«Freedom» lautet die Devise bei Sunrise: Der Mobilfunkanbieter hat die Mindestvertragsdauer fallen gelassen. Die Freiheit bei den neuen Abos wie etwa dem «Freedom start» besteht darin, dass man das Abo auf Ende jedes Monates künden und zu einem anderen Anbieter wechseln kann.

Der ganz grosse Vorteil des neuen Abo-Regimes: Es macht mit einer alten Unsitte der Telekomkonzerne Schluss. Mit einer Unart, für die Kunden teuer bezahlen mussten. Dabei geht es um die Abonnements, mit denen die Konsumenten neue Geräte zum Spottpreis von einem Franken oder manchmal sogar gratis beziehen können.

In diesem Fall werden die Anschaffungskosten für die Geräte auf die Mindestvertragsdauer verteilt. Das heisst: Wer eine Mindestdauer von 12 Monaten abgemacht hat, der zahlt in dieser Zeit auch den Preis für das Gerät zurück. Bei einer Mindestvertragsdauer von 24 Monaten wird der Anschaffungspreis auf zwei Jahre ausgedehnt.

Wichtig für den Kunden oder die Kundin: Nach dieser Zeit hat er oder sie die Kosten für das Gerät zurückbezahlt. Doch viele Kunden vergessen nach Ablauf der Minimalzeit, den Vertrag zu ändern, und sie bezahlen weiterhin die Raten für die Finanzierung des einst bezogenen Gerätes.

Kunden werden geschröpft

«Kunden, die nach Ablauf der Vertragsdauer kein neues Gerät holen, werden von den Telekomunternehmen richtiggehend geschröpft», sagt Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis.ch. Genaue Zahlen gibt es nicht. Beyeler schätzt, dass 20 bis 25 Prozent der Schweizer Mobilfunk-Kunden zu viel für ihre subventionierten Geräte bezahlen.

Auch Oliver Zadori, Geschäftsführer des Vergleichsdienstes Dschungelkompass.ch, glaubt, dass viele Kunden ihre Geräte viel zu lange zurückbezahlen. «Die Schweiz ist wechselfaul, und man muss davon ausgehen, dass viele Handybenutzer ihre Verträge nach Ablauf der Mindestvertragsdauer nicht kündigen», sagt Zadori.

Seine Berechnungen zeigen, dass diese Unsitte schnell ins Geld gehen kann. Zum Beispiel beim Abo für das in der Schweiz beliebte iPhone 5s mit 16 Gigabyte Speicherkapazität. Gemäss Zadori zahlt man als Wenignutzer bei Sunrise pro Monat 69.50 Franken. Nach 24 Monaten ist das Gerät zurückbezahlt und die monatlichen Kosten betragen noch 38.50, also noch knapp die Hälfte. Diese Reduktion kommt nach Ablauf der 24 Monate automatisch. Weil der Kunde neuerdings für den Gerätebezug einen separaten Vertrag unterzeichnet. Früher dagegen hätte der Kunde, der nach Ablauf der 24 Monate nicht intervenierte, weiterhin 69.50 Franken bezahlt.

Die Konkurrenz frotzelt derweilen hinter vorgehaltener Hand, dass die neue Freiheit nur eine Scheinfreiheit sei. Denn wenn man bei Sunrise weiterhin ein neues Gerät beziehen will, muss man sich im dafür abgeschlossenen Abzahlungsvertrag auch für eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten verpflichten.

Gemäss der neuen Abo-Philosophie kann man auch vorher aussteigen. Doch dann muss der Kunde die noch nicht bezahlten Ratenzahlungen auf einen Schlag begleichen. Wer sich das nicht leisten kann, ist weiterhin an eine Vertragsdauer von 24 Monaten gebunden.

Angriff auf Swisscom

Wie auch immer: Aus Sicht von Sunrise lässt sich das neue Regime auch als Versuch interpretieren, endlich die Vormachtstellung von Lokalmatador Swisscom zu brechen. Dieser hat im helvetischen Mobilfunk seit Jahren einen Marktanteil von rund 60 Prozent. Den Rest teilen sich Sunrise und Orange mehr oder weniger paritätisch auf. Die «Freedom»-Botschaft von Sunrise an Swisscomkunden lautet: «Testet uns. Wenn ihr nicht zufrieden seid, könnt ihr ja nach einem Monat wieder zu Swisscom zurückwechseln.»

Ob diese Strategie aufgeht, darf bezweifelt werden. Swisscomkunden gelten jedenfalls nicht gerade als ausgesprochen preissensitiv.