Die Berufung von alt Bundesrat Moritz Leuenberger in den Verwaltungsrat des Bauriesen Implenia schlägt hohe Wellen (az vom 23.11.) Dabei zeigt sich, dass der Wechsel des ehemaligen Infrastrukturministers auf die Teppichetage eines Grosskonzerns kein Einzelfall ist. Ehemalige Spitzenpolitiker würden vermehrt für VR-Mandate angefragt, sagt die Zürcher Headhunterin Doris Aebi. Dies sei Ausdruck einer fortschreitenden Globalisierung: «Für internationale Konzerne ist es zusehends wichtig, die jeweiligen Staatssysteme und politischen Prozesse zu verstehen», sagt Aebi. Politiker im Verwaltungsrat könnten dem operativen Chef als Sparringpartner dienen im Hinblick auf Treffen mit Behördenvertretern: «Die wissen am besten, wie die Verwaltung tickt.» Gerade bei heiklen Verhandlungen könne dies matchentscheidend sein.

Einfluss der Grosskonzerne nimmt zu

Allerdings bestünden Gefahren: «Verwaltungsräte haben die langfristige Steuerung des Unternehmens mitzugestalten und dürfen nicht bloss Türöffner spielen für einzelne Aufträge.» Hier setzt Klaus J. Stöhlker ein grosses Fragezeichen: Politiker im VR müssten erstens Beziehungen pflegen und zweitens Empfehlungen abgeben, wie man Beziehungen pflege, sagt der PR-Berater. Dabei könnten ehemalige Magistraten auf ein breites Netzwerk zurückgreifen: «Damit verfügen alt Bundesräte über deutlich mehr Durchschlagskraft als professionelle Lobbyisten.» Stöhlker ist deshalb überzeugt, dass der Einfluss der Grosskonzerne auf Bundesbern weiter zunehmen wird. Praktisch jeder abtretende Bundesrat strebe heute ein VR-Mandat in einem Grosskonzern an: «Bundesräte sind eben Topmanager und wollen sich weiter in diesen Sphären bewegen.»