Renault und Fiat-Chrysler

Mehr Auswahl und bessere Preise: Was bedeutet die Mega-Fusion für Schweizer Garagen?

Renault und Fiat-Chrysler wollen den weltgrössten Autokonzern schmieden.

Renault und Fiat-Chrysler wollen den weltgrössten Autokonzern schmieden.

Der geplante Megadeal wird die Landkarte im Autogeschäft verändern. Was heisst die Fusion von Fiat und Renault für die Garagen in der Schweiz?

Wachsen oder sterben: Die Automobilindustrie ist einer der am härtesten umkämpften Wirtschaftszweige. Eine auf sich gestellte Marke hat höchstens im hochpreisigen Luxussegment reelle Überlebenschancen. Nur wer sich in grosse Mehrmarken-Konzerne einbringt, wird langfristig überleben. Vor allem in naher Zukunft, wo die Hersteller vor einschneidenden Veränderungen stehen, die mit grossen Investitionen verbunden sind: Digitalisierung, Elektrifizierung und Fahrerassistenz bis hin zum autonomen Fahren. Teure Technologien, die Fiat Chrysler dringend benötigt. Mit einem starken Partner könnte man hier verlorenen Boden gutmachen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Eine Fusion mit Renault könnte den Italienern dabei gute Dienste leisten.

Umgekehrt könnte auch Renault von einer Partnerschaft mit Fiat Chrysler profitieren. Denn mit Jeep, Alfa Romeo und Maserati ist der italoamerikanische Konzern in grösseren und höherpreisigen Fahrzeugsegmenten vertreten, die den Franzosen fehlen.

Ausserdem käme der Grosskonzern auf enorm hohe Stückzahlen, wodurch Skaleneffekte besser genutzt und damit die Produktionskosten gesenkt würden.

Wirtschaftlich und strategisch böte eine Fusion also viele Chancen. Doch was würde dies für die Kunden bedeuten?

Neue Kombinationen

Durch einen konzernübergreifenden Technikbaukasten ergeben sich viele Möglichkeiten, neue Modellvariationen zu realisieren. Aus emotionaler Sicht ist das vielleicht ein Nachteil, da sich viele Modelle ähnlich sein können. Doch in erster Linie bedeutet das für den Kunden: mehr Auswahl zu besseren Preisen.

Jüngstes Beispiel für die Ausweitung eines Konzerns ist die Integration von Opel in die PSA-Gruppe. Modelle wie der Opel Grandland X und der Peu- geot 3008 ähneln sich technisch stark, behalten so weit als möglich ihre Markenidentität – und sind beim Preis sehr wettbewerbsfähig. Nur so wird es möglich sein, künftig auch neue Antriebstechnologien zu massentauglichen Preisen anzubieten. Hier wird Fiat Chrysler vor allem von Renaults Know-how in Sachen Elektromobilität profitieren können. Auch die Entwicklung von Diesel- und Benzinmotoren wird durch strenger werdende Emissionsgesetze immer teurer. Damit wird es wichtiger, einen Motor in möglichst vielen Modellen bei mehreren Marken einsetzen zu können; nur so lohnt sich die kostenintensive Entwicklung.

Viele Standorte in der Schweiz

Noch ist es zu früh, um darüber zu spekulieren, was eine Fusion für die Organisation, den Import und die Händler bedeuten würde. Beide Seiten geben hierzu noch keine offiziellen Statements ab. Natürlich entstehen bei einem Zusammenschluss Synergien, durch die wohl einige Stellen eingespart würden. Nach aussen hin wird man die traditionsreichen Marken aber weiterhin eigenständig halten wollen – auch im Handel. Insofern sind die Händler nicht direkt bedroht.

Doch die Dichte an Automobilhändlern und Werkstätten ist in der Schweiz sehr hoch. Schon alleine Renault ist an 226 Standorten präsent. Fiat Chrysler ist mit 41 Alfa-Romeo-Stützpunkten, 46 für Jeep und 37 für Fiat ebenfalls weit verbreitet. Einige dieser Händler könnten durch eine Fusion leicht weitere Marken ins Programm aufnehmen und damit neue Kundengruppen erreichen. Auch im Handel geht der Trend zum Mehrmarkenbetrieb, da grosse Autohäuser oftmals effizienter arbeiten können. Es gilt auch für den Markt hier: wachsen oder sterben.

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