Seit rund drei Wochen sind in der Schweiz Mehlwürmer, Grillen und Wanderheuschrecken als Lebensmittel zugelassen. Detailhändler Coop hatte angekündigt, diesen Frühling unter anderem Burger und Hackbällchen auf Insektenbasis ins Sortiment aufzunehmen. Doch wer einen knackigen Grillenburger oder saftige Mehlwurm-Hackbällchen probieren möchte, muss sich noch gedulden. Denn aktuell sind in der ganzen Schweiz keine zum Verzehr geeigneten Insekten verfügbar, weder aus dem In- noch aus dem Ausland.

Verarbeiter Essento wartet und wartet

Das Problem liegt in der Bürokratie: Seit dem 1. Mai 2017 können Insektenzuchtbetriebe eine Zulassung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) erhalten. Die Firma Essento aus Winterthur hat sich auf Lebensmittel auf Insektenbasis spezialisiert und würde die Burger und Fleichbällchen für Coop produzieren. Aber ihnen mangelt es an Insekten. «Aktuell fehlen den Schweizer Züchtern noch die nötigen Bewilligungen», schreibt Essento auf Anfrage. «Denn für den Aufbau und die Bewilligung der Insektenzucht für Speisezwecke ist eine mehrwöchige Vorlaufzeit notwendig.»

Würmer und Maden bald kulinarische Hochflieger?

Seit 1. Mai sind Insekten als Kochzutat erlaubt. Sie tragen zur gesunden Ernährung bei und belasten die Umwelt weniger. Aber schmecken sie auch? Ein Versuch.

Keine Kontrolle, kein Import

Auf Insekten aus dem Ausland kann die Firma auch nicht zugreifen. Diese bleiben am Zoll hängen - und verenden dort. Denn für den Import von Insekten müssen gemäss Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen zwei Bedingungen erfüllt sein: Sie müssen die lebensmittelrechtlichen Anforderungen der Schweizer Gesetzgebung erfüllen und sie müssen aus einem Betrieb stammen, der von der Lebensmittelbehörde im Exportland kontrolliert wurde.

EU kontrolliert nicht

Genau das ist das grösste Problem: In der EU sind Insekten bis jetzt nicht als Lebensmittel zugelassen. Eine Ausnahme bilden einige wenige Länder wie die Niederlande und Belgien. Ergo, es wird im EU-Raum auch nicht staatlich kontrolliert. 

Sind die Insekten gesundheitlich unbedenklich?

Das ist ein grosses Problem für die Schweizer Insektenverarbeiter wie Essento. Stefan Kunfermann, Mediensprecher des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen erklärt: «Das BLV schafft die rechtlichen Grundlagen als Voraussetzung für sichere Lebensmittel. Die Unternehmen im Ausland sind selber für sichere Lebensmittel verantwortlich, es gilt die Pflicht der Selbstkontrolle. Sie müssen nachweisen, dass die Lebensmittel, die in die Schweiz importiert werden, gesundheitlich unbedenklich und zum Verzehr geeignet sind.»

Das Problem ist also: «Ohne eine Bestätigung der Behörden im Exportland sind die Importbedingungen nicht erfüllt», so Kunfermann. Die Insekten dürfen folglich nicht in die Schweiz importiert werden. 

Ab wann es Insekten als Lebensmittel in der Schweiz geben wird, ist noch unklar. Essento und Coop stehen laut eigenen Angaben in den Startlöchern.