNB-Entscheid im Januar gebracht, den Euromindestkurs von 1.20 Franken/Euro fallen zu lassen.

Für dieses und nächstes Jahr muss von einem zwar langsamen, aber steten Anstieg der Arbeitslosenquote ausgegangen werden, Ende 2016 dürfte sie bei 3,9 Prozent liegen.

Den Konsum dürfte dies kaum beeinflussen, da die Einwanderung mehr als 25 Prozent des Konsumwachstums ausmacht – nach Berechnung von CS ein Mehrverbrauch von rund einer Milliarde Franken pro Jahr.

Unterstützt wird der Konsum zudem von den tiefen Zinsen und dem starken Franken, der Produkte mit Importanteilen billiger macht. Die Einsparungen durch die tiefen Hypozinsen belaufen sich pro Jahr mittlerweile auf mehr als den Wert eines Kleinwagens.

Die gute Nachricht: Bis 2030 gibt es 250 000 neue Stellen. Sie stammen aber vorab aus dem Gesundheits- und Sozialwesen. Einem eher staatsnahen und nicht unbedingt für Dynamik bekannten Sektor.

Hoffen auf Sozialwesen

Zum Vergleich: In der Versicherungsindustrie stammt der Grossteil der Wertschöpfung seit Jahren von Produktivitätsgewinnen, im Gesundheitswesen dagegen nach wie vor praktisch nur aus Stellenwachstum. Die Schweizer Grossbank geht aber davon aus, dass auch die Berufe im gesundheits- und Sozialbereich hier zunehmend mit Fortschritten aufwerten werden. Wie, sei derzeit allerdings noch nicht abzusehen.