So haben die dortigen Finanzbehörden ihre Untersuchungen zum Insiderhandel an der Tokioter Börse auf mehrere westliche Grossbanken ausgedehnt. Darunter befindet sich nebst Goldman Sachs und Deutscher Bank auch die UBS, wie die «New York Times» in ihrer Sonntagsausgabe berichtet.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen umstrittene Termingeschäfte. Dies jeweils im Vorfeld von Aktienkapitalerhöhungen. Dabei geht es um Wetten auf fallende Aktienkurse, sogenanntes «short selling». Solche Bassier-Positionen soll auch die UBS – sehr wahrscheinlich im Kundenauftrag – auf Papiere der Nippon Sheet Glass Group aufgebaut haben. Und zwar Anfang August 2010 und damit nur wenige Wochen bevor die NSG Group – einer der weltgrössten Glashersteller – zusätzliche Aktien im Wert von 500 Millionen Dollar ausgab. Die UBS war zwar an der Emission nicht beteiligt. Aber im Zuge einer solchen Aktienkapitalerhöhung kommt es zu Verwässerungseffekten, die den Wert der Aktien mindern. Entsprechend resultieren erhebliche Kursverluste.

Dabei zeigen die «short selling»-Daten der Tokioter Börse, dass die Grossbank vor besagtem August 2010 innert Jahresfrist keine Bassier-Positionen auf NSG-Group-Aktien eingegangen war. Der Vorwurf des Insiderhandels steht somit im Raum. Die UBS wollte gestern auf Anfrage der az keine Stellung nehmen zur laufenden Untersuchung.

Rücksichtsloses Profitstreben

Tsutomu Okubo leitet den «financial affairs»-Ausschuss bei der Demokratischen Partei Japans DPJ und hat die Untersuchung ins Rollen gebracht, indem er diverse «short selling»-Daten an die japanische Börsenaufsicht weitergereicht hat. Für den ehemaligen Managing Director bei Morgan Stanley ist klar: «Das rücksichtslose und kurzfristig orientierte Profitstreben einer Handvoll Akteure zerstört den Ruf und Wert des gesamten Marktes», wie er gegenüber der «NYT» betont.

Nebst der UBS ist auch die US-Investmentbank Goldman Sachs auf den Radar der japanischen Börsenaufsicht geraten. So sollen Goldman-Kunden auf fallende Kurse der All Nippon Airways gewettet haben. Dies nur einen Tag bevor die Airline Aktien in der Höhe von 2,6 Milliarden Dollar ausgab. Pikantes Detail: Goldman Sachs war zusammen mit der japanischen Nomura Bank an der Aktienemission für All Nippon Airways beteiligt. Goldman Sachs bestätigt gegenüber der «NYT», dass man für Kunden Terminhandel betrieben habe.

Gegenüber Nomura – der grössten Investment-Bank des Landes – hat die Börsenaufsicht bereits einen Verweis erlassen wegen der Weitergabe von Informationen an Kunden bei anstehenden Aktienkapital-Erhöhungen. Zwei Führungskräfte der Bank sind bereits im Vorfeld zurückgetreten. Dies, nachdem sie zugegeben hatten, in drei Fällen Fondskunden über anstehende «stock offerings» informiert zu haben. Rechtsanwalt Nobutoshi Yamanouchi betont, wie wichtig die Sanktionen gegen Nomura seien: «Der japanische Regulator muss klarmachen, dass die heimischen Märkte für alle Anleger attraktiv sind und nicht nur für ein paar Insider.»