Lebensmittel
Valora schränkt den Lieferdienst «avec now» in mehreren Kantonen ein – und gibt den Zürcher Behörden die Schuld

Die Händlerin Valora stellt ihren Lieferdienst «avec now» teilweise ein. Grund dafür sei ein Entscheid aus dem Kanton Zürich. Der sieht die Sache allerdings etwas anders.

Stefan Ehrbar
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Aus vielen Avec-Filialen darf Valora keine Lieferungen mehr ausführen.

Aus vielen Avec-Filialen darf Valora keine Lieferungen mehr ausführen.

Keystone

«Es herrscht Lieferverbot», teilt der Kioskkonzern Valora diese Woche in einer Mail einigen Kundinnen und Kunden im Kanton Zürich mit. Das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kanton Zürich (AWA) habe dem Dienst «Avec Now», der innert 60 Minuten und für wenige Franken Liefergebühr Lebensmittel aus «Avec»-Filialen in die Haushalte liefert, «einen Strich durch die Rechnung gemacht».

Seit Mittwoch dürfe die Kundschaft nur noch aus einer reduzierten Anzahl von Filialen beliefert werden. Filialen, die an Bahnhöfen gelegen sind, dürften für den Lieferdienst nicht mehr genutzt werden. Deshalb müsse das Servicegebiet eingeschränkt werden, heisst es im Schreiben.

Valora akzeptiert den Entscheid

Valora-Sprecher Martin Zehnder sagt, gemäss dem AWA sei das Anbieten eines Lieferdienstes von einem Standort aus, der sich als Betrieb für Reisende qualifiziere, nicht mehr zulässig. Im Kanton Zürich dürfe Valora für den Lieferdienst deshalb die Avec-Filialen an den Bahnhöfen Zürich-Oerlikon, Küsnacht und Oberwinterthur nicht mehr nutzen.

Valora habe deshalb entschieden, die Stadt Zürich vorerst nur noch von der Avec-Filiale am Hardplatz aus zu beliefern. Die Stadt wird also mit Ausnahme weniger Gebiete wie Affoltern und Leimbach weiterhin von «Avec Now» abgedeckt. Anders sieht es für die Kundinnen und Kunden im früheren Liefergebiet um Küsnacht und Oberwinterthur aus. Für sie ist der Dienst nicht mehr verfügbar.

Laut Amt geht es nur um den Sonntag

Dennoch will sich Valora nicht gegen den Entscheid wehren. Rechtsmittel hat die Kioskgruppe jedenfalls keine ergriffen. Im Gegenteil: Valora hat «im Zug des Entscheids» gar den Lieferdienst auch in Gemeinden in anderen Kantonen eingestellt, wie Zehnder bestätigt.

Die Avec-Läden am Bahnhof Langenthal BE und am Bahnhof Dornach-Arlesheim BL werden ebenfalls nicht mehr für «Avec Now» genutzt. Der Lieferdienst in die von dort aus bedienten Gemeinden in den Kantonen Bern, Basel-Landschaft und Solothurn wurde vor ein paar Wochen eingestellt. Den Entscheid fällte Valora aus eigenen Stücken – möglicherweise, um Konflikten mit den Behörden wie in Zürich vorzubeugen.

Seco steht auf Seite des Kanton

Doch wieso musste Avec den Dienst einstellen? Fabian Boller, Medienbeauftragter vom Amt für Wirtschaft und Arbeit sagt, Lieferdienste wie jener von Valora, aber auch von anderen Marktteilnehmern hätten ihre Lieferdienste anfangs an sieben Tagen die Woche angeboten. Das hätten sie damit begründet, dass die Waren in Geschäften für die Lieferung vorbereitet würden, die sonntags Mitarbeitende beschäftigen dürfen, weil sie an Bahnhöfen oder Flughäfen stehen und von speziell auf diese Orte zugeschnittenen Ausnahmebewilligungen im Arbeitsrecht des Bundes profitieren.

«Diese Rechtsauffassung wird vom Amt nicht geteilt», sagt Boller. Es habe den entsprechenden Läden mitgeteilt, dass es nicht zulässig sei, «mithilfe einer Ausnahmebestimmung die Bewilligungspflicht für Sonntagsarbeit beim Betrieb eines Lieferdienstes zu umgehen». Das decke sich mit der Haltung der Aufsichtsbehörde, des Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco).

Die aktuelle Rechtslage und ihre Auslegung haben allerdings nicht nur Auswirkungen auf den Sonntag, sondern auch auf Werktage. Läden, die in an Bahnhöfen stehen und von den Ausnahmebewilligungen für den Sonntag profitieren, müssen ihr Angebot an Reisende ausrichten. Sobald sie einen Lieferdienst betreiben, tun sie das nicht mehr. Valora musste sich also entscheiden, ob die Läden in den an Bahnhöfen für den Lieferdienst genutzt und nur noch zu den üblichen Öffnungszeiten geöffnet sein sollen oder auch sonntags Waren verkaufen sollen – und hat sich nun für letzteres entschieden.

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