MCH-Group
James Murdoch investiert in digitalen Kunsthandel

Der Grossaktionär der MCH-Group und damit der Art Basel setzt auf den Blockchain-Handel von digitaler Kunst.

Christian Mensch
Drucken
Teilen
James Murdochs Lupa Systems sichert sich weiteren Einfluss im Kunstbereich.

James Murdochs Lupa Systems sichert sich weiteren Einfluss im Kunstbereich.

Zvg / bz Zeitung für die Region

Im September hat die erste Art Basel in postpandemischer Zeit stattgefunden. Live mit dabei: James Murdoch, Spross des australischen Medientycoons und seit einem knappen Jahr Ankeraktionär sowie Verwaltungsrat der Muttergesellschaft MCH Group. Doch Murdoch liess die Gelegenheit ungenutzt, vor Ort zu erläutern, weshalb er sich eine 32-Prozent-Beteiligung gesichert habe. «Es gab für ihn keine Veranlassung, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren», erklärt die Medienstelle auf Anfrage.

Für diese Öffentlichkeit – die öffentliche Hand ist ebenfalls mit rund einem Drittel am Messekonzern beteiligt – bleiben die konkreten Absichten von Murdoch deshalb so unbekannt wie für die Kunstwelt. Denn auch nach einer umfangreichen Recherche musste «ARTnews» die Frage offenlassen, wie es mit der Art Basel und dem neuen Eigentümer weitergehe. Während einige der befragten Galeristen erwarten, dass James Murdoch die Kunstmesse in einen Verbund von Unterhaltungs- und Luxusfirmen einbinden werde, gehen andere davon aus, dass sich wenig ändern werde.

Nun zeigt sich, dass Murdoch in anverwandte Bereiche investiert. Seine Investmentgesellschaft Lupa Systems beteiligt sich am ambitionierten Start-up Blockchain.art der Kunst-Unternehmerin Christina Steinbrecher-Pfandt. Auf dieser Plattform sollen Galeristen, Künstler oder auch Messen ihre Handelstätigkeit abwickeln können. Bezahlt werden kann in Kryptowährungen oder auch in gängigen Währungen. Entscheidend sind die sogenannten «nichtfungiblen Token» (NFT), mit denen auch bei digitalen Kunstwerken ein «Original» bezeichnet werden kann. In einem Beitrag für «Artnet» erklärte Steinbrecher-Pfandt, dass gerade die Akzeptanz von regulären Währungen auch die Akzeptanz von NFTs massgeblich fördern werde.

Die Art Basel könnte Blockchain.art zum Durchbruch verhelfen

Blockchain.art verbindet gleich drei Trends im Kunsthandel: Zum einen boomt der Onlinehandel. Zum anderen kommen Transaktionen in Kryptowährungen dem internationalen Kunsthandel besonders zugute, da die Geldflüsse häufig nicht transparent gestaltet sind. Zum Dritten jedoch: Mit NFT lassen sich auch digitale Kunstwerke wieder zu Höchstpreisen verkaufen. Faktisch lassen sie sich zwar unbeschränkt häufig reproduzieren, doch nur ein Exemplar oder eine zahlenmässig beschränkte Serie kann sich wertsteigernd als Original ausweisen.

Blockchain.art ist nur eine von unzähligen Initiativen, die sich auf diesem aufkommenden Markt zu etablieren versuchen. An der Art Basel hat etwa die deutsche Galerie Nagel Draxler zum ersten Mal digitale Kunst mit einem NFT-Siegel angeboten und ist nach eigenen Angaben auf erhebliche Nachfrage gestossen. Wenn Murdoch der Blockchain.art zum Durchbruch verhelfen will, ist zu erwarten, dass die Art Basel bald zu einem Kunden der Plattform wird. Ein offizielles Statement zu einer Zusammenarbeit war von der MCH Group nicht zu erhalten.

Aktuelle Nachrichten