Luftfahrt
Hamburger- und Sandwich-Lieferung direkt ans Abfluggate: US-Start-up nimmt Schweizer Flughäfen ins Visier

Ein kalifornisches Jungunternehmen erfüllt die Essenswünsche von hungrigen Passagieren. Trotz der Covid-Krise plant At Your Gate die Grossexpansion - auch mit Hilfe rollender Roboter. Hiesige Airports zeigen Interesse.

Benjamin Weinmann
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Noch rasch eine Fajita vor dem Florida-Flug? Das US-Start-up At Your Gate macht's möglich.

Noch rasch eine Fajita vor dem Florida-Flug? Das US-Start-up At Your Gate macht's möglich.

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Warten. Und warten. Und nochmals warten. Die Zeit bis zum Abflug kann manchmal lange dauern. Wenn dann auch noch der Magen zu knurren beginnt, fehlt oftmals eine echte kulinarische Auswahl - und spätestens an Bord ist diese sowieso Fehlanzeige. So sieht es zumindest At Your Gate. Und aus diesem gastronomischen Missstand an Flughafen-Gates möchte das US-Start-up aus San Diego, Kalifornien, nun Profit schlagen.

Die Idee: Passagiere können via App aus einer Vielzahl an Restaurants auf dem Flughafengelände auswählen - auch solchen, die nicht in der Nähe ihres Gates sind - und sich das Wunschessen vor Ort und rechtzeitig vor dem Abflug liefern lassen, vom «McDonald's»-Burger, über das «Panda Express»-Pouletmenü bis hin zum «Dunkin' Donut»-Dessert. Ein «Uber Eats» für Flugreisende quasi. Zudem können auch USB-Kabel, Schlafmasken oder Nackenkissen aus den Airport-Shops bestellt werden. Der Dienst kann nicht zuletzt auch für Menschen mit Behinderungen einen Zusatznutzen bieten, deren Auswahl oftmals stark begrenzt ist, da sie in der Regel direkt ans Gate gebracht werden.

Auch für Flight Attendants und Piloten

«At Your Gate»-Managerin Susan Lintonsmith.

«At Your Gate»-Managerin Susan Lintonsmith.

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2018 erst gegründet, bietet At Your Gate den Service bereits an 18 US-Flughäfen an. Und in den nächsten drei Jahren soll diese Zahl mehr als verfünffacht werden, mit weiteren Standorten in den USA und im Ausland. 90 Flughäfen sind das Ziel. Dabei käme auch die Schweiz in Frage, sagt At-Your-Gate-Managerin Susan Lintonsmith gegenüber CH Media. «Das Angebot richtet nicht nur an Passagiere, sondern auch an Flughafen- und Airline-Angestellte», sagt die ehemalige Chefin der US-Sandwichkette Quiznos, einer Konkurrentin von Subway.

Die Covid-Pandemie und die entsprechende Aviatik-Flaute habe die internationale Expansion beeinträchtigt, sagt Lintonsmith. Jene im Heimmarkt aber nicht. «Die Konsumentinnen und Konsumenten schätzen die möglichst kontaktlose Lieferung.»

Die Lohn-Frage bleibt unbeantwortet

Bereits im Einsatz: Der Gita-Roboter der italienischen Firma Piaggio.

Bereits im Einsatz: Der Gita-Roboter der italienischen Firma Piaggio.

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At Your Gate setzt dabei auch auf die Hilfe von rollenden Robotern, die das Essen bei der Auslieferung warmhalten. Dafür ging die kalifornische Firma eine Partnerschaft mit einer Tochterfirma des italienischen Töffherstellers Piaggio ein: Piaggio Fast Forward. An sechs US-Flughäfen kommt der Roboter Gita bereits zum Einsatz. Dieser funktioniert halbautonom und folgt den Angestellten von At Your Gate. Laut Lintonsmith kann er bis zu 18 Kilogramm transportieren. «Er könnte auch an Schweizer Flughäfen eingesetzt werden, sofern ihn diese bewilligen.»

In den USA kostet die Lieferung laut Lintonsmith 4.99 Dollar für Passagiere und 2.99 Dollar für das Aviatik-Personal. Die Frage, wie das Salärsystem für die Angestellten aussieht und wie man die generelle Kritik an den tiefen Löhnen in der Lieferbranche beurteilt, lässt die Managerin hingegen unbeantwortet.

So wirbt das kalifornische Start-up At Your Gate für sein Geschäftskonzept.

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Das Konzept stösst bei Schweizer Flughäfen auf Interesse. Laut Ignace Jeannerat, Sprecher des Genève Aéroport, habe man vor zwei Jahren damit begonnen, ein solches Angebot zu prüfen und sich mit anderen Flughäfen auszutauschen, die bereits darüber verfügen. Wegen der Pandemie und der dadurch gesunkenen Passagierzahlen, habe man erste Tests aber auf Eis gelegt. 2022 wolle der Genfer Flughafen die Idee aber wieder aufnehmen. Um welche Partner es sich bei den Tests handelt, will Jeannerat nicht verraten.

Basler Flughafen offen für neue Verpflegungsoptionen

Auch in Basel-Mulhouse scheint man der Idee nicht abgeneigt zu sein. Walburga Bur, Sprecherin des binationalen Euroairports, sagt, man führe ständig Markterhebungen durch, um Kundenbedürfnisse zu erfassen. Entsprechend prüfe man auch stetig neue Verpflegungskonzepte. Allerdings sei das Gastronomie-Angebot wegen der Covid-Restriktionen derzeit sehr eingeschränkt. «Aufgrund der noch immer tiefen Passagierzahlen und der grossen Unsicherheiten haben sich einige Anbieter entschlossen, mit der Wiedereröffnung ihrer Lokale zu warten.»

Jasmin Bodmer-Breu, Sprecherin des Flughafens Zürich.

Jasmin Bodmer-Breu, Sprecherin des Flughafens Zürich.

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Eine klare Absage an die Adresse von At Your Gate und allfälligen Konkurrenten gibt es hingegen vom grössten Schweizer Landesflughafen: «Aufgrund der kurzen Wege im Passagierbereich und der hohen Dichte an vielseitigen gastronomischen Angeboten sehen wir derzeit kein Potenzial», sagt Flughafen-Zürich-Sprecherin Jasmin Bodmer-Breu. Man kenne die Anbieter solcher Konzepte und habe auch schon verschiedene Angebote geprüft. «Es gab aber keine vertieften Gespräche.»

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