Kochen ist nicht jedermanns Sache; ein Rezept finden, mengengerecht einkaufen und dann die Ingredienzen zu einem perfekten Ganzen anrichten. Im Ausland haben sich bereits mehrere Anbieter von sogenannten Foodboxen etabliert. Das Prinzip ist fast immer gleich: Die nötigen Zutaten werden in einer Box zusammengestellt und mit dem Rezept nach Hause geliefert. Hierzulande heissen die Anbieter Hello Fresh, Juts, Kochmal, Farmy oder Gourmetbox.

Nun haben die Detailhändler in der Schweiz das aufstrebende Geschäft entdeckt. Gestern gab der deutsche Discounter Lidl bekannt, ab September solche Foodboxen schweizweit auszuliefern. Bestellt wird online, die Lieferung erfolgt durch die Schweizerische Post. «Die Schweiz ist für Lidl das erste Land, in dem ein solches Angebot lanciert wird», sagt Lidl-Schweiz-Chef Georg Kröll. Sollte es erfolgreich sein, könnte es auch in anderen Lidl-Märkten übernommen werden.

5600 Franken pro Jahr

Für das Projekt wurden in einem Winterthurer Hochhaus Büros bezogen und elf neue Stellen geschaffen. Dort entstehen die neuen Rezepte. Das Verteilzentrum am Hauptsitz in Weinfelden TG übernimmt die Zusammenstellung der Boxen. Das Know-how hatte sich Lidl allerdings zuvor eingekauft mit der der Übernahme des deutschen Start-ups Kochzauber.

Bei den Preisen will der deutsche Händler aggressiv auftreten. Für zwei Personen gibt es einmal pro Woche eine Box mit drei Menüs für total 63 Franken. Das ist günstiger als die Konkurrenz. Die Box mit Fleischmenüs für vier Personen kostet 108 Franken. Wer sich diese ein ganzes Jahr lang zustellen lässt, bezahlt 5600 Franken.

Für die Zutaten greife man in erster Linie auf bestehende Lidl-Lieferanten zurück, sagt Kröll. Ausnahmen würden von den Rezepten abhängen, wenn zum Beispiel abgepackte Kleinstmengen von frischem Thymian oder Fleur de Sel für die Zubereitung nötig ist. Mit wie vielen verkauften Boxen er jährlich rechnet, sagt Kröll nicht.

Während Lidl die Homepage bereits gestartet hat und ab September die Pakete schweizweit ausliefert, geht die Migros zurückhaltender an das Thema heran. Sie gab letzte Woche ein zwölfwöchiges Pilotprojekt bekannt: In sechs ausgewählten Filialen in der Deutschschweiz können Foodboxen mit wöchentlich wechselnden Inhalten gekauft werden. Jede Box enthält die Zutaten für ein Gericht für zwei Personen, eine Zubereitungsanleitung, und kostet zwischen 22.50 und 33 Franken.

Was hat Coop vor?

Die Stellungnahme von Coop lässt erahnen, dass auch der Basler Händler ein Projekt am Köcheln hat. Foodboxen seien ein interessanter Markt mit Potenzial. Die Frage, ob Coop ähnliche Pläne hegt, kommentiert Sprecher Urs Meier jedoch nicht. Alles andere würde allerdings überraschen, sind doch Migros und Coop Meister darin, voneinander abzukupfern.

Lidl geht es bei seinem Projekt darum, neue Kunden zu erreichen. Kröll sagt denn auch, dass das Angebot ebenfalls für Kunden in der Westschweiz offen ist. Dort haperte zuletzt die Expansion, da das Verteilzentrum in Sévaz FR lange auf sich warten liess. Andererseits erhält Lidl Erkenntnisse über die Logistik-Abläufe bei der Heimlieferung von Lebensmitteln, die ihre Tücken aufweist. Insbesondere dann, wenn Kühlung nötig ist. In Märkten wie Deutschland, Belgien und den Niederlanden führt Lidl bereits einen Onlineshop für den Verkauf von Non-Food-Artikeln wie Möbel und Werkzeuge. Die Frage ist, ob Lidl irgendwann auch ein Konkurrenzprodukt zu den Food-Onlineshops von Coop und Migros lancieren könnte.