Grundversicherung

Krankenkassenverband warnt vor starkem Kostenanstieg – nicht alle Versicherer sind so pessimistisch

Der Krankenkassenverband Santésuisse rechnet für das laufende und kommende Jahr mit einem Kostenwachstum von jeweils drei Prozent. (Archivbild)

Der Krankenkassenverband Santésuisse rechnet für das laufende und kommende Jahr mit einem Kostenwachstum von jeweils drei Prozent. (Archivbild)

Die Kosten in der Grundversicherung sollen um 3 Prozent steigen, schätzt Santésuisse. Andere Akteure sind nicht so pessimistisch.

Die Atempause für die Prämienzahler ist vorbei. Dieser Meinung ist zumindest der Krankenkassenverband Santésuisse. In den letzten beiden Jahren sind die Kosten deutlich weniger stark gestiegen als im langjährigen Durchschnitt von rund 3,5 Prozent. Doch damit sei nun Schluss. Sowohl der aktuelle Kostenanstieg als auch die abschätzbare künftige Entwicklung liessen befürchten, dass die Atempause vorbei sei. Santésuisse rechnet mit einem Kostenwachstum von jeweils rund drei Prozent für das laufende und das nächste Jahr.

Für die Beschleunigung sieht Santésuisse mehrere Gründe. So werde die Physiotherapie mehr Kosten verursachen. Einerseits gebe es mehr Therapeuten, andererseits wachse die Zahl der Behandlungen wie bis anhin um sechs Prozent. Ältere Menschen würden vermehrt zu Hause betreut, nicht mehr in Pflegeheimen. Dies führe zu höheren Kosten in der Spitex.

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Weniger düstere Prognosen

Ein weiterer Treiber macht der Kassenverband bei den Labordiagnosen aus. Durch die steigende Zahl dieser Tests sei hier mit einem Wachstum der Kosten von fünf Prozent zu rechnen. Schliesslich würden die Ausgaben für Ärzte wieder steigen. Dank des Eingriffs des Bundesrats in den Ärztetarif Tarmed seien die Kosten bei den ambulanten Spitalbehandlungen zwar 2018 «seit Jahrzehnten erstmals zurückgegangen». Nun drohe auch hier das alte Fahrwasser: Santésuisse rechnet mit einer Kostensteigerung von fünf Prozent im nächsten Jahr. Schliesslich würden auch die Ausgaben für Medikamente weiter steigen.

Nicht alle Krankenversicherer sind jedoch so pessimistisch wie Santésuisse. Die beiden grössten Kassen Helsana und CSS, die mit Curafutura einen zweiten Verband gegründet haben, rechnen mit einem Kostenanstieg von knapp zwei Prozent. Im Gegensatz zu Santésuisse sehen sie weiterhin positive Effekte dank des bundesrätlichen Eingriffs in den Ärztetarif. Zwar äusserte Helsana-Chef Daniel Schmutz Anfang Jahr an einer Medienkonferenz gewisse Zweifel, ob dieser Bremseffekt anhalten werde. «Dank der guten Ausgangslage sollten die Prämien in diesem Jahr im Schnitt aber nicht stärker als um 2 Prozent steigen.» Helsana sieht derzeit keine Anzeichen, dass der Prämienanstieg höher ausfallen wird als damals prognostiziert, wie eine Sprecherin sagt.

Die CSS begründet ihre Prognose mit dem Anstieg der ambulanten Behandlung. Die Spitäler führen viele Eingriffe inzwischen vermehrt so durch, dass der Patient am Morgen eintritt, behandelt wird und am Abend wieder nach Hause gehen kann. Dies ist meist günstiger. Wie die Helsana ist auch die CSS überzeugt, dass die guten Finanzzahlen des letzten Jahres zu einem tieferen Prämienwachstum beitragen werden.

Santésuisse mahnt derweil diverse Gegenmassnahmen an, um das drohende Kostenwachstum von drei Prozent zu bremsen. Dabei wartet der Verband mit altbekannten Rezepten auf, die es jedoch politisch schwer haben werden. So fordert der Verband, dass die Medikamentenpreise jährlich angepasst werden. Derzeit überprüft der Bund die Preise alle drei Jahre. Dank der erfolgreichen Lobby der Pharmaindustrie ist dieses Ansinnen nicht einmal in den politischen Prozess vorgedrungen.

Widerstand ist programmiert

Etwas besser sieht es für das sogenannte Referenzpreissystem aus, dass die Preise der Generika senken will. Denn dieses Vorhaben befindet sich bereits in der politischen Maschinerie. Vereinfacht gesagt will der Bund einen Höchstpreis pro Wirkstoff festlegen. Möchte ein Patient weiterhin das teurere Original, muss er die Differenz künftig selber berappen. Der Widerstand gegen das Vorhaben ist beachtlich. Neben den Generikaherstellern, wehren sich auch Ärzte, Apotheker und die Spitäler dagegen. Ob dieser Widerstand ausreicht, um den Vorschlag zu bodigen, wird sich zeigen.

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