Legacy Pharmaceutical

Michael «Rocco» Danzi schliesst Birsfelder Pharmafirma und entlässt 250 Personen

Michael «Rocco» Danzi liquidiert seine Firma in Birsfelden.

Michael «Rocco» Danzi liquidiert seine Firma in Birsfelden.

Der US-Unternehmer und Ex-Soldat Michael «Rocco» Danzi liquidiert seine Birsfelder Firma Legacy Pharmaceutical.

Michael «Rocco» Danzi schöpft seine Lebenserfahrung aus seiner Zeit bei den Streitkräften der US-Marine. Mit Atomwaffen war er unterwegs, an hochgeheimen Operationen hat er teilgenommen, lebensbedrohliche Situationen hat er unter Wasser gemeistert. Dies schildert er für die Harvard Business School in einem langen Video-Interview, das er als einer ihrer Vorzeigeabsolventen gegeben hat. Sein Leitspruch ist «It’s not over till it’s over». Vorbei ist es nun aber bei seiner Firma Legacy Pharmaceutical. Auf Dezember verlieren 250 Angestellte in Birsfelden bei Basel ihren Job.

Gravierende Produktionsdefizite

Der Anfang vom schnellen Ende bahnte sich im August an, nachdem die Aufsichtsbehörde Swissmedic bei einer Inspektion teils gravierende Produktionsdefizite festgestellt hatte. Sie ordnete einen Produktionsstopp an und verpflichtete die Firma, die Kunden zu informieren. Es gebe einen auffälligen Mangel an Managementaufsicht und unzureichende Ressourcen, um die Probleme anzugehen. Im Oktober warnte Swissmedic vor möglichen Lieferunterbrüchen für Arzneimittel, die in Spitälern eingesetzt werden.

Im November kommunizierte Danzi gegenüber der Belegschaft einen weitgehenden Produktionsstopp, allerdings mit dem Verweis auf das Russland-Geschäft, das ins Stocken geraten sei. Mitarbeiter erzählen, die Firma habe sich in starke Abhängigkeit von einem russischen Kunden gebracht.

Swissmedic-Inspektion und Russland-Probleme

Vergangene Woche nun wurden die Mitarbeiter informiert, dass der Betrieb Ende Monat eingestellt werde, was zunächst der «Blick» berichtete. Mitarbeiter meldeten sich beim Arbeitsamt, doch bisher sind weder die Gewerkschaften noch das Arbeits- und Konkursamt informiert. Auch Anfragen dieser Zeitung blieben unbeantwortet.

Die Geschichte der Firma beginnt 1947 als Solco AG und ist untrennbar verbunden mit einem Produkt, das heute noch den Umsatz bringt: Solcoseryl, ein Extrakt aus Kälberblut, das als Grundstoff verschiedenen Arzneimitteln beigemischt wird. Solco gehörte zum Imperium der Basler Industriellenfamilie Hopf, bis diese nach einer Millionenunterschlagung ihres Verwaltungsratspräsidenten ins Schlingern kam. Solco wurde darauf von Hand zu Hand gereicht und mehrfach umbenannt.

Ein Geschäft: Kälberblut und Schlangengift

2007 übernahm der Kalifornier Danzi die Firma mit Produktionsstätten in der Schweiz und in Puerto Rico vom damals trudelnden Valeant-Konzern und nannte sie neu Legacy Pharmaceutical. Danzi baute aus, 2011 aber auch wieder ab: China hatte die Erneuerung der Importlizenz verweigert für das auf Schlangengift basierende und als Blutstiller nach Operationen eingesetzte Mittel Reptilase.

Zur grossen Überraschung der örtlichen Behörden schloss Danzi 2013 die Niederlassung in Puerto Rico, obwohl er kurz zuvor noch Investitionen von 34 Millionen Dollars angekündigt hatte. 115 Stellen gingen verloren. In Birsfelden baute Danzi zuletzt eher aus. Die Zahl der Mitarbeiter stieg an, damit aber offensichtlich auch das Risiko.

Verlust und Reserven

Aus Bilanzzahlen der in Luxemburg domizilierten Holding geht hervor, dass die Firma im vergangenen Jahr gut 5 Millionen Dollar Verlust geschrieben hat und noch über Reserven von 12 Millionen Dollar verfügt.

Als Navy-Soldat prägte sich Danzi noch ein anderer Leitspruch ein: «Don’t give up the ship». Bei Legacy ist für ihn offensichtlich der Zeitpunkt gekommen, das Schiff aufzugeben.

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Autor

Christian Mensch

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